S/Y Seven Seas

 

Crew: Veronika & Robert

Registration: AUT N-29520

 

MMSI: 203746200

VHF Radio: OEX9520

HAM Radio: OE6RHF

SAT Phone: 00870776721249

 

 

Gambier Islands

 

6.4.  6:45 Uhr Land in Sicht - ein paar kleine Inseln heben sich zart vom Horizont ab, jetzt ist es nicht mehr weit. Nach einer Nacht motoren freuen wir uns über den Wind mit dem wir noch ein paar Meilen segeln können, ab der Riffeinfahrt, die eigentlich gar keine ist, muss man ohnehin motoren. Die vorletzte Nacht mit den heftigen Squalls haben wir zum Glück gut überstanden, dann hat uns die angesagte Flaute erwischt und die sollte jetzt, mit kurzen Unterbrechungen fast eine Woche dauern. Die wollen wir wirklich nicht vor dem Ziel verbringen, so nutzen wir den Motor für 12 Stunden. Die Laguneneinfahrt ist breit und nebenbei ist es auch überall mindestens 6 Meter tief, also könnte man auch da drüber fahren. Wir nehmen trotzdem die beschriebene Route und suchen uns einen Platz im Ankerfeld vor Rikitea auf Mangareva, der Hauptinsel von den Gambier Islands. 10 Yachten liegen schon da, genug Platz, leider nur auf 16m Wassertiefe, unter 10m wäre uns lieber, aber dafür gibt es hier auf großer Fläche kaum Korallenköpfe denen man sich fern halten sollte. Vom Berg aus sieht man die Korallenstöcke fast besser als vom Schiff aus, auf jeden Fall gibt es reichlich in der Lagune und dazwischen haben sie haufenweise Netzte und Gitter ausgelegt, Muschelzucht für die schwarzen Perlen. Seit die Perlenzucht auf den französisch polynesischen Inseln aufgebaut wurde ist es eine wichtige Einnahmequelle der Bevölkerung, es gibt viele Arbeitsplätze, das Perlengeschäft ist fest in japanischer und chinesischer Hand. Früher waren die Perlen ein seltener Schatz, weil beim Raustauchen der natürlich vorkommenden Muscheln nur per Zufall eine Perle drin war, Perlen sind abgekapselte Verletzungen. Heute werden die Muscheln gezüchtet, dauert zweieinhalb Jahre bis sie groß genug sind und dann werden sie auf gespreizt und durch den Spalt eine kleine Kugel und ein Fetzen Muschelgewebe implantiert, die Verletzung um die dann die Perle gebildet werden soll. Ca. 20% überleben die gewaltsame Öffnung nicht, von den anderen bilden auch nicht alle perfekte Perlen, die Ausbeute ist aber trotzdem, nach weiteren zwei Jahren, reichlich. Das Verfahren wurde von Japaneren entwickelt, so können bis zu vierhundert Muscheln pro Tag geimpft werden. In einem Artikel lese ich, dass Französisch Polynesien heute in über vierhundert Farmen sechs Tonnen Perlen im Wert von über hundertdreißig Millionen Dollar produziert. 30 Perlenfarmen sind hier im Atoll. Neben den Perlen, die es in verschiedener Qualität gibt wird natürlich auch das Perlmutt verarbeitet und wir hoffen auch die Muscheln gegessen, wäre ja schade drum.

 

Ein Chinese aus einer Einwandererfamilie, Robert Wan, kaufte ganze Atolle, errichtete Farmen und besitzt heute die Hälfte der Perlenproduktion dazu natürlich Boutiquen in Tahiti und auf Kreuzfahrtschiffen und alles was zum Vertrieb dazu gehört. Die Gambier sind eines der Atolle die groß in die Perlenzucht eingestiegen sind, Manihi, ein Atoll der Tuamotus zählt mit über fünfzig Farmen auch zu den Großproduzenten. Bei den Dimensionen fragt man sich schon vorsichtig ob da nicht schon wieder ein bisschen gierig Raubbau betrieben wird, gut ist nur, dass die natürlich vorkommenden Austern, welche schon fast ausgerottet waren sich jetzt erholen können, keiner taucht mehr nach Ihnen wenn man ihre Verwandten so leicht ernten kann. Wenn die Wasserqualität in den Lagunen kippt ist es schlagartig aus mit der Muschelzucht, daher funktioniert sie auf dichter besiedelten Inseln auch nicht so gut, ein Vorteil für die entlegenen Atolle und vielleicht auch ein achtsamerer Umgang mit der Natur, Dreck liegt hier zum Beispiel kaum herum.

 

Wir liegen vor Rikitea, die Arbeiter fahren zeitig in der Früh zu den Perlenfarmen raus, wir hören die Motoren vorbei tuckern und außerdem hat wahrscheinlich wegen der unmöglichen Arbeitszeiten der Bäcker in der Früh nur zwischen vier und sechs Uhr die frischen Baguettes, nach sechs geschlossen und ausverkauft, am Nachmittag ab 14 Uhr gibt es nochmals Brot, das ist leichter zu erreichen. Der Ort ist überschaubar, wir gehen die Hauptstraße entlang zur Gendarmarie, dort muss man sich anmelden, sperrt erst um 14 Uhr wieder auf, wir nutzen die Stunde und besuchen die riesige Kirche mit aufwendigen Muschelverzierungen am Altar, besuchen einen der kleinen Läden und die Post. Hier kann man nur Bares wechseln, Dollar oder Euro gegen polynesischen France, 1:100 (Dollar), Bankomat gibt es hier nicht und an der Post muss man auch sein Einreisepapier abgeben damit es nach Tahiti geschickt wird. Gambier ist nur ein Außenposten, die Einreisebehörde ist in Tahiti und dort wird man registriert. In der Stunde erwischt uns einer der heftigen Regenschauer die hier zeitweise abregnen, alles halb so wild, man stellt sich unter und es ist warm, alles trocknet schnell. Der Laden ist ganz gut sortiert, jedoch mit astronomischen Preisen, nur manche Artikel sind normal preisig oder sogar billig, Alkohol definitiv nicht, das billigste Bier um 3,5 Euro, ein normaler Rhum 75 Euro, da muss man es sich erst mal leisten können Alkoholiker zu sein. Unser erster Eindruck ist auch, dass hier wenig getrunken wird, die Menschen sind sehr freundlich, meist gut gelaunt, vielleicht brauchen sie hier ausnahmsweise keine Drogen um zufrieden zu sein. Dazu erfahre ich später von Sandra von der SY Kyory, Schweizer die schon einige Jahre hier sind, dass hier, genauso wie überall, Alkoholiker gibt und damit verbunden Probleme und Gewalt in den Familien. Der hohe Preis ist da ein zusätzliches Problem, frisst der Alkoholkonsum noch rascher das Familieneinkommen weg. Und tatsächlich bekommt man Perlen unter der Hand gegen Alkohol und auch sonst könnte man da so allerhand erwerben. Wahrscheinlich brechen auch hier alte Traditionen weg und die Moderne fordert ihre Opfer.

 

Man ist hier sicher unterwegs, kaum Kriminalität, nichts wird abgesperrt, wie angenehm. Und der Ankerplatz ist ruhig, wie in einem Ententeich, kein bisschen Welle, unglaublich, wir schlafen so gut wie schon lange nicht mehr.

 

Thomas und Inge von der SY Saga begrüßen uns gleich und versorgen uns mit wichtigen Tipps, so ist der Einstieg doppelt angenehm. Internet gibt es bei Jo-Jo, der einzigen Bar und Restaurant und ein Geschäft ist auch mit dabei. Man sitzt hinter dem Geschäft, eigentlich im privaten Garten auf Sesseln oder am Hausabsatz und versucht ins Netz zu kommen. Es kostet nichts, ist aber so langsam, dass man fast nur what's app, Facebook und eventuell Mails nutzen kann. Das Update unserer Homepage funktioniert nicht, daher auch die ausständigen Berichte ab Rapa Nui, leider hat uns seither kein Internet mehr freundlich Daten raufspielen lassen. Wenn das so weiter geht kommt der Bericht zeitgleich mit Pitcairn aus Papeete, Tahiti, dort haben sie hoffentlich ein besseres Netz. Irgendwie stört es mich, nicht zu wissen ob es nur am schlechten Netz liegt oder ob etwas an der Homepage nicht in Ordnung ist, ich bitte daher Robert, einen Freund in Österreich mal nachzusehen und weil es  mit raschem Internet kein Problem ist die Homepage zu füllen schicke ich ihm die Dateien und er erledigt es für mich- Danke!

 

Das schicken der Bilder und Texte braucht dann auch noch mal drei Tage, unvorstellbar nach unseren Maßstäben zu Hause. Wir bekommen als Erklärung, dass das Stromnetz gerade instabil ist und daher Computer abstürzen und sie das Netz immer wieder neu starten müssen. Und wir sollten vom Schiff aus riechen wann gerade mal wieder was geht, denn sonst fährt man umsonst mit all den elektronischen Geräten hinaus, was wir einige Male auch frustriert getan haben. Ist hier so eine Art Internetentzug, wir sind bald clean.

 

Hier gibt es auch keine Datenwertkarten, nur fürs Telefon und das brauchen wir nicht. Falls man ins Ausland anrufen möchte steht ein blauer Apparat am Straßenrand bereit, angeblich um 25 Cent die Minute, die gute alte Telefonzelle, hier gibt es sie wieder.

 

Gambier hat sogar einen kleinen Flughafen draußen am Riff und mit einem Boot wird man dann auf die Insel gebracht, zwei Mal die Woche geht die Verbindung nach Papeete und das Versorgungsschiff kommt alle drei Wochen. Soweit die Infrastruktur hier, für uns das erste Mal, dass wir länger wo sind wo wir von der Außenwelt fast abgeschnitten sind. Auch unsere Kurzwelle, das Bactormodem zum Versenden der Emails funktioniert hier nur zeitig in der Früh oder zwei Stunden am Nachmittag, müssen wir wirklich zu Frühaufstehern werden?

 

Mit Thomas und Inge sind wir gleich mal eine große Runde über die Insel gewandert, haben reichlich Früchte gesammelt und auch Grapefruit und Papaya geschenkt bekommen, einfach so beim Vorbeigehen an einem der Gärten. Ich versuche mein Französisch anzubringen, manchmal scheinen sie mich zu verstehen, manchmal auch nicht, die Antworten verstehe ich nur wenn sie kurz und einfach sind, aber nur wer übt wird besser werden, jetzt hab ich die Gelegenheit dazu. Alles ist sehr gepflegt, die Häuser schön beisammen, die Rasen gemäht und Laub gekehrt und überall sieht man, dass sie ihr eigenes Obst und Gemüse ziehen, deshalb bekommt man in den kleinen Läden auch praktisch nichts Frisches zu kaufen. Wir wandern einmal zu Violetta, sie verkauft Gemüse aus ihrem Garten, wir erstehen ein paar Gurken und frischen grünen Salat, um umgerechnet 7 Euro nicht gerade billig aber dafür reif und frisch.

 

Schon im Ort laufen einem ständig Hühner mit Kücken und stolze Hähne über den Weg, auf der anderen Seite der Insel laufen Schweine frei herum und jagen sich gegenseitig Mangos ab und Ferkel tollen herum, artgerechte Tierhaltung. Wahrscheinlich nur für den Eigenbedarf, in den kleinen Geschäften gibt es nur gefrorenes Fleisch und fertige Burger und Eier aus Hühnerfarmen, sie haben zwei auf der Insel. Die heile Welt, oder zumindest vernünftige Nutzung der Ressourcen und Achtung vor der Natur und den Tieren scheinen überall verloren zu gehen. Da brüstet sich die Menschheit das intelligenteste Wesen zu sein und schafft es nicht den Planeten in Ordnung zu halten und mit der Natur und den Tieren ethisch verträglich zu leben, nicht mal im Paradies, welches man hier sonst fast findet. Warum sich selbst ein Huhn fangen und schlachten wenn man es im Supermarkt gefroren kaufen kann und Hühnerhaxen sind mit 6 Dollar das Kilo gar nicht mal so teuer.

 

Es ist wirklich wunderschön hier und wir sind so entspannt, dass die Karibik und Europa ganz weit weg sind, dort ist alles viel lauter, hektischer, unfreundlicher, egoistischer, oder bilden wir uns das nur ein. Auf jeden Fall bleiben viele Segler in Französisch Polynesien hängen, man darf drei Jahre bleiben und kann dann, wenn man kurz mal aus und wieder eingereist ist, weitere drei Jahre dran hängen, also quasi unendlich. Und hier sind auch viele Europäer eingebürgert, haben Familien hier mit polynesischen Frauen und Kindern.  Das war schon seit den ersten Entdeckungsreisen so, viele sind geblieben.

 

Hier im Süden der Tuamotus, der Atollkette, die sich über 900 Meilen Richtung Norden zieht sind die Gambier die einzigen, die noch vulkanische Berge ober Wasser haben, bei allen Atollen sind die Vulkane versunken und übrig geblieben ist nur der Kraterrand der dann mit Korallen bewachsen das Atoll ergibt. Es bleiben dann nur flache Sandinseln auf denen außer Kokosnüssen nichts wächst, hier auf den Gambier bleibt der Regen an den Bergen hängen und alles gedeiht wunderbar.

 

Zwei Berge haben sie hier, wir besteigen gemeinsam mit unseren sieben Seglerfreunden, die Gruppe ist jetzt schon ganz schön groß, den Mt. Duf und haben von oben einen herrlichen Rundumblick über das gesamte Atoll und die Inseln die sich innerhalb befinden. Oben klettert man ein bisschen über Felsen und von unten sieht man, dass er gegen Südost eine steile Felswand hat, fast wie zu Hause der Ötscher. Der Anstieg ist auch sehr steil und rutschig, obwohl nur 400 Meter hoch doch ganz schön anstrengend, auch wegen der Temperatur und Luftfeuchtigkeit, haben hier 29 Grad und 65% Luftfeuchtigkeit.

 

Nach so einem Ausflugstag ist wieder Bord- und Arbeitstag, es gibt ja genug zu tun, zum Beispiel Gas nachfüllen. Das muss man hier selber tun, man borgt sich eine Flasche und hängt sie am Schiff verkehrt auf, verbindet sie mit der leeren Flasche, wobei es gar nicht so leicht ist die richtigen Anschlüsse zu haben, muss man sich ausborgen. Dann öffnet man das Ventil und das Gas fließt von der vollen in die leere Flasche, in ca. einer Stunde ist umgefüllt, die Menge wird mit unserer Kofferwaage kontrolliert. Wir schließen noch um und verbrauchen den Rest aus der geborgten Flasche, die sie einem ohne Kaution geben und wieder zurück haben wollen. Soviel Vertrauen haben wir sonst nie erlebt.

 

Wäsche kann man bei Fritz, einem Deutschen, der hier hängengeblieben ist und den hiesigen TO-Stützpunkt leitet waschen, nur um 8Uhr in der Früh, dann ist er nicht mehr fit, er trinkt von der Früh an Alkohol und nimmt reichlich Schmerzmittel, ist 80 Jahre alt und wird von seinen Töchtern, die in der Nähe wohnen versorgt. Das Wäscheservice ist ihm wichtig, stellt es den Kontakt zu den Reisenden her, er freut sich über Besuch und erzählt gerne. Zum Beispiel, dass er sechs Töchter hat und seine polynesische Frau bei der letzten Geburt in Papeete gestorben ist, da er als Mann alleine mit dem Säugling nicht zu recht gekommen wäre, hat er es in Tahiti verschenkt. Dass Kinder nicht immer bei ihren Eltern aufwachsen ist hier normal und sie müssen ohnehin oft schon sehr jung weg um die Schule besuchen zu können, sie werden gut untergebracht und der Kontakt bleibt bestehen. Was Geburten betrifft ist interessant, dass jede Frau drei Monate vor Termin in Papeete eintreffen muss, sich Wohnen und Versorgung leisten muss um regelmäßig untersucht werden zu können und auch für Frühgeburten rechtzeitig da zu sein. Flüge zwischen den Inseln sind sehr teuer, verwunderlich wie sich Familien das leisten können. Das Spital in Papeete scheint gut zu sein, auf den kleiner Inseln gibt es gar keine medizinische Versorgung oder, so wie hier eine kleine Krankenstation. hier ordiniert seit einem Jahr einen französischen Arzt der mit seiner Familie hier, aber angeblich schon fast wieder weg ist, lange hält es hier scheinbar keinen und mich wundert es auch nicht. Mit Notfällen bist du ohne gute Infrastruktur alleine und ein Transport wäre dann auch kaum zeitgerecht möglich und für kleinere Verletzungen oder Infektionen haben sie hier sicher ihre eigenen Strategien und Hausmittel, sonst hätten sie hier gar nicht so lange überlebt. Vielleicht kann man sich bei den hier rasch einziehenden Zivilisationskrankheiten engagieren, fast alle Frauen sind übergewichtig, sicher auch genug Diabetiker dabei. Für mich wäre es mangels Sprachkenntnissen ohnehin keine Option. Wenn man länger an einem Ort ist, bekommt man immer neue Informationen, zum Beispiel dass Segler, die sich infizierte Wunden versorgen lassen und Antibiotika bekommen nichts bezahlen müssen. Sogar der tägliche Verbandwechsel ist kostenlos und unkompliziert. Und ein anderer wurde mit einer Nierenkolik vorstellig, wobei hier nur mittels Urintests eine Infektion oder Blut ausgeschlossen wurde, mehr Diagnostik gibt es hier nicht und mehr Therapie natürlich auch nicht. So gesehen schon etwas riskant, am ehesten mit einem Landarzt bei uns vergleichbar, nur dass das Spital weit weg ist, die Distanz von Österreich nach Spanien.  

 

Fritz, den wir mit einem Kuchen nochmals besuchen erzählt uns dann, dass die frühere Medizinstation sogar ein Geburtenzimmer hatte und seine älteren Kinder auch noch hier geboren wurden, die jetzige ist kleiner und nicht mehr so gut ausgerüstet. Und wie meistens bekomme ich allerhand Geschichten, was die Medizin nicht alles verpfuscht hat erzählt, immer mit dem Hinweis, die sollte man ja klagen, geht aber leider nicht. Da outet man sich am besten gar nicht und ist froh hier nicht all die "Verpfuschten " vorher behandelt zu haben. Die Tage fließen hier so dahin, man ist auch mal froh einfach zu Hause zu sein, rasten, lesen und einmal am Tag raus zu fahren um Müll abzugeben und Internet zu nutzen.

 

Regen gibt es meist am Abend oder in der Nacht, teilweise heftige Güsse mit Starkwind und Blitzen, meist nicht länger als eine halbe Stunde, dann ist alles wieder vorbei und man kann die Fenster wieder öffnen.

 

Dafür dass die Gambier abseits der üblichen Routen liegen und laut Handbüchern selten besucht werden, sind hier viele Schiffe und ein reges Kommen und Gehen. Da scheint sich in den letzten Jahren was verändert zu haben, viele bleiben länger als eine Saison und dann ist es natürlich klar, dass man hier vorbei schaut. Weiters segeln immer mehr Schiffe die südliche Route mit oder ohne Rapa Nui und Pitcairn, aber die Galapagos, die früher fast ein Muss waren werden oft ausgelassen, weil teuer und zu reglementiert. Seit einige Marinas in Französisch Polynesien aufgemacht haben und man auch in der Taifunsaison bleiben kann, spricht noch mehr dafür sich hier Zeit zu lassen, früher musste man weiter nach Neuseeland, Hawai oder Papua Neuguinea, alles nicht ums Eck. Man trifft inzwischen auch seltener Segler die in kurzer Zeit einmal rundherum wollen und damit überall nur kurz bleiben oder hier gar nicht vorbei kommen, viele sind in Pension und leben auf ihren Schiffen, oder nehmen sich so wie wir länger Zeit ohne bestimmtes Ziel.

 

Unsere erste Woche hier ist schon wieder um, da kennt man seine Nachbarn und es wird fast wie in einem Dorf, man trifft sich im Laden oder im Lokal, beginnt zu plaudern und übersieht die Zeit, die hier ohnehin nicht wichtig ist, kaum jemand trägt eine Uhr.

 

Robert hat Angina und schläft viel um sich auszukurieren, ich gehe mit Bernd und Birgit eine Inselrunde und dabei sammeln wir etwas Früchte. Hier liegt alles am Boden herum oder man kann es von verwilderten Sträuchern nehmen, oder man bekommt es geschenkt, weil alle mehr wie genug Grapefruit haben. Mit vollen Rucksäcken ziehen sich die fast 25 km die die Runde dann wird, wir fallen tot müde in unsere Betten, die geplante Bergtour für Montag lassen wir sausen und bereiten uns für ein paar Tage am Riff und an den kleinen Inseln vor, dort wollen wir eine Perlenfarm besuchen und Schnorcheln gehen, hier vor dem Ort zieht es einem nicht ins Wasser, nur zum ab kühlen und waschen. Kaum ist man drinnen umringen einem drei oder mehr von Remorafischen, die begleiten normalerweise Haie und putzen Sie, warum die bei uns herumlungern würden wir gerne wissen. Ist ihnen ihr Hai abhanden gekommen oder ist der auch mit von der Partie? Auf jeden Fall fressen sie alles was wir Organisches ins Wasser tun und sie sind gierig da auch wenn sie schon Tage nichts bekommen haben.

 

Fische aus der Lagune soll man nicht essen, Ciguatera und über die Langusten haben sie erzählt, dass die sich mit dem Rattengift, welches sie bei der letzten Vergiftungsaktion mit den Kadavern ins Meer gebracht haben vergiftet haben, also derzeit auch nicht genießbar sind. Diese Geschichte kommt uns etwas seltsam vor, ist die saubere Lagune ja ihr Kapital für die Muschelzucht, aber wer weiß, zu kaufen gibt es weder Fisch noch Langusten und Schnorcheln waren wir noch nicht und vielleicht wollen sie auch den Seglern sagen, lasst die Finger von unseren Langusten. Robert ist momentan ohnehin keine Gefahr.

 

Dienstag starten wir raus zum Riff und suchen uns einen Ankerplatz oberhalb des Flughafens. Wir staunen nur so, an dem Vormittag kommen sechs weitere Schiffe, in der Früh triftet schon ein Katamaran, jetzt wird es ungemütlich voll vor Rikitea, ein Grund mehr mal abzuhauen. Wobei wir befürchten, dass wir am Wochenende, wenn wir zurück kommen erst recht Mühe haben werden einen Platz zu finden, Freitag kommt das Versorgungsschiff und wahrscheinlich sind deswegen so viele hier. Angeblich bekommt man nur in den ersten Tagen danach Käse, Butter und sonstige Spezialitäten, die wir aber eh nicht vermissen. Wir bräuchten Knoblauch und eventuell Butter, sonst haben wir noch von allem reichlich, unsere Vorratshaltung von Panama klappt gut und mit Kürbis, Obst und Konserven gibt es weiterhin einen abwechslungsreichen Speiseplan.

 

Dienstag ist es regnerisch und recht windig, wir motoren gegen den Wind raus zum Riff, immer in der angegebenen Fahrrinne, daneben leuchten die Bojen der Muschelfarmen aus dem Wasser und da und dort verraten helle und dunkle Flecken Korallenköpfe, sogenannte Boomies.

 

Der Ankerplatz hat dann 16 Meter Wassertiefe, die angegebenen 12 Meter finden wir nicht, aber der Anker hält und wir stehen gut. Ist auch wichtig, denn in der Nacht und am nächsten Tag rauschen die Squalls nur so über uns hinweg, Starkwind, der ganz schön Bewegung ins stehende Schiff bringt und Regenschauer, die wir als Schütter bezeichnen würden, unheimliche Wassermassen und eine Sicht, grad mal bis zum Bug. Wenn der Donnerstag dann nicht doch noch schön und sonnig geworden wäre hätte Robert bei seiner Meinung "so eine Schnapsidee da raus zu fahren" bleiben können, so hat es sich schon gelohnt. Zumindest für mich, Bernd und Birgit, wir waren schnorcheln, wunderschönes Riff mit Unmengen an Fischen und Haie waren auch da. Der größte so 2 Meter, die ersten haben mich noch ein bisschen umkreist, die anderen sind nur rasch vorbei geschwommen, so nach dem Motto aha Neue in meinem Revier. Und alle hatten einen Putzerfisch und zwei gelbgestreifte Begleiter mit, wenn man nicht wüsste, dass Haie gefährlich sind, wäre es nur ein netter, friedlicher Anblick, der Große mit seinen Freunden.

 

Am Heimweg nach Rikitea wollten wir noch an die andere Seite des Flughafens und dort zur Muschelfarm von Erik, einer der bekanntesten unter den Seglern. Leider spinnt unsere Ankerwinsch wieder mal und so trauen wir uns nicht ein weiteres Mal ankern, lieber gleich zurück. Der Fehler ist zwar gefunden, man muss an den Motor klopfen, dann geht sie kurz wieder, Robert wird sie aber trotzdem zerlegen und warten müssen, schon wieder eine Arbeit mehr auf der Liste.

 

Unser Platz von Anfang der Woche ist noch da, wir stellen uns fast in die gleiche Lücke, bestens und an Land ist schon alles geschäftig unterwegs, das Versorgungsschiff lädt schon fleißig ab und die Geschäfte werden gefüllt. Wir bekommen unsern Knoblauch, Kraut und einen Rettich, 10 Dollar, man gönnt sich ja sonst nichts und Früchte sammeln wir auch gleich wieder auf, nach dem Regen liegt viel herum, sind wir schon von Trinidad gewohnt.

 

Samstag ist so ein Regentag, grau in grau und eher Nieselregen, sowas gibt es hier auch, wieder mal Zeit für Internet, am Computer arbeiten und zum Vorbereiten auf heute Abend- Bernd wird 70 und wir feiern ihn.

 

Ein netter Abend, Birgit hat groß und lecker aufgetischt und Sam hat die Geburtstagstorte gemacht. Wir haben hier sogar eine 7 als Kerze bekommen, von Toby's 40er war noch die Null über, perfekt. Außerdem haben wir eine Art Geburtstagsbilet aus Fotos gestaltet und Sandra konnte sie uns ausdrucken, so eine Seglergemeinschaft bringt allerhand auf die Beine und in den Schiffen fährt ganz schön viel Hausrat und Kleinzeug herum. Wir leben und feiern eben auf unseren Schiffen, fast wie zu Hause.

 

Sonntag und Montag war es wieder sonnig und wir konnten wieder auf der Insel herum wandern und wie immer sammeln. Diesmal haben wir eine große Menge Christophinen zusammengeklaubt, Gemüse, besonders begehrt und Robert sammelt schon Kokosnüsse für Tina und Freundin, der Besuch nächsten Monat.

 

An den Schlechtwettertagen, die es derzeit doch auch gibt, den ganzen Tag trüb und immer wieder Regen, wird am Schiff gefaulenzt und gearbeitet. Ich nutze die Zeit und koche Marmeladen ein und verarbeite Kürbis und co. Wenn es nicht zu viele sind ist es irgendwie gar nicht so ungemütlich, es ist angenehm warm, ruhig, nur eben feuchter, man kann ohne weiteres auch draußen was unternehmen, zur Not wird man halt mal nass wenn man sich beim Regen nicht unterstellen kann, einzig das Schnorcheln macht so weniger Spaß, weil die Sicht ohne Sonne nicht besonders ist.

 

Diese Woche soll wenig Wind sein und es soll eher trüb bleiben, beim nächsten Wind werden wir weiter ziehen, denn wir haben noch 700 Meilen oder mehr bis Tahiti und wollen am Weg noch ein paar Atolle besuchen, welche wird sehr vom Wetter abhängen, denn idealerweise segeln wir mit Wind und stehen in den Flauten, soweit unser Wunschkonzert.

 

Unser Besuch bei Fritz, dem TO Stützpunktleiter, war sehr interessant, da erfährt man die Sicht von hier eingebürgerten Personen und das über fast zwei Generationen. Er schildert uns zum Beispiel seine Arbeit bei der Armee hier auf den Gambier und auf Hao als auf Fangataufa und Mururoa (diese Atolle liegen genau dazwischen) die Atomtest gemacht wurden. In den 70er Jahren gab es überirdische Tests und bis 1996 unterirdische, erst durch massive internationale Proteste stellte Frankreich den Wahnwitz ein. Es gab Schutzpunker und Plattformen auf die sich die Leute flüchten mussten falls ein Atoll weggebrochen ist oder eine starke Flutwelle ausgelöst wurde. Spezialbeläge die das Erdreich vor Kontamination schützen sollte und vieles mehr, klingt einfach und harmlos. Die beiden Inseln sind auch heute noch Sperrgebiet und man dürfte nur mit Spezialgenehmigung hin, also ganz so "ist eh alles vorbei und in Ordnung" ist es vielleicht doch nicht. Und Fritz meint, dass Frankreich hier unheimlich viel Geld investiert, aus schlechtem Gewissen, leider kommt nicht alles so an wie gedacht, denn auch hier wird am Weg zur Baustelle allerhand abgezweigt und  auch sonst haben die beim Zoll große Taschen, meint er. So manches Paket verschwindet, zum Beispiel Geselchtes, welches er geschickt bekommen hatte, musste vernichtet werden, eh ganz korrekt wenn man das Verspeisen als solches bezeichnet.

 

Irgendwie ernüchternd, wenn man auch hier an all den Großen Wahnsinn der Welt erinnert wird und an Atomtestgebieten knapp vorbei segelt. Von den früheren Weltreisenden sind viele im Pazifik oder in Indonesien oder sonst wo geblieben, scheint heute immer schwieriger zu werden, denn überall muss man zumindest einiges an Geld vorweisen oder mit seinem Alter und Beruf gefragt sein, sonst gibt es keine längeren Aufenthaltsgenehmigungen. Sogar Fritz hatte Probleme mit seiner polynesischen Familie als Deutscher, schlussendlich nahm er die Französische Staatsbürgerschaft an.

 

Wie immer vergeht die Zeit rasch, ich bereite mