Nicht nur Arbeit 

 

Wieder ist eine Woche um und es gibt nicht viel Neues zu berichten. Das Arbeiten und das Leben plätschert so vor sich hin, Alltag, wie er ziemlich ähnlich auch zuhause statt finden würde. Das Bordleben am Yard hat seine Routinen die es braucht damit man das Schiff sauber hält, dann kümmert man sich ums Essen und den Abwasch. Gekocht wird jetzt die meiste Zeit schon wieder im Schiff, den Abwasch erledige ich immer noch lieber in der Küche der Marina, da ist einfach mehr Platz und man hat warmes Wasser und man muss anschließend das schmutzige Wasser nicht im Kanister zum Kanal bringen. Das Badezimmer ist ebenfalls ausgelagert, die Toilette funktioniert eh nicht und zu viel Nässe im Schiff, kalt duschen und dann das Abwasser wegschleppen, wären nicht schlau. 

 

Nicht das uns die Arbeit ausgehen würde, aber die wirklich dringenden Dinge sind erledigt. Wir haben sogar in einem Anfall von Eifer die Antirutschbeläge auf den Stufen erneuert und zuvor noch das abgetretene Holz geschliffen und neu lackiert. Das war mir wichtig, denn die alten abgetretenen und fleckig grau bis schwarzen Beläge waren einfach nicht mehr zu reinigen. An manchen Stellen war das Material schon dünn und glatt. Der Niedergang ist immer steil und man sollte da auf keinen Fall ausrutschen. Da gab es schon böse Verletzungen und die natürlich dann, wenn man im Stress ist, segeln bei Schlechtwetter zum Beispiel. 

 

Im Moment können und wollen wir noch nicht weiter weg vom Schiff, das Wetter ist auch nicht besonders, also beschränken wir uns auf Tagesausflüge in der Gegend und Grillabende mit Freunden. Sonntag war Markttag in Waipo, 40 km südlich von Whangarei. Vormittags mischten wir uns ins bunte Treiben. Der Markt bietet lokale Produkte und natürlich Handwerkszeug, Schmuck und Kunst. Wir erstehen Avocados, von einem älteren Herrn selbst gemachte Marmelade und ich bekomme warme Hausschlapfen. Der Boden im Schiff bleibt, auch wenn wir heizen kalt.

 

Nachmittag fahren wir die Küste entlang, spazieren ausgiebig am 13 km langen Strand von Parihaka und zurück durch die Dünen zur Flussmündung. Große Teile der Dünenlandschaft sind Naturschutzgebiet, Platz für brütende Vögel. Wer da aller so wohnt wird auf Tafeln erklärt. Robert ist kein Vogelfreund, sein Interesse hält sich in Grenzen, aber ich freue mich über jeden kleinen lebenden Erdenbürger, viele sind leider vom Aussterben bedroht. Da sollte sich rasch was ändern und wir alle achtsamer mit der Natur umgehen. 

 

Bevor wir wieder zu unserem Schiff zurück kehren schauen wir noch bei der Marsden Cove Marina vorbei. Eine große, noble Marina, weit weg von einem Ort in dem man sich gut versorgen könnte. Aber immerhin haben sie seit heuer einen Four Season Markt, das sind die Greißler, noch kleiner als bei uns der ADEG. 

 

Montag ist ein sonniger Tag, den nutzen wir um uns mal ans Unterwasserschiff zu wagen. Soweit geht wollen wir die Reste des Antifouling oben lassen und nur das weg schleifen, was ohnehin schon lose ist. Mit der Spachtel vergrößert man die kleinen weißen Stellen rasch auf ein Vielfaches, irgendwann kommt man aber auf einen festen Rand. Robert schleift dann mit der Flex die Stellen so aus, dass der Rand keine Kante mehr hat, sondern sanft verlaufend ist. Zu Mittag bekommen wir uns fast in die Haare, weil man bei der Arbeit furchtbar dreckig wird und wir das in einem Tag nicht schaffen, also sicher noch ein- oder mehrmals ran müssen um später das Antifouling problemlos auftragen zu können. Dienstag regnet es, Projekt Unterwasserschiff muss warten, wir arbeiten Indoor weiter. Vor unserem nächsten Projekt graut uns schon, deshalb haben wir es schon Jahre konsequent ignoriert. In beiden hinteren Kojen löst sich das weiße Kunstleder von der Decke, nicht überall, rund um das Fenster hält es natürlich. Das Fenster ausbauen trauen wir uns nicht, wer weiß ob wir es dann wieder dicht bekommen. Die Holzleisten an den Rändern sind rasch demontiert und schon hängt das Material in den Raum und feiner gelber Staub entleert sich auf unsere ausgelegte Folie und auf mich. Die Decke ist mit Styrodur belegt, da sollte später das Kunstleder wieder flächig verklebt werden. Es gibt keine Lage in der man angenehm arbeiten könnte, im Liegen hat man zu wenig Reichweite, zum Sitzen ist der Raum zu niedrig. Ich quetsche mich mit Bürste, Tüchern und Wasser unter die Plane und versuche alles, was locker ist zu entfernen. Ein Spezialkleber und eine zusätzliche Leiste besorgen wir im Baumarkt, eine Freude die Baustelle verlassen zu können. In mehreren Etappen kleben wir dann später die Bespannung wieder rauf, muss ja für einige Zeit angedrückt werden. Das Ergebnis ist nicht perfekt, wir hoffen es hält soweit. Die andere Koje ist jetzt bei genauer Betrachtung nicht ganz so schlimm, also werden wir erst gar nicht alles ablösen, wir versuchen es mit Unterspritzen. 

 

Nachdem wir ohnehin noch einige Wochen Zeit haben bis unsere Segel kommen, müssen wir nicht jeden Tag arbeiten. Mittwoch vereinbaren wir uns wieder mit Bernd für eine Tour auf den Mt. Manaia. Der Weg ist noch sehr nass vom Regen, der Dienstag hartnäckig den ganzen Tag versaut hat. Auch dieser Wanderweg hat unzählige Stufen, der Ausblick auf den Fluss und das Meer fantastisch. Abends gibt es noch ein letzten Mal Grill mit Bernd, auch er verlässt jetzt Whangarei, positioniert sich mal Nähe Marsden Cove und möchte Dienstag, falls das Wetterfenster hält nach Neukaledonien starten. In der Zwischenzeit hat sich allerdings das erwartete Tief um einen Tag verspätet und ein bereits vorbei gezogenes kommt mit Wind von Nordost zurück. Dazwischen ist Flaute und draußen sind 6 Meter hohe Wellen, wahrscheinlich Kreuzsee. Wer da los fährt ist lebensmüde, also heißt es für alle weiter "bitte warten".

 

Der Rest der Woche ist schnell um, ein sonniger Tag und das Unterwasserschiff wird fertig vorbereitet, war dann eh nicht so schlimm wie beim ersten Schock befürchtet.

Am Wochenende kommt dann die angesagte Front mit Regen und heftigen Böen bevorzugt aus Nordwest. Auch im Schiff an Land bekommt man alles hautnah mit, nur Ankerwache brauchen wir nicht zu halten, wir können uns weiterhin unter die Decken kuscheln. Das Nordland, alles oberhalb Aukland, ist eher flach, kein größerer Berg hindert den Wind über die Insel zu pfeifen oder hält den Regen auf. Schön gleichmäßig ergießt er sich mal als Nieselregen, mal als Schütter über uns. Und genauso rasch wie alles kommt ist es auch drüber hinweg. Sonntag früh eben dieses graue Nass, verheißt einen Regentag, den wir gemütlich angehen. Gegen Mittag plötzlich strahlend blauer Himmel, fast windstill und warm. Da muss man sich ein bisschen die Füße vertreten. Robert lernt dazu und zieht auch die Wanderschuhe an, denn wenn's passt kann so ein Spaziergang länger werden. 12km zu den Hatea Falls  gehen schon als Wanderung durch. Immer den Fluss entlang bis zum Wasserfall, dank ausreichend Regen schießt das Wasser nur so den Fels herunter. Wasserfälle sind im Sommer bei Trockenheit oft eher enttäuschend, da haben wir richtig Glück. 

 

Montag geht die Front nochmal so richtig durch, ein Regentag mit viel Wind, am liebsten bleibt man da gleich liegen. Im Schiff ist es gemütlich, alle paar Stunden muss der Heizlüfter für einige Minuten laufen, so hält sich die Temperatur gut und man kann sitzen, lesen und am Computer arbeiten. Da ist eh auch viel zu tun und zum Glück haben wir jetzt durch unsere Verstärkerantenne auch recht guten Empfang im Netz der Werft. Unser Internetkontingent würde mit den Downloads und Recherchen rasch leer gefressen werden. Für Whats App und Mails reicht es gerade mal.

Jeder sonnige Tag will jetzt genutzt werden, Dienstag nehmen wir uns die nächste Runde über den Mt. Parihaka vor. Die Runde ist schön, weil man länger durch den Wald geht ohne ständig über Stufen rauf oder runter zu müssen, zum Schluss muss man ein Stück an der Straße zurück zum Auto. 

 

Unsere Segel sind immer noch nicht einmal losgeschickt, jetzt wird es langsam knapp mit dem Wegkommen von hier und somit schwindet unsere Motivation weiter und weiter am Schiff zu arbeiten. Ich möchte aber trotzdem alles zum Start beisammen haben, das ist für den Verkauf später auch nicht schlecht. Mittwoch ist der Spinnaker dran. Einmal auspacken und durchsehen, bei 120 Quadratmeter Stoff ein ziemliches Gewurschtel. Ein paar nicht gut geklebte Stellen finden wir und reparieren sie sofort. Jetzt ist er soweit wieder in Ordnung und zurück in seinem Bergeschlauch und Sack, bereit bei Leichtwind das Schiff über den Ozean zu ziehen. Längerfristig wird auch er ersetzt werden müssen, denn jeder stärkere Ruck im Segel könnte einen neuen Riss bedeuten, nach 17 Jahren ist das Material einfach mürbe und die Nähte knapp davor sich aufzulösen. 

 

Freitag kommt Thomas mit der SY Nespuck raus aus dem Wasser, auch er hat sich einiges an Arbeit, die nur in der Werft erledigt werden kann vor genommen. Leider schneidet er sich bei einem der Metallträger des Slipwagens ein Cut in die Handfläche. Eine blöde Stelle, die auch schlecht heilt, weil immer Bewegung drauf ist. Das muss genäht werden und weil wir Segler nicht so kompliziert sind, erledige ich das bei uns im Salon mit lokaler Betäubung der Haut. Jetzt ist die Arbeit etwas erschwert, denn die Hand soll nicht zu sehr belastet werden und schon gar nicht nass, sonst wird die Wunde womöglich noch eitrig. Thomas schafft das aber gut, ein echter Segler halt. 

 

Für Samstag haben wir wieder einen Ausflug geplant und weil Verabredungen eh nicht so einfach sind, haben wir uns von einem regnerischen Tag im Wetterbericht nicht abschrecken lassen. Wir treffen uns mit Barbara und Familie um halb Elf am Parkplatz des Tanekaha Walkway bei Mangawhai, ca. eine Autostunde von Whangarei entfernt Richtung Süden. Die Wolken hängen tief und es nieselt oder die Luft ist einfach so nass. Egal, wir starten durch die Putzstation in den Wald und wandern den schmalen, rutschigen Pfad entlang. Gleich zu Beginn zeigt uns Chris eine Waldtaube, ein großer schöner Vogel, der sich auch recht schwer tut mit dem Fliegen, besonders wenn er viele Früchte gegessen hat. Und wenn die Früchte überreif sind wird er davon besoffen, dann torkelt er nur so rum und an fliegen ist gar nicht mehr zu denken. Neuseeland hat spezielle Tiere, wahrscheinlich zu lange kaum Feinde, da wird man träge und leichtsinnig. Er rührt sich auch nicht und lässt sich gut fotografieren. 

Lange geht es immer den Fluss entlang, oftmals müssen wir ihn überqueren und entlang der Wasserfälle geht es steil bergauf bis wir den ersten Gipfel erreicht haben. Müde und hungrig halten wir nach einem Platz für eine Rast und Jause Ausschau und obwohl man den Eindruck hat in Neuseeland gibt es überall Toiletten und Rastplätze, wird man hier eines Besseren belehrt. Wenn man sie bräuchte machen sie sich rar und so bleiben wir einfach mal wo stehen, ein Stück Brot, Käse und Apfel, ein paar Schluck aus der Flasche und alles wieder weg packen. Die Ausblicke zwischen den Bäumen sind mit den tief hängenden Wolken auch nicht so toll, kalt ist es, wenn man stehen bleibt, also wandern wir zügig weiter und sind nach dreieinhalb Stunden wieder bei den Autos zurück. Die Runde hat es in sich, denn es geht am Rückweg mehrmals einen Hügel hinunter und danach gleich auf den nächsten hinauf, wobei die Bergabstrecken durch den Gatsch besonders rutschig sind.

In Mangawhai gibt es dann Stärkung in einer Pizzeria, dann verabschieden wir uns und treten den Heimweg an. Wir hatten ein unglaubliches Glück, denn pünktlich zur Heimfahrt schüttet es in Strömen, da wäre die Wanderung zu einem Desaster geworden. In der Werft steht ein See unter unserem Schiff, zum Glück kommen wir über den Betonstreifen halbwegs trocken rauf und rasch rein in die leider kalte Stube. Es wird nicht besser, die nächste Front ist bereits im Anmarsch, Sonntagnacht zieht wieder Sturm aus Süd über die Insel, bis 70kmh ist angesagt, da wird es nochmal um einige Grad kälter. Wir haben im Schiff, zwischen 10 und 14 Grad wenn wir nicht heizen, tagsüber mal 18, wenn draußen die Sonne scheint und ein schöner Tag etwas Wärme bringt. Heizstrahler an und vielleicht üben wir uns schon für die Zukunft, wir heizen nur den Salon, etwa 42 Kubikmeter Luft, die sind rasch warm. Dicke Socken, warme Patschen, Pullover und wenn nötig warme Unterwäsche, so hält man es aus. 

 

Sonntag ist wieder ein recht sonniger Tag, wir nutzen die Gelegenheit und besuchen nochmal unsere Freunde in Opua, bisher sind sie alle noch nicht weg gekommen, aber diese Woche könnte es klappen. Ein netter Tag bei Café und Kuchen und allerhand alter Geschichten. Erst nach den letzten Umarmungen wird uns klar, dass wir uns lange nicht wieder sehen werden, wir kommen hier so schnell nicht weg und alle, die die Covid Zeit hier in Neuseeland verbracht haben müssen weiter, nach Australien oder Indonesien. 

 

Montag und Dienstag vertreiben wir uns die Zeit mit Ordnung schaffen, Recherchen und kleinen Reparaturen, Waschsalon,...

Der Wind pfeift nur so über uns hinweg und Wolken, Regen, Sonnenschein wechseln unheimlich schnell so dass auch Regenbögen immer wieder zu schöner Stimmung beitragen. 

 

Auch wenn viele über die Ungenauigkeit der Wettervorhersagen jammern, hier passen Sie ganz gut und so ist Mittwoch die Front wieder durch, eine sagenhafte Stille, kein Wind, sternenklare Nacht und Sonne am Morgen bei sieben Grad indoor. Jetzt ist Winter, viel kälter wird es angeblich nicht mehr, viel mehr zum Anziehen hätten wir auch nicht. 

 

Das Werftleben mit dem Heizstrahler ist jetzt fast die einzige Chance die wir haben und zum Glück sind die recht unauffällig bei der Arbeit. Irgendwann am Vormittag sieht man ein paar Arbeiter über den Yard huschen und manchmal hört man auch ein Geräusch von Schleifmaschinen. Staubbelästigung wäre uns noch keine aufgefallen. Nur nach dem Hochwasser, bei fallender Tide können Schiffe raus geholt werden, also meist nur einmal am Tag, da rattert der Traktor durchs Gelände und anschließend pfeift der Hochdruckreiniger mit dem das Unterwasserschiff gereinigt wird. Das alles dauert nicht all zu lang, unter einer Stunde ist es wieder ruhig und nachdem man die Fenster geschlossen hat, hört man ohnehin alles nur gedämpft. Wir stehen direkt neben der Slipstelle, gegenüber sind die Hallen in denen gearbeitet wird, wir bekommen wirklich alles mit, sind quasi die Hausmeister hier. Weiter hinten am Yard steht man zwischen begrünten Erdwällen, da bekommt man von den Arbeiten gar nichts mit. Blickt man Richtung Werft sieht man die Schiffe, Hallen und den Müllplatz hinter einer grauen Wand, dreht man sich um, sieht man die grünen Hügel und den Fluss, alles eine Frage der Perspektive. 

 

Mittwoch nehmen wir uns eine weitere Runde über den Mt. Parihaka vor und anschließend bleiben wir zum Einkauf in Whangarei stehen. Von der Werft sind es ein paar Kilometer bis ins Zentrum und zum Berg, das passt perfekt. 

 

Nachdem unsere Freunde Mittwoch starten wollen, schicken wir noch Grüße und wünschen eine gute Überfahrt. Bernd startet nach Neukaledonien, alle, die nach Fiji wollen blasen den Start ab. Zu unsicher das Wetter, zu hohe Wellen und mindestens ein Sturm dem man nicht ausweichen wird können. Wer will das schon, da ist weiter warten die bessere Option. Leider schaut es in der nächsten Woche auch nicht besser aus, Donnerstag eine kleine Front, Sonntag dann die nächste Größere, wenn das so weiter geht, ein wirklich schlechtes Jahr. Winter in Neuseeland, wird der auch immer ungemütlicher? Klimawandel mit Wetterextremen, ja hier gibt es auch Hurrikans und regelmäßig Starkwind und heftige Niederschläge. 

 

Freitag ist hier Feiertag, Matariki das Neujahrsfest der Maori mit einigen Festen und Feuerwerken. Dieser Feiertag wurde heuer festgelegt und er ist weltweit ein Lichtblick, ein gesetzlicher Feiertag für eine Minderheit, für die Indigenen. Man würdigt ihren Glauben, ihre Rituale und gibt ihnen einen Platz in der Gesellschaft. Vielleicht der Beginn eines wirklichen Austausches, eines gemeinsamen Weges.

Wir besuchen eines der Feste, in der Nähe von Whangarei. Der Autocorso mit einigen Oldtimern ist rasch durch den Ort, der Ort und das Fest bei Regen eher trist. Wir hören uns die Ansprache an und ein paar musikalische Einlagen, dann sind wir so durchnässt, dass wir den Heimweg antreten. Das Feuerwerk, falls es statt findet, werden wir nicht sehen. 

 

Auch an diesem Tag schüttet es am Abend und in der Nacht enorm, das Schiff ist dicht, aber die Nässe, die in der Luft ist, schlägt sich an allen Wänden nieder, das Schiff ist für diese Wetterverhältnisse nicht gedacht, zu schlecht isoliert. Damit nichts schimmelt wische ich diesmal nicht nur die Fenster, sondern auch alle Wände trocken. Es darf nichts an einer Wand anstehen und tagsüber müssen wir achten, dass alles gut austrocknet, Heizlüfter und zwischendurch auch mal Fenster öffnen, Stoßlüften, kommt uns bekannt vor. Was mich wundert ist, dass sie hier keine vernünftigen Häuser bauen. Die meisten sind aus Holz, ohne Isolierung mit dünnen Fenstern, ohne Heizung. Heizlüfter und Entfeuchter kämpfen gegen eine  klamme Feuchtigkeit, Schimmel ist vorprogrammiert. Da sind wir mit unserem Schiff in bester Gesellschaft und dank unseres kleinen Raumes sicher auch recht sparsam im Energieverbrauch.

Trotzdem schmerzt es mich hier den Heizstrahler anwerfen zu müssen, schade, dass es nicht wärmer ist. 

 

Unsere Segel sind immer noch nicht am Weg, also bereiten wir uns auf Plan B vor und wandern regelmäßig damit wir fit bleiben. Sonntag nehmen wir den Otaika Vally Walk, sehr rutschig nach dem Regen, aber ein wirklich schöner Pfad über einen Höhenrücken und dann durch einen dichten modrigen Wald. Urwald, die umgefallenen Bäume bleiben liegen, mittendrin ein paar große Kauribäume und in der Sonne duftet Manuka, die berühmte Heilpflanze, die hier überall wächst. 

 

Die nächste Front beschert uns wieder ergiebigen Regen, die Nässe wird zunehmend zum Problem, so dass wir uns einen Luftentfeuchter besorgen. Bei Regen lassen sich die Fenster schlecht öffnen, der Entfeuchter entzieht der warmen Luft am ersten Nachmittag gleich mal 3 Liter, das Ergebnis ist enorm. Die Temperatur im Schiff kühlt nicht so rasch aus, die Wände bleiben trocken und auch die Fenster sind weit weniger beschlagen. Jetzt müssen wir die richtige Kombination an Wärme und Entfeuchtung beobachten, Ziel ist, so wenig wie möglich die Geräte strapazieren, beide brauchen doch einiges an Strom.

Ende der Woche ist wieder ein Monat um, zwei Monate sind wir dann schon wieder in Neuseeland, erschreckend wie rasch die Zeit vergeht.