S/Y Seven Seas

 

Crew: Veronika & Robert

Registration: AUT N-29520

 

MMSI: 203746200

VHF Radio: OEX9520

HAM Radio: OE6RHF

SAT Phone: 00870776721249

 

 

Tuamotus II

Die Tage vergehen wie immer im Flug, hier erkunden wir abwechselnd die Insel und den Ort, die deutlich größer sind als in Raroia oder wir gehen Schnorcheln. Bisher nur an den inneren Riffen, da die Strömung im Pass hinaus strömt, zu gefährlich. Sandra und Franz von der SY Kyory sind eines morgens auch eingelaufen, pünktlich für die anstehende Geburtstagsparty. John und Christie von der SY Caecura kommen auch und wir grillen Fisch, noch ist genug da. Ein schöner Abend, man muss die Feste feiern wie sie fallen.

Bei der Post haben wir auch endlich unsere Telefon- und Internetwertkarte gekauft und in Roberts Telefon aktiviert. Leider muss man den Hotspot vom Vinishop freischalten lassen, ginge per Telefon, wenn man sich ausreichend verständigen kann. Zum Glück kommt Michelle von der SY Thelema vorbei und erledigt für uns das Telefonat. Den Rest des Tages verbringen wir dann im Internet und checken mal alle Mails, What's App und lesen Nachrichten, die uns auch gleich ziemlich schocken. Regierungskrise und -auflösung in Österreich, wer hätte damit gerechnet.

Wir kommen mit Michelle und Richard ihrem Mann näher ins Gespräch, sie erzählen uns, dass sie Doris und Wolf, die Seenomaden aus Patagonien kennen, ist schon viele Jahre her und ob wir sie wohl auch kennen. Wir erzählen von ihrem letzten Vortrag, die Nordwestpassage, den wir in Österreich besucht haben und hören viele alte Geschichten aus einem bewegten Seglerleben. Sie leben jetzt schon einige Jahre hier in Französisch Polynesien auf ihrem Boot und kennen jeden Winkel. Von Ihnen erfahren wir auch, dass Dienstag das Versorgungsschiff kommt und man direkt am Steg Frisches kaufen kann. So ähnlich müssen früher bei uns fahrende Händler erwartet und begrüßt worden sein. Noch bevor das Schiff an der großen Mole angelegt hat sind alle geschäftig unterwegs. Autos fahren hin und her, Gabelstapler, Rollwagen aller Art. Zelte werden aufgebaut und ein kleiner Markt mit den üblichen Kleinwaren eingerichtet. Alle Segler stehen mit Rucksäcken und großen Einkaufstaschen im Schatten beim Steg, unterhalten sich angeregt und beobachten das Treiben. Die Dieselfässer werden abgeladen, kleinste Menge, die man beziehen kann sind zweihundert Liter, da tun sich meist zwei Segler zusammen und füllen ihre Tanks. Wir brauchen bis Tahiti nichts zusätzlich, da ersparen wir uns viel Schlepperei und Geld, denn der Liter kostet dann weit über einen Euro. Benzin kann man frühestens am Nachmittag bei den Geschäften kaufen, es dauert halt doch einige Zeit bis alles abgeladen und verteilt ist.  Der Stand mit dem Frischen wird aufgebaut und die Traube rundherum wächst rasch. Alle Köpfe werden gestreckt um das Angebot zu sehen, Obst wird verkauft.

Gemüse erfahren wir später, kommt hier jeden Donnerstag mit dem Flugzeug, ist daher noch teurer und nur in kleinen Mengen im Kühlregal der Geschäfte.

Wir beobachten den Obstverkauf, es gibt Äpfel, Birnen, Orangen und Limetten und drei Säcke Rambutan, that's it. Der Preis schreckt uns dann von einem Kauf der Köstlichkeiten ab, denn jedes Kilo kostet so um die sechs Euro, da essen wir lieber unsere Pampelmusen weiter, die wir noch ausreichend haben.

Den Rest des Vormittages verbringen wir dann damit alle drei Magazine abzuwandern und da und dort Vorräte aufzustocken, frei nach dem Motto, nimm es mit, wer weiß ob es morgen auch noch im Laden ist. Für die Inseln ist es sicher gar nicht einfach abzuschätzen wie viel mehr und was die vorbei kommenden Segler so kaufen werden, mal sind es mehr, dann wieder weniger, daher gibt es ganz allgemein kein Überangebot. So auch nicht beim frischen Baguette, am besten bestellt man es vor, sonst kann es passieren, dass man um sieben ohne Frühstück wieder zurückkehrt.

Wasser ist auf den Atollen natürlich auch eine kostbare Ressource. Trinkwasser kann man kaufen, es gibt bei der Gemeinde einen Hahn mit Zahlencode oder Karte, die man erwerben muss um dann in Kanister abfüllen zu können. Zum Glück geht unser Wassermacher wieder und wir sind unabhängig von diesen Quellen. Dieses Jahr hat es wenig geregnet, daher ist Wasser, aufbereitetes Regenwasser, besonders knapp.

Inzwischen kennen wir uns im Ort und Umgebung schon ganz gut aus und zeigen unseren Seglerfreunden wo man was findet. Makemo ist anders, es wohnen ein paar hundert Menschen hier im Ort Pouheva, die Zahlen schwanken bis zu tausend, die mir aber übertrieben vorkommt. Sie haben zwei höhere Schulen, eine allgemeine und eine technische, Kinder anderer Atolle leben ab dem zehnten Lebensjahr hier im Internat und fliegen nur zu den Ferien nach Hause. Auch haben sie hier einen Leuchtturm, so wie er an der Nordsee stehen könnte und der Ort ist wie überall sehr sauber und ordentlich, hier jedoch mit unzähligen kleinen türkis, rosa bemalten Mülltonnen, die an die Farben der kilometerlangen Säulenmäuerchen angepasst sind. Ein Ort in lila, rosa, türkis und grün, weiß und zartem gelb, erinnert mich an Kinderzimmer und Jugendherbergen. Alle sind freundlich und winken uns von ihren schattigen Plätzen vor dem Haus, wo sie bevorzugt sitzen zu. Abends wird getrommelt und gesungen, vielleicht Proben für das Heiva Festival, das erzeugt eine wunderschöne Stimmung hier am Ankerplatz vor dem Ort. Inzwischen ist es auch wieder windstill, zwei Tage mit etwas mehr Wind und einigen Squalls und Regengüssen sind vorbei.

Der Pass soll hier wunderbar zum Schnorcheln sein, wir beobachten seit wir hier sind die Strömung, denn schnorcheln kann man nur bei Slake water oder bei leichtem „incoming current“. Bei unserem ersten Ausflug war die Strömung entlang der Fahrstraße zuerst ziemlich stark, ein Stück weiter innen dann kaum noch spürbar. Wir gleiten ins Wasser und Robert versucht das Dingi ins etwas seichtere Wasser zu ziehen. Keine gute Idee, denn mit jedem Meter den er näher ans Fahrwasser kommt nimmt die Strömung wieder zu und zuletzt zieht es ihn stark in den Kanal. Er lässt den Anker fallen, das Dingi fängt sich und leider auch seinen Unterschenkel in der Leine. Er ruft mich zu Hilfe, ich kann auch recht rasch den Druck aus der Leine nehmen und ihn befreien, trotzdem zeigt sich eine große Brand und Quetschwunde, die höllisch weh tut und erst in den darauffolgenden Tagen so richtig aufgeht und nässt. Damit ist Baden wiedermal Tabu. Unser erster Schnorchelausflug beenden wir rasch und sind froh wieder sicher zurück in der Lagune zu sein. Mittwochs starten wir dann mit zwei Dingis und den Crews dreier Schiffe einen weiteren Anlauf. Die beiden Verletzten, Robert und Christie bleiben jeweils in den Dingis und begleiten die Schnorchler, das ist sicherer, denn so kann man rasch reagieren wenn die Strömung zunimmt, was sie auch wieder tut und das leider immer outgoing. Den wirklich schönen Riffbereich sehen wir so leider nicht, dort zieht uns die Strömung schon mit so einer Geschwindigkeit drüber das wir nur noch rasch ins Schiff klettern und uns dann mit unseren 10 PS schon sehr gegen an plagen.

Dieser Pass ist zwar weit und tief zum Reinfahren, die Strömung scheint aber fast immer stark und turbulent zu sein, auch mit dem Segelschiff nicht ohne Risiko und fast Vollgas.

An den Abenden findet neben der Trommelei auch meist irgendein Treffen mit anderen Crews statt und um 18:00 hört man, wenn geht die Funkrunde. Heute gab es erstmals eine Notrufmeldung, ein Schiff hat auf dem Weg zu den Marquesas den Mast verloren, wer in der Nähe ist soll helfen. Ein weiteres Schiff hat den Kiel verloren und ist gekentert. Die Mannschaft konnte von einem Fischer geborgen werden, das Schiff ist verloren und jetzt suchen sie ebenfalls Schiffe in der Nähe, denn der Fischer legt erst in fünfundvierzig Tagen wieder wo an. Unvorstellbar was man bei einem Unfall auf See so mitmacht. Hier am Atoll gab es vor zwei Monaten auch einen Unfall, ein Schiff ist im Südwesten ans Riff gelaufen, Totalschaden, die Familie hat hier ihre Reise beendet, das Schiff wird von jedem Vorbeikommendem um einige Teile erleichtert und wird mit dem nächsten Unwetter vom Riff ins tiefe Wasser gerissen werden. So verschwinden die Mahnmale rasch und nichts deutet die ständig lauernde Gefahr an, anders als an Straßen an denen Autoleichen im Graben liegen oder Kreuze an die Unfälle erinnern.

Wir bereiten uns aufs Weiterseglen vor, langsam kommt wieder Wind auf. Freitags erstehen wir etwas Gemüse im Ort, Kraut und Gurken jeweils um sechs Dollar das Stück, die sind wahrscheinlich First Class geflogen. Naja, man gönnt sich ja sonst nichts. Abends dann noch ein nettes Zusammentreffen auf der Caecura, es heißt Abschied nehmen, wer weiß ob wir uns nochmal treffen.

Pläne ändern sich immer wieder ein bisschen, Sonntag wollten wir eigentlich los, doch in der Nacht haben uns zwei Squalls ziemlich zu schaffen gemacht, wir sind müde, haben nochmal unsere Ankerkette befreit und neu ausgelegt. Von null auf dreißig Knoten Süd und zwei Meter hohe, steile Wellen, welche uns mit einem lauten Knall die Sicherung und Entlastung der Ankerkette weggerissen haben. Wir sind um eine Koralle gewickelt, die Kette hat zu wenig Dehnung, wir müssen eine neue Sicherung legen und bis dahin mit dem Motor die Kette entlasten. Nach zwei Stunden beruhigt sich das Wetter ein wenig, wir hängen wieder an einer Sicherung und warten so den zweiten Squall, diesmal mehr aus Ost ab. Erst gegen Mitternacht kehrt Ruhe ein und in der Früh wird geschnorchelt um das verlorene Teil wieder aufzutauchen und die Kette zu befreien. Inzwischen sind die SY Savage und die SY Sawadiwa, die zwei Schweizer Yachten die wir in Fatu Hiva kennen gelernt haben, eingelaufen. Ein Tratsch sollte sich da schon noch ausgehen bevor wir dann endlich aufbrechen. Für Montagabend wird eine Dingiparty ausgerufen, jeder kommt mit dem Essen und Getränken in seinem Dingi Richtung Strand. Nun werden alle Boote, insgesamt sieben, im seichten Wasser zusammengebunden und mit Ankern fixiert. Jetzt werden alle Köstlichkeiten in der Runde gereicht und die Unterhaltung läuft kreuz und quer durcheinander. Kurz bevor es wieder mal regnet löst sich die Party auf und alle verziehen sich auf ihre Schiffe. Dienstag ist dann wieder ein Aufbruchstag, die Schweizer Yachten ziehen weiter, wir überlegen kurz, bleiben aber noch, denn wer weiß wie voll der Ankerplatz auf der Strecke zum Westpass heute sein wird. Morgen ist auch noch ein Tag und der Wind soll in den nächsten Tagen eher zulegen, da müssen wir ohnehin noch genau schauen wann wir die nächste Strecke segeln damit die Passeinfahrt in Kauehi keine Probleme macht.

Wir lichten Mittwoch so gegen acht unseren Anker und gleiten bei 12-14 Knoten hinaus in die Lagune. Leichte Welle von hinten und ein guter Kurs, 120 Grad, 4-5kn Fahrt. Außer dem leichten Säuseln des Windes und dem Plätschern der Wellen ist es still, sonnig und bald auch heiß. Die Boomies, Korallenköpfe, die bis knapp unter die Wasseroberfläche reichen, sieht man gut, obwohl sie hier etwas unscheinbarer sind als in Raroia. Abgesehen von den großen hellen Flecken gibt es sehr schmale braune Streifen, die sich erst wenn man nahe dran ist zeigen und kleine Sternhaufen, vielleicht 2 Meter im Durchmesser. Die verraten sich am ehesten durch eine auffällige Welle, es heißt genau schauen. Wir gleiten an der langen Insel, die Makemo Richtung Nordosten bildet entlang, zuerst stehen zwischen den Palmen noch vereinzelt Häuser, an einer schönen Bucht mit hellen Sandstränden lässt sich das kleine Ressort ausnehmen. Ein Duzend Liegestühle stehen am Strand, man sieht keine Gäste, vielleicht sind sie im Schatten, was ja recht vernünftig wäre.

Hier kann man nur all Inclusive Urlauben, denn der Ort ist gute 20 km südlich und ja auch nicht gerade eine Metropole. Wenn man absolute Einsamkeit sucht ist man hier richtig.

Der beschriebene Ankerplatz auf der Strecke Richtung Westpass liegt hinter einem Riff, welches sich deutlich und weit in die Lagune erstreckt. Wir segeln außen rum und dann auf die große helle Fläche vor den Inseln zu, hier hätten übrigens hundert Schiffe Platz. Nach guten vier Stunden fällt unser Anker auf sechs Meter Sand, zwei Bojen heben die Kette elegant über die gut sichtbaren Korallen, ein traumhafter Platz. Den Nachmittag nutzen wir für kleine Servicearbeiten und eine große Runde paddeln geht sich auch noch aus. Zwischen den Palmen wohnt ein Mann, der sich ein einfaches Haus mit Palmblätterdach gebaut hat. Etwas weiter unten auf der Insel hat ein Paar zur Copraarbeit ein einfaches Quartier bezogen. Sie grüßen freundlich, vielleicht lernen wir sie morgen kennen. Ich lasse mich im seichten Wasser entlang des Sandstrandes treiben und bestaune die Palmen und Büsche, die Inseln sind dicht bewachsen. Zwischendrin eine kleine Lichtung mit Grabsteinen, ein alter Friedhof, wobei einige Gräber noch mit Muschelketten geschmückt sind. Alles zusammen, der Sonnenuntergang, der zarte Mond mit seinem Lichtkegel, die Sterne und die Stille, mystisch. Es gibt Orte und Momente die so vollkommen sind, dass man einfach nur staunt und dankbar ist.

Auf unseren Spaziergängen auf der Insel begrüßen wir den alten Mann, der ebenfalls nur zur Copraproduktion hier ist und in einigen Tagen wieder abgeholt wird. Am späten Nachmittag geht er ans Riff harpunieren, einen Fisch fürs Nachtmahl am Feuer gebraten, so einfach lebt es sich hier. Wir würden da schon eher hungern, denn Fische sind nicht leicht zu erwischen und wie wir seit Pouheva wissen, passieren dann immer wieder Haiunfälle. Ein Einheimischer erzählte von seinen Unfällen und zeigte die Narben an seinen Oberschenkeln. Beide Verletzungen mussten in Tahiti versorgt werden, bis dorthin dauert es einige Stunden, sodass der Blutverlust trotz Abbinden beträchtlich ist. Ein Arzt und zwei Krankenschwestern  sind hier die medizinische Versorgung, Medikamente werden auf Anfrage aus Tahiti bestellt, kommen dann recht rasch mit dem Flugzeug, also zweimal die Woche, immerhin.

