S/Y Seven Seas

 

Crew: Veronika & Robert

Registration: AUT N-29520

 

MMSI: 203746200

VHF Radio: OEX9520

HAM Radio: OE6RHF

SAT Phone: 00870776721249

 

 

Barbados

Angekommen, am 1.1. um 13:30 am Customer Dock in Port St. Charles angelegt, mit wackligem Schritt Land betreten und vom freundlichen Beamten den Weg zum Zoll erklärt bekommen. Sind nur 100 Meter vom Steg entfernt, vorbei an den Gastliegeplätzen an denen einige Maxyachten liegen, am Weg gleich die Mülltonnen. Die Zollformalitäten mit Unmengen an Formularen zum Ausfüllen, trotzdem rasch erledigt, zurück an Bord. Die Überfahrt ist abgeschlossen, der Anker gefallen, jetzt brauchen wir Zeit, mal rasten und schauen, das Land und die Ruhe im Schiff auf uns wirken lassen, baden im warmen, türkisen Wasser, Baracudas am Grill zum Sonnenuntergang und dann Bettschwere, die erste Nacht in der Bugkoje, ohne Nachtwache, wir schlafen gut.

Port St. Charles liegt etwa eine Seemeile nördlich von Speightstown, der zweitgrößten Stadt auf Barbados, zwei Supermärkte, ein Fischmarkt und einige andere Geschäfte, sonst ein eher verschlafener Ort, gut zu Fuß zu erreichen, wir nehmen den Weg am Strand, vorbei an einer größeren Hotelanlage von der wir uns auch gleich mal das Internetpasswort besorgen. Wunderschöner Strand, Karibik wie aus dem Prospekt, gut platzierte Palmen, türkises Wasser, weißer Sand und im Hintergrund die Segler, also wir und die wenigen anderen die hier vor Anker liegen. Wir schießen auch gleich mal die ersten Fotos, fasziniert von der Stimmung, rundum freundliche Menschen, alle heißen einem Willkommen, grüßen freundlich" joh man" oder andere amerikanische Grussfloskeln und fragen, ob uns Barbados eh gut gefällt. Sie wirken stolz auf ihr Land und freuen sich über unsere positive Rückmeldung. Wir heben Barbados Dollar ab, durchstreifen mal die Geschäfte um unsere frischen Vorräte aufzubessern. Hier ist alles teuer, zumindest so teuer wie in Österreich, oder auch gleich mal das doppelte, Preise auf den Speisekarten der Lokale erinnern an Hilton und Co, scheint eine noble Gegend zu sein. Wir finden aber auch den lokalen Markt, Garküchen oder Verkauf aus dem Autokofferraum heraus, hier versorgen sich die Einheimischen, gegessen wird aus Einwegplastikboxen. Da passt dann KFC auch gut dazu, die haben sogar ein Festtagsmenü ausgepreist, kaum vorzustellen, dass man dieses Fastfood statt dem Weihnachtsbraten isst. Die ersten Tage ist stärkerer Wind, danach wechselnd Flaute und Schauer, einige Tage mehr oder weniger bewölkt mit immer wieder durchziehenden Regenschauern, dann wird es sonnig und dementsprechend heiß. Die kurzen Regengüsse sind wirklich nicht unangenehm, weil rasch vorbei, sodass man, wenn man auch nass geworden ist, rasch wieder auftrocknet. Wolken, Regen und Wind sind hier fast eine angenehm gewünschte Abkühlung, sonst ist es drückend heiß, besonders an Land. Wir verbringen noch viel Zeit an Bord, haben es nicht eilig an Land zu kommen und sind nach kurzen Trips in die Stadt und wieder zurück meist müde. An Bord wird so vor sich hin gerichtet und geputzt, aufgeräumt, alles wieder fürs Küstensegeln umgebaut, erst dann ist man wieder landtauglich, auch das braucht Zeit. Jeden Tag nutzen wir die bereits erschlossenen Internetmöglichkeiten um Mails zu schreiben und zu beantworten. Wenn man dafür jedes Mal an Land muss und in irgendeinem Hof oder Mauersims Platz sucht um einerseits ungestört zu sein und auch noch Empfang zu haben, ist auch das zeitaufwendig und anstrengend. Montags wollen wir eine SIM Karte besorgen, leider gibt es die für Ausländer nicht, zumindest nicht von der Telefongesellschaft, wir finden später doch noch eine Möglichkeit. Von Flow gibt es zwei Gigabyte für einen Monat um umgerechnet 22 Euro.

Mittwoch, ein verregneter Tag scheint uns gerade recht für einen ersten Ausflug per Bus an die Ostküste der Insel. Der Bus durchstreift den Norden, die Orte liegen recht nah beieinander, alle mit den hier typischen kleinen Holzhäusern mit Veranda, mehr oder weniger renoviert und gestrichen. Die etwas größeren Häuser haben den gleichen Stil, nur sind sie gemauert. Dazwischen landwirtschaftliche Flächen und Wald, auf jeden Fall ist alles üppig grün und immer wieder kurz geschnittener englischer Rasen, wirkt mit den Palmen und exotischen Bäumen etwas künstlich. Wir erreichen Bathsheba, die Surfermetropole im Osten, die Wellen rauschen hier ungebremst heran, nichts zum Baden, deshalb steht auch die rote Flagge am Strand. Die Aussicht entlang der Ostküste ist aber wunderschön und wir blicken aufs Meer und wissen, dass wir 2000 Meilen von dort aus gestartet sind, Zeit um Erinnerungen setzen zu lassen, die Reise in ihrer besonderen Stimmung nochmal einzufangen, irgendwie ist es ja recht rasch gegangen, fast schade. Am Heimweg dann ein Besuch im botanischen Garten Andromeda, ehemals ein privater Garten, jetzt staatlich geleitet mit, wie könnte es anders sein, heftigen Eintrittspreisen. Robert sind die Pflanzen den Preis nicht wert, er möchte warten bis ich mir alles angesehen hab. Wir lösen ein Ticket und als sie unsere Entscheidung erfährt, möchte sie unbedingt, dass mich Robert begleitet, einfach so, er soll es genießen, braucht nicht zu zahlen, eine nette Geste. Und wir genießen den Weg über die gut ausgeschilderten Runden an den eindrucksvollen Pflanzen vorbei, haben auch eine deutschsprachige Beschreibung der Pflanzen mitbekommen und einige Hintergrundinformationen, die ebenfalls ganz interessant sind. Zum Beispiel gibt es eine Palme die nur alle 40 bis 80 Jahre blüht und dann eingeht, hier hat sie das 2013 gemacht, jetzt erzählt ihr Stumpf die Geschichte. Bei unserer Wartezeit auf den Bus ernten wir noch zwei Brotfrüchte und ein paar Kokosnüsse, um ehrlich zu sein sind sie schon herunten gelegen, denn vom Palmkraxeln sind wir noch weit entfernt. Jetzt die Herausforderung des fachmännischen Öffnens, Robert rückt ihnen  mit Bohrer und Machete zu Leibe und schafft es gut zuerst die Kokosmilch, welche wir mit weißem Rum zum Sundowner trinken und dann das Fleisch heraus zu bekommen. Da wir mit zwei Nüssen gleich eine ganze Menge Kokosfleisch beisammen haben, mehr als man so wegknabbern kann, erzeuge ich Kokosraspel die im Kuchen und im Fidschianischem- Kokosnußreis vorzüglich schmecken.

Die erste Woche ist rasch vergangen, in mehreren Anläufen haben wir das Unterwasserschiff von den Entenmuscheln und dem Bewuchs befreit und jetzt stört es auch gleich wieder zu sehen, wie sich binnen ein paar Tagen erneut brauner Belag bildet. Scheint hier in dem warmen nährstoffreichen  Wasser tatsächlich deutlich rascher zu gehen als im Mittelmeer. Da müssen wir jetzt wegschauen lernen sonst putzen wir ständig und haben auch bald kein Antifouling mehr am Rumpf, denn das geht ja bei jedem Schrubben auch nicht unerheblich mit.

Wir haben den Vorteil, dass uns einige befreundete Yachten schon voraus sind und wir daher die eine oder andere Information haben, die uns Entscheidungen erleichtert. So verdanken wir es Walter von der SY Toroa, dass wir gleich hier in Port St. Charles einklariert haben, was sicher unkomplizierter ist als in Bridgetown, wo die Mole so hoch ist, dass man kaum aus dem Schiff raus kommt und so wie sie es beschreiben, ist es hier angenehm ruhig, was man von Bridgetown nicht behaupten kann. So zieht es uns auch  nur langsam Richtung Süden und unseren nächsten Stopp planen wir bei Holetown in der Paynesbay, dort ist ein Marinepark, angeblich ein tolles Tauch- und Schnorchelrevier. Außerdem scheint es uns auch bequemer die Ausflüge in den Norden noch von hier aus zu unternehmen, von Holetown die Mitte der Insel zu erkunden und den Süden dann von Bridgetown aus. Der Bus von Bridgetown nach Speightstown braucht vierzig Minuten, dann müsste man umsteigen, das gleiche dann wieder retour, so steigen wir gleich auf der Strecke in den Bus Richtung Norden und fahren in einer halben Stunde nach Cornell Town. Wir wundern uns eh, dass der Bus, obwohl hier Endstation ist noch weiter fährt, bleiben aber sitzen und steigen dann in der Rivers Bay aus. Von dort aus können wir eine Klippenwanderung mit atemberaubenden Ausblicken auf die tosende Brandung bis zur Animal Flower Cave machen. Dort treffen wir wieder auf Touristen und das dazugehörige Angebot mit den erwarteten Preisen. Vorbei am Trubel zurück zum Ort und mit einem Kleinbus, welcher sich auf der Strecke bis zum letzten Platz mit Fahrgästen füllt, sind wir rasch, wie Sardinen in der Dose zurück beim Schiff und auch gleich ausgiebig im Wasser. Individuelle Ausflüge sind zwar aufwändiger aber auch lustiger, so stellen wir uns Reisen vor, wir genießen die Tage.

Auf dem Weg nach Bridgetown gleiten wir langsam an der Küste mit den weißen Traumstränden und den Hotelanlagen vorbei. Keine riesen Klötze, alles eher dezent und die Strände niergends überfüllt, kleine Gruppen von Schirmen, kein Lignano. Holetown entpuppt sich als quasi Vorort von Bridgetown, die ausgewiesenen Ankerplätze sind von Partyyachten belegt und im Marinepark werden hunderte Schnorchler von den Booten ins Meer gelassen. Schaut witzig aus, animiert aber nicht hier Halt zu machen um rein zuspringen, da verliert man sich vielleicht in der Menschenmasse im Wasser. Also weiter und gleich direkt in die Calisleybay, die Ankerbucht in Bridgetown. Riesige Fläche, ein duzend Yachten, feinster Sandgrund, wir ankern gleich in der Nähe der Flussmündung, die direkt ins Zentrum führt. In Erwartung von unerträglichem Lärm und Rummel sind wir angenehm überrascht, denn untertags sind außer einigen Jetskifahrern keine unsinnigen Lärmbrüder unterwegs und nachts beginnt die Diskomusik so gegen Mitternacht und hört um vier wieder auf. Die Lautstärke am Schiff ist ok, ich möchte nicht näher an der Lärmquelle dran sein, leider ist es keine Musik, also selten melodiöse Sequenzen, die meiste Zeit ein abgehacktes, baßbetontes Gewummer und ein DJ der herumschreit als predigte er den Weltuntergang. Vielleicht verlieren sich die Töne am Weg zu uns und was wir hören ist der Rest des Gesamtkunstwerkes, egal, wenn man müde ist, kann man es wegschalten und schlafen, damit sind auch die Nächte gerettet. Der Weg durch den Fluss direkt ins Zentrum zu einer Ecke an der alle Dingis angebunden werden ist angenehm kurz, man steigt direkt im Zentrum aus, eine Brücke vor dem Busbahnhof, von dem aus man die ganze Insel befahren kann. Unser Freitagsausflug nach Oistins zum Fischmarkt beginnt auch dort mit Warten, denn zu dieser Zeit fahren alle, Schüler, Berufstätige, Pensionisten, Touristen, es staut, die Busse haben Verspätung. Einer der wenigen Weißen ist stockbesoffen, quatscht uns auch gleich unangenehm an und wird von Kindern ausgespottet, was ihn natürlich sehr ärgert und zu lautem Schimpfen bewegt. Das Ende der großen weißen Kolonialherren, für uns zum Fremdschämen. Oistins wirft für uns Marlinfilets ab, die wir an Bord zubereiten werden, der Rest vom Markt sind Stände mit Souveniers und großflächige Biertischgarnituren von denen Gegrilltes aus Plastikboxes gegessen wird und das zu den üblich überhöhten Preisen. Alles voll belegt mit Weißen, hier sind sie alle beisammen und genießen die angeblich einheimische Marktstimmung, die Bühne ist, wahrscheinlich noch, leer, ein DJ legt Musik aus der Konserve auf. Wir nehmen uns zwei Bier und hören Bob Marly, die Reihenfolge der Songs kommt uns gleich bekannt vor, hier spielen sie „The very Best of Bob Marly“, die CD kennen wir gut, haben wir auch an Bord. Lange hält es uns hier nicht, man hat es gesehen und mit dem Bus ist man rasch wieder zurück in Bridgetown, an Bord. Der Abend klingt mit gutem Fischmenü auf richtigen Tellern angerichtet mit gedecktem Tisch und dezenter Jazzmusik an Bord aus, ist mir lieber so, denn ich mag nicht aus Plastikboxen essen. Die Stadt nutzen wir auch um mal in größeren Geschäften einzukaufen und das Treiben auf den Märkten zu erleben. Das Angebot ist auch hier nicht überwältigend, es scheint viel importiert zu werden, daher auch die hohen Preise. Aber auch Bananen, die sicher von der Insel kommen, weil unterschiedlich groß, krumm und reif kauft man hier stückweise zwischen umgerechnet 50 Cent und ein Euro. Vielleicht sind das hier die realen Preise landwirtschaftlicher Arbeit und nicht die Großkonzernausbeuterpreise die wir in Europa haben. Einheimische kaufen auch zu den Preisen, zumindest zur Marktzeit und im Supermarkt, vielleicht gibt es danach den Restverkauf günstiger. In Barbados gibt es eine Mischung aus Modern mit einer Mittel- und Oberschicht, die sich sichtlich die importierten Produkte leisten kann, daneben viele Straßenstände, an denen das eben reif gewordene angeboten wird, Bettler und Sandler, die auf der Straße schlafen, also auch sichtbare Armut. Kinder haben Schulpflicht, man sieht sie in Schuluniformen und liest, dass es fast keine Analphabeten mehr gibt und die Kinderarbeit damit wesentlich eingedämmt werden konnte. Trotzdem gibt es hier die Probleme der Schwellenländer, auf den Monitoren der Busstation laufen Aufklärungsspots zum Thema Verhütung (15% der 16jährigen und 23% der 18jährigen haben bereits ein Kind) und HIV, welches hier sehr verbreitet ist. Tourismus ist eine der Haupteinnahmequellen, die neue Abhängigkeit, hier wenigstens kein Billigtourismus, der das Land zerstört und verdient wird mit exklusiven Gästen sicher auch besser.

Unsere Reise ist aber kein langer Urlaub in dem man gerne mal über die Stränge schlägt, weil man ja nur kurz da ist und genießen möchte. Wir sind unterwegs und möchten einfach und nachhaltig leben, wenige Ressourcen vergeuden, sinnvoll einkaufen und diese Art des Lebens auskosten. Daher macht es Sinn sich in jedem Land Zeit zu lassen und mal zu schauen, was hier angebaut und gerade geerntet wird und auch das zu kaufen und nicht Importprodukte, die wieder eine weite Reise durch die Welt hinter sich haben. Hier gelingt es uns jetzt ganz gut, wir kosten uns durch neue Gemüsesorten und Kokos ist ohnehin besser als Creme fresh. Leider haben sie es auch hier noch nicht recht mit Umweltschutz, es gibt keine Mülltrennung und alles wird mehrfach in Plastiksäcke gepackt, wir verwenden sie halt später als Müllsäcke, heben mal auf jeden Fall alle auf und lehnen dankend ab, wo immer es uns gelingt. Auch ihr Pfandsystem auf die Bierflaschen ist umständlich und motiviert nicht sonderlich die Flaschen wieder zurück zu bringen. Überall sieht man sie herumliegen, denn wenn man eine im Supermarkt zurück gibt kann es sein, dass man entweder nur wieder Bier kaufen darf um das Pfand zurück zu bekommen, gar kein Pfand bekommt, oder es nur an dem Tag auf einen Einkauf abrechnen kann. Einmal haben sie sogar unsere Rechnung vom Einkauf kontrolliert und nur die drei dort aufscheinenden Flaschen zurück genommen, mit den anderen musst du dann zu den jeweils anderen Geschäften, dass braucht echte Umweltschutzmotivation.

Auffällig ist auch, dass es nahezu keine Hunde gibt, weder als Haustiere an der Leine noch Straßenhunde, nur wenige Katzen, dafür überall frei rumlaufende Hähne. Hin und wieder auch Hennen, aber viele erwachsene Hähne, sind das die Haustiere und Statussymbole, zum Essen taugen sie ja nicht so gut.

Auch die nächste Woche vergeht rasch und wir sind ganz schön beschäftigt das ganze Programm unter zu bringen, schaffen aber alle Reparaturen, polieren sogar die Niroteile, befreien die Fenster von Salz und Staub, pilgern zur Münzwäscherei und schnorcheln im Marinepark der Bucht. Wenn die Ausflugsboote wieder alle weg sind gleitet man alleine über die Fracks, die da in 3-5 Meter Tiefe im Sand liegen, gut verwittert mit Korallen und bunten Fischen. Auch größere Raubfische lauern auf Beute und eine große Schildkröte schwimmt zum Angreifen nahe vorbei.

 

Samstags kommen unsere Freunde an, nach dem Wochenende geht’s dann los Richtung St. Lucia, der nächsten Insel. Barbados war sicher ein guter Einstieg in die Karibik, weil sehr ruhig und recht sicher, alles in allem überschaubar, keine größeren Attraktionen, britischer Einschlag.