Franz und Sandra kommen die nächsten Tage nach und die junge amerikanisch, kanadische Crew der SY Zephire lädt zum Lagerfeuer am Strand ein. Erich könnte unser Sohn sein, seine Eltern waren Segler und er ist bis zum achten Lebensjahr hier in Polynesien am Schiff aufgewachsen, dann in Seattle zur Schule gegangen und jetzt bereits mit eigenem Schiff unterwegs. Ende 20, unheimlich selbstbewusst und weltoffen, da hat man ja doch noch Hoffnung, dass sich die braune Brut mit gefährlichen, machthungrigen Politikern und profitorientierten Konzernen nicht zu sehr ausbreiten. Diskussionen der letzten Tage mit Franz und Sandra und die wenigen Informationen über die österreichische Politik haben uns wieder sehr nachdenklich gemacht.

Obwohl wir hier wirklich nur sehr eingeschränkt Internet haben, scheint auch dieser Teil der Welt gut eingebunden zu sein, weit weg und trotzdem abhängig. Die französische Politik forciert Französisch als Landessprache und so verlernt die Jugend zunehmend die polynesischen Dialekte, genauso wie alte Lebensweisen gegen modernes Fast Food getauscht wird. Wir hoffen trotzdem, dass es nicht so extrem wie in Europa oder Amerika wird und die Kultur mit ihrer Musik, den Tänzen, den Feiern und allem, was in so entlegenen Gegenden eine Community ausmacht, als Wert erhalten bleiben. Die nächsten Generationen werden die Selbstversorgung verlernt haben, von Energie und Lebensmittel, die sie teuer kaufen müssen abhängig sein, ganz abgesehen von Internet und Fernsehen. Hier in Makemo gibt es noch ein weiteres Mahnmal der europäischen Politik die an den Möglichkeiten abgelegener Atolle vorbei geht. Die fünf Windkraftwerke, von denen nur eines mehr Flügel hat und die sehr reparaturbedürftig an ihren Sockeln befestigt liegen, waren nie in Betrieb und liegen bereits sieben Jahre herum. Geld- und Ressourcenverschwendung, irgendwer hat an dem Projekt verdient, der Rest scheint nicht so wichtig.

Unsere Überfahrt nach Kauehi, einmal über Nacht verläuft bis auf eine kleine Panne zum Schluss ganz gut. Der Wind ist so kräftig, dass wir nur mit der Genua segeln und diese schon vor Mitternacht auf einen winzigen Zipfel einrollen. Trotzdem sind wir meist mit über drei Knoten unterwegs und viel zu früh in der Nähe vom Pass. Einmal auf und absegeln, wobei das zurück dann blöderweise gegen an ist und wir noch drei Meilen motoren müssen um zum Slake Water den Pass zu erreichen. Wie berechnet gehen wir mit leichter Strömung mit uns hinein, kämpfen uns über eine kurze Strecke Verwirbelung drüber und nehmen dann die markierte Fahrrinne zum Ort an der Ostseite der Lagune. Hier bleiben wir einige Tage, denn die nächste Front mit windreichen und regnerischem Wetter ist im Anmarsch. SY Kyory, die mit uns gestartet sind und die wir bis in die Morgenstunden am AIS sahen, haben wegen Motorproblemen dann umdisponiert und direkt Kurs auf Fakarava Nord gelegt, so erreichen wir alleine die wunderschöne helle Ankerfläche vor dem Ort Tearavero. Kauehi ist deutlich kleiner als Makemo, die Lagune ist 320 Quadratkilometer groß, Makemo das Doppelte, alle Inseln zusammen haben 15 Quadratkilometer und da ist der Flughafen, den sie seit 2001 haben auch dabei.

Angeflogen wird das Atoll jeden Mittwoch, da gibt es dann auch Baguette aus Tahiti, wir backen wieder selbst. Für Dienstag ist hier das Versorgungsschiff angesagt, gekommen ist es dann Mittwoch früh, um zehn Uhr war alles ab und aufgeladen, alles mit dem Floss zur Mole geführt, denn dort ist es grad mal fürs Dingi tief genug. Anker auf und schon zeigt uns die Maeva Nui wieder das Heck. Zu Mittag kommt dann die Maris Stella IV, ein großes rotes Versorgungsschiff und hantiert, ebenfalls zwei Stunden mit Fässern und Containern. Kurze Geschäftigkeit, dann scheint der Ort wieder in seinen verschlafenen Modus zu fallen. Wenn wir nachmittags durch den Ort schlendern, der aus einer asphaltierten Straße mit zwei Seitenstraßen und reichlich Kokospalmen zwischen den Häusern besteht, kommen uns nur vereinzelt Menschen auf Fahrrädern entgegen und grüßen. Autos rollen selten und langsam herum, dafür gibt es einfach zu wenig Straße. In den Geschäften ist auch ein  bisschen was los, sonst spielt sich das Leben hinter halb geöffneten Fensterläden und wehenden Gardinen ab. Die Häuser sind teilweise sehr schmuck, teilweise halb verfallen oder notdürftig renoviert. Einzig die großen Wasserbehälter gibt es neben jedem Dach, jeder Tropfen muss aufgefangen und genutzt werden. Der Ort hat auf allen Seiten Sandstrände mit feinem Sand, ist sogar hier auf den Koralleninseln eher selten und der ganze Boden ist durchlöchert von Krabbenbauten die man auch immer wieder rasch verschwinden sieht. Hunde laufen frei rum und wollen einem zum Spielen animieren, Schweine bewegen sich träge im Schatten der Palmen. Wir kaufen im Geschäft ein hiesiges Huhn, frei und glücklich groß geworden und nicht um den halben Erdball gereist. Die Schenkel mit dem halben Brustfleisch dran sind riesig und deutlich fetter als unser industrielles Huhn und es schmeckt nach Kokos, so wie wir uns das vorgestellt haben. Die Portion reicht für drei Mahlzeiten, gegrillt, gebraten und als Curry. An unserem zweiten Landgang haben wir auch die Post entdeckt. Sie ist hinter dem Gemeindehaus versteckt, nicht sonderlich gut zugänglich aber trotzdem mit Rollstuhlrampe am Eingang, wie alle Postgebäude, dürfte ein Fertigteilbau sein. Nachmittags hat sie geschlossen, was uns nicht weiter verwundert, wir erspähen zur Sicherheit trotzdem die Öffnungszeiten, Montag bis Freitag 7:30-9:30 - das nenne ich humane Arbeitszeiten.

Ein schöner sonniger Tag geht zu Ende, im Westen verfärbt sich die Lagune kurz orange, im Osten rücken graue Wolkenwände näher, Squalls im Anmarsch.

Jetzt sind wir eine Woche hier, nicht um im Paradies abzuhängen oder die Infrastruktur, die es kaum gibt zu nutzen, wir wettern ab. Der Ankerplatz vor dem Ort ist für die angesagte Front aus Südost eindeutig der beste Platz. Wir Ankern fest im Sand, keine Korallenköpfe die wir umwickeln könnten, vor uns die Insel die mit ihren Palmen den Wind ein wenig bremst und die Welle kann sich auch nicht aufbauen. Mittwoch bis Freitag beobachten wir den zunehmenden Wind, nicht über 20 Knoten fühlt es sich noch ziemlich normal an und wir unternehmen noch einen langen Spaziergang am Außenriff. Es ist weitgehend sonnig und warm. Über Funk hören wir, dass überall schon heftige Squalls mit kräftigem Regen drüber gehen, bis 30 Knoten ist angesagt, bei uns Freitag bis Sonntag. Immer wieder türmen sich graue Fronten hinter der Insel auf und ziehen interessanterweise meist südlich und nördlich von uns über die Lagune. Freitagnacht beginnen die heulenden Böen, unweigerlich verspannt sich der Körper bei dem Lärm und dem Aufbäumen des Schiffes wenn es in den Anker zieht. Sonntag ist es dann soweit, die Sonne verschwindet und alles verwandelt sich in eine graublaue Masse, Himmel und Wasser verschwimmen, das Heulen des Windes und die Bewegungen im Schiff nehmen zu. Die Welt hier unterliegt seit Freitag einem raschen Wechsel, wir sitzen wie Zuschauer und beobachten ein Schauspiel mit den unterschiedlichsten Szenen, Lichteffekten, Geräuschen und jetzt zunehmend auch Regen. Unsere neue Ankersicherung quietscht und knarzt, reißt und zerrt, es tut weh in den Ohren und ein beklemmendes Gefühl begleitet einem durch die Nacht. Am Tag lässt sich alles viel leichter einordnen und im Notfall könnte man rascher reagieren und würde sehen wo man neu ankert oder so. Wir schlafen schlecht, lesen Tag und Nacht viel, weil es fast das einzige ist was man jetzt außer Wetter beobachten machen kann. Von Bord wollen wir nicht gehen, man lässt sein Zuhause nicht allein und setzt es den Gefahren aus. Ich hab drei Psychothriller von Keith Ablow gelesen, sehr spannend und vielleicht zu der düsteren Stimmung passend. Vielleicht sollte ich mir auch mal etwas leichtere Kost nehmen und so der Sonne wieder eine Chance geben. Eben gerade drängt sich ein greller Strahl durch die Wolken und beleuchtet wie ein Scheinwerfer die hellgrüne Rifffläche vor dem goldenen Strand so als wollte sie uns zeigen welche Schönheit rund um uns ist, die man eben gerade nur nicht sehen und schon gar nicht genießen kann. Hier wird unsere Fähigkeit auszuhalten, sich abzulenken oder auch Unbilden was abzugewinnen getestet und gestärkt. Vielleicht gefällt mir deswegen das Segeln und das Leben am Wasser so sehr, hier sind schwarz und weiß, Yin und Yang oder was auch immer an Stimmungen auftaucht so ursprünglich da, so nah beisammen und fast ohne im Alltag unter zu gehen oder durch Arbeit und andere Wichtigkeiten verdrängt zu werden. Sonntag ist nun der dritte Tag, das Zeitgefühl verschwimmt und der Wunsch nach Sonne und Ruhe nimmt zu. Montag, wieder eine Nacht überstanden, zeitweise ist es gespenstisch ruhig, man liegt und lauscht wie sich die nächste Böe formiert, ein Rauschen in ein Pfeifen über geht und dann erneut der Wind mit Heulen an uns rüttelt. Der Mond leuchtet so als ob er die Nacht zum Tag machen wollte, wenn der Sturm nicht wäre, eine friedliche Stimmung. Ich fühl mich wie geprügelt und hoffe, dass der Dämon endlich von uns ablässt, weiterzieht und sich am besten beruhigt. Der Wetterbericht gibt Hoffnung, ab heute sollte es etwas ruhiger werden, ab Mittwoch der Wind drehen und dann auslassen, wie immer nach einer durchziehenden Front.

Haben wir letztes Jahr auch solche Stürme gehabt? So arg nicht, es waren immer maximal zwei Tage und die Phase mit den Böen auch kürzer. Es scheint, dass heuer wieder ein instabileres Jahr ist, das Wetter unberechenbarer, Stürme häufiger und heftiger sind. Da wollen wir mal hoffen, dass das nicht so weiter geht. So ein Atoll in der unendlichen Wassermasse des Pazifik entpuppt sich auf jeden Fall bei dieser Wetterlage eher als Alptraum, wie gerne wäre man wo anders, könnte sich ablenken, fühlte sich sicher, das einzig Positive ist, dass es immer warm ist.

Nachdem der Montag erstaunlich angenehm und sonnig war, trübt es sich gegen Abend wieder ein und in der Nacht dann dasselbe Geheule wie die letzten Tage. Irgendwie haben wir uns schon dran gewöhnt, wir lesen auch diese Nacht jeweils ein Buch aus und steigen in der Früh  verspannt aus den Federn, rechtzeitig zur morgendlichen Funkrunde. Die Neuigkeiten halten sich in Grenzen, zusammengefasst ist das Wetter nirgends besser und die Vorhersagen, egal welches Wettermodell lassen nicht wirklich Hoffnung auf kommen. Donnerstag wird der Wind Richtung Nord drehen, zuerst noch recht heftig, dann über das Wochenende auslassen, na da freut man sich- Flaute ist ja perfekt zum Herumstehen. Aber leider kommt dann gleich wieder die nächste Front mit wieder guten 25 kn Wind und Böen naja, 30 Knoten oder mehr. Für uns ist auf jeden Fall ein Entschluss gefallen, wir werden hier im Atoll kein Schönwetter Südseefeeling im Süden erleben und verlegen uns besser, bei welchem guten Wind auch immer nach Fakarava.

Mittwoch stehen wir um fünf Uhr auf, noch im Halbschlaf lichten wir den Anker und verlassen, genauso wie die britische Segelyacht Karma den Ankerplatz. Es ist noch dunkel und wir sehen die Positionslichter des anderen Schiffes vor uns, sie bewegen sich links am Rand der Fahrstraße, soweit man das auf der Karte sieht. Wir rollen die Genua aus und lassen uns mit 4-5 Knoten Richtung Pass treiben. Nachdem die SY Karma wieder umdreht funken wir sie an und erfahren, dass ihr Genuafall gerissen ist und neu eingeschworen werden muss. zurück, neu ankern und wenn es hell wird mit der Reparatur beginnen, sie werden heute nicht mehr starten. Wir sind pünktlich um sechs beim Pass, die Sonne quält sich durch die Bewölkung und es verspricht ein ganz guter Tag zu werden. Leichter Strom mit uns und wir sind draußen, halten uns gleich links, raus aus den Verwirbelungen und Wellen, setzen auch noch das Groß und stehen in der Flaute. Unglaublich, da quält man sich tagelang mit zu viel Wind am Anker ab und wenn man ihn braucht, ist er weg. Mit dem schwachen Lüfterl und ausgebaumten Segeln kratzen wir schon mal an drei Knoten Speed, schlecht, denn wir brauchen mindestens fünf um in Fakarava Nord rechtzeitig durch den Pass und zum Ankerplatz zu gelangen. In unserer Verzweiflung kommt noch die Sturmfock raus, muss eh mal gelüftet werden und tatsächlich macht das mindestens ein Knoten mehr. Der Wind ist gnädig und nimmt auch noch zu uns so wird es noch eine schöne Seglerei, drei Knoten Strom schieben uns zusätzlich durch den Pass und drinnen geht's dann die fünf Meilen unter Motor gegen an nach Rotoava, dem Ort im Nordosten des Atolls.

Wir nutzen den Tipp von Sandra und Franz uns zu den Schiffen südlich des Anlegers auf ca 10m zu stellen, hier soll es mehr Sand und weniger Boomies geben. Nachdem das Wasser zu trüb ist um störende Korallenstöcke zu erkennen, hängen wir unsere Bojen, mit denen wir die Kette floaten bei 20 und 30 Meter in die Kette, sollten so passen. Beim Sundowner tauschen wir mal die wichtigsten Neuigkeiten mit Franz und Sandra aus, sie sind schon oft und lange hier gewesen und kennen sich aus. Das gestrandete Schiff am Südpass ist hier eines der Themen, wer pumpt den Diesel ab und entfernt die Batterien und die wichtigsten giftigen Teile bevor sie sich über das Riff ergießen? Noch steht die Yacht mit gesetzten Segeln schräg im seichten Wasser, sieht gar nicht spektakulär aus, ist aber wahrscheinlich ein Totalschaden weil das Schiff unter Wasser aufgerissen und innen alles überflutet sein wird.

Sie sind früh aufgebrochen und wollten noch im Dunklen raus, angeblich haben sie eine Leine in den Propeller bekommen, damit ist der Motor lahm gelegt und wenn man sich dann mit den Segeln nicht mehr rechtzeitig ins tiefe Wasser befreien kann, ist man gestrandet. Man hat keine Chance, so schnell kann's gehen, echt beklemmend.

Der Wind lässt nach, Donnerstag ist ein sonniger Tag und wir treffen uns vor zehn mit Sandra und Franz für eine Tour durch den Ort. Das Highlight ist dann eine echte Überraschung, sie kenne einen Marinesoldaten von der Arago, welche gerade angelegt hat und haben ein Treffen inklusive Besichtigung vereinbart. Schon toll mal ein Marineschiff, welches hier für Kontrollfahrten, Drogenfahndung und Rettungen unterwegs ist, von innen zu sehen und Hintergrundinformationen über das Schiff und die Mannschaft zu bekommen. Wir dürfen sogar fotografieren und von der Brücke bis zum Maschinenraum in alle Etagen klettern. Eines der kleinen Rettungsboote, welche mit dem Kran ins Wasser gelassen werden ist aus dickem Aluminium und dafür gedacht, dass man über das Riff schrammen kann, was sie auch regelmäßig bei Atollen, bei denen sie durch den Pass nicht hinein können tun. Neben französischen Soldaten haben sie auch Polynesier, die mit den Atollen vertraut sind an Bord, denn ungefährlich ist das sicher nicht. Das Schiff ist dreißig Jahre alt und wird bald verschrottet, die Crew ist dagegen extrem jung, mit 19 Jahren können sie bei der Navy mit der Ausbildung starten.

Der Tag geht dann noch ereignisreich weiter, noch schnell einkaufen bevor die lange Mittagspause beginnt, danach zum Yachtservice, Franzosen, die auch Internet anbieten. Man nimmt ein Getränk und kann dann auf der Terrasse bei ihnen ungehindert endlich mal Emails laden und versenden, Homepage ergänzen, What's App nutzen. Um drei dann zurück zum Schiff, den Kuchen für die Geburtstagseinladung auf der Kyory ins Rohr und das Geschenk für Franz verpacken. Nebenbei kommt noch ein Besuch angeschwommen, Lorenz, ein junger österreichischer Backpacker der auf der benachbarten norwegischen Yacht gerade unterwegs ist. Als junger Kollege gibt es genug zum Austauschen, auch gleich eine medizinische Hilfe für eine Infektion auf der SY Queen. Wir versprechen das bis zum nächsten Morgen zu erledigen, ich muss die Medikamente erst rauskramen, man hat ja alles gut verstaut- und schon geht's mit Kuchen und Packerl quer übers Ankerfeld zur Geburtstagsparty. Ein super netter Abend mit gutem Essen und Musik aus der Jugend, an manchen Tagen überschlagen sich die Dinge auch bei einem sonst sehr beschaulichen Seglerleben.

Freitag beginnt mit Regen, naja, ich wasch gleich mal die Haare, wenn es so viel Wasser gibt, wir starten mit der Medikamentenübergabe und mit Funk, auch ein neuer Wetterbericht wird geladen, wie geht's jetzt weiter mit Flaute von Nord und nächster Front aus Süd?

Zu Mittag sind wir auf der norwegischen Yacht, SY Milli Momenti eingeladen, sie reisen mit ihrem 8 jährigen Sohn der gerade mit anderen Kindern unterwegs ist. Erst gegen fünf taucht er mit vier Freunden auf, sie verziehen sich in die Koje und haben ihren Spaß, so sieht das Familienleben am Ankerplatz aus. Morgens gibt es immer ein, zwei Stunden Unterricht, der Rest ist Freizeit. Bei aller Anstrengung sicher ein entspannteres Familienleben als zu Hause. Am Weg zu unserem Schiff statten wir der SY Sawadiwa, Erwin und Tina aus der Schweiz noch einen Besuch ab und weil es nett ist, wird es spät bis uns eine heftige Böe aus West rasch zu unserem Schiff treibt. West ist blöd, da dreht es uns Richtung Land und geradewegs auf die Boomies, die im flacheren Wasser zahlreich das Boot schrammen könnten, zu. Zum Glück war der heftige Wind nur kurz und wir können so stehen bleiben, nächste Früh verlegen wir uns ohnehin auf die Boje, die SY Milli Momenti frei macht. Ein netter Grillabend mit Sandra, Franz, Erwin und Tina bei uns und der nächste Tag ist auch schon um, Zeit vergeht auch mit Tauschen von Büchern, Karten und Filmen, die Gelegenheit. Inzwischen hat der Wind auf Südost gedreht und weht heftig mit Wolken und Regen, ein Wetter, wie wir es jetzt schon kennen, nur die Welle ist hier neu und zusätzlich unangenehm, wir werden geschaukelt, mehr als unterwegs. Für zwei Nächte halten wir das aus, dann dreht der Wind wieder nach Ost und lässt nach. Montag ist wieder großer Aufbruch, die Schweizer Yachten, Savage, Sawadiwa und Coral Trakker gehen Richtung Nord, Kyory richtet sich für Dienstag und wir überlegen auch.

Wir brauchen zwei Tage nach Tahiti, das geht sich jetzt nicht mehr aus, denn die nächste Flaute breitet sich schon über die gesamte Karte aus, also bleiben wir und nutzen die Gelegenheit mit den Rädern die Insel zu erkunden. Erster Ausflug sind die 10 km bis zum Nordpass mit Pausen bei den zwei Leuchttürmen und am Strand, der teilweise wunderschön ist. Einheimische grillen gerade Fisch und Brotfrucht am Feuer und schenken uns zwei Fische, die am Abend eine leckere Fischsuppe ergeben. Wir füllen Kokoswasser in Flaschen und setzen erneut mit Zucker und Hefe ein spritziges Getränk an. In zwei Wochen sollte es genießbar sein, ein erster Versuch war schon erfolgreich. Ein Traumwetter begleitet uns durch den Tag, die Farben von Palmen, Sand und Wasser sind fantastisch, man kann sich gar nicht satt sehen.

Im Ort am Strand beobachten wir dann noch wie ein Einheimischer Haie mit Fischresten füttert, hoffentlich sind die dann satt und vergreifen sich nicht an uns, wenn wir im Wasser sind. Sind schon ganz große Tiere, sehen aus wie Zitronenhaie. Und zu unserer großen Freude hat die Touristeninformation offen und Internet, gar nicht so schlecht und gratis. Die Räder werden, wie immer zurück an Bord transportiert, da stehen sie sicherer. Mittwoch erkunden wir nochmals den Ort, faszinierend das Treiben zu beobachten, wenn das Versorgungsschiff einläuft. Der Kai ist voll mit Autos, überall wird fleißig beladen und auch die Geschäfte bekommen neue Ware, vor allem Frisches. Gegen Mittag kommt man dann kaum mehr rein in den Laden, an der Kasse stehen Schlangen mit vollen Körben und Obst und Gemüse ist schneller verkauft als in die Schütten geschlichtet. Wir erstehen ein paar kleine Paprika und eine Gurke, genug für die nächsten zwei, drei Tage, dann sollten wir eh schon in Tahiti sein mit deutlich besserer Versorgung. Szenen wie bei uns in Ausverkaufshallen, wenn alle die besten Schnäppchen erwischen wollen, hier geht es um Salat, Kraut und Tomaten. Der Donnerstag begrüßt uns mit Regen, welch Freude, hellgrau, dunkelgrau bis schwarz zieht rund um uns herum, vereinzelt blaue Flecken, ein bisschen orange vom Sonnenaufgang und, wie es sich gehört Regenbögen mal hier, mal da. Der Nordwind ist schwach, das ganze sieht aus wie ein Ententeich, um unser Schiff wohnen inzwischen Dutzende Remorafische welche ganz gierig alles fressen was wir an biologischen Resten ins Wasser geben. Wenn man den Fuß auf die Badeleiter setzt schnappen sie schon mal her, tut nicht weh, schreckt mich aber jedes Mal aufs Neue. Wir sitzen mit Tee und Kaffee im Cockpit und beobachten lange einen Mantarochen der majestätisch auf und ab schwimmt, nie ganz nah zu den Schiffen, aber ganz nah an der Oberfläche so dass man seine Flossenspitzen und den Kopf mit dem großen Maul deutlich sehen kann. Zuletzt springt er ganz aus dem Wasser und lässt sich rücklings fallen, für einen kurzen Moment sieht man ihn in ganzer Größe mit seinem weißen Bauch, wunderschön. Diese friedliche Stimmung ist die Ruhe vor dem Sturm, der ab morgen dann von Südosten wieder heran zieht. Zuerst noch mit Windstärken um 20 Knoten, die wollen wir zum Segeln nutzen, ab Mittwoch dann 30 Knoten oder mehr, da wollen wir sicher in Port Phaeton stehen, soweit mal der Plan.

Gegen 9 Uhr sind wir wieder mit den Rädern die Hafenmauer hochgeklettert und starten unsere Tour Richtung Süden. Bis Kilometer 15 radelt man auf der ebenen, breiten Straße dahin, rechts ein Anwesen, Resort oder einfacher Privatbesitz nach dem Anderen, links Gestrüpp oder Kokosplantagen und dahinter das Außenriff. In der Breite ist die Insel gerade mal 500 Meter, teilweise sieht man auf beiden Seiten das Wasser. Sogar ein Campingplatz ist angeschrieben, den schauen wir uns an. Eine junge Frau begrüßt uns, sie haben zwei kleine Hütten, die zu mieten sind, ein Kuppelzelt steht nahe am Strand und auf der Sandfläche hätten noch ein paar weitere Platz. 20 Dollar pro Nacht und Person verlangen sie, es gibt ein Duschhaus und eine offene Küche, die man nutzen kann. Einfach und nett, ob hier wirklich Tramper mit eigenem Zelt vorbei kommen?

Beim Sendemast geht die Straße dann als Schotterpiste weiter, eine Abzweigung zum Strand, der hier etwas schroffer, aber auch mit sehr schönen Plätzen ist, ist teilweise verwachsen, so wie hier überall üppiges Grün alle freien Flächen überwuchert. Bei so viel Natur freuen sich die Vögel, die hier ungestört brüten können, denn aus Sicherheitsgründen legen Sie ihre Eier in Astgabeln und brüten nicht am Boden.

Nach weiteren 5km erreichen wir das Pakokota Yachtservice, eine gute Adresse um sich Ersatzteile kommen zu lassen oder das Schiff auf einer Boje abzustellen. Heute sind 10 Yachten hier und ganz schön was los. Alles ist sehr einfach aber wie überall sauber, abgesehen vom Lagerplatz alter Batterien und Yachtteilen. Die Entsorgung von hier weg wird gar nicht so einfach sein, hoffentlich vergammeln sie nicht hier und verseuchen über die Zeit dann den Boden.

Retour besuchen wir noch an ein paar Stellen das Außenriff, immer wieder faszinierend, wie sich der schmale Kraterrand eines versunkenen Vulkans als Streifen aus Felsen gehalten hat und jetzt mit Korallen bewachsen als Wand auf ein paar hundert Meter bis zu 700 hundert Meter abfällt und so einen sicheren Wall für die Lagune bildet. Wenn man dann den schmalen, flachen Inselbereich sieht kann man sich gut vorstellen, dass sie hier bei steigendem Wasserspiegel bald nasse Füße bekommen, bzw. rasch das gesamte Atoll verschwinden wird.

 

Ein schöner Ausflug, wir checken noch Mails und dann geht's zurück an Bord. Freitag nutzen wir zum Zusammenpacken und dann verlassen wir die Tuamotus, ein Stück Südsee, in das man sich verlieben kann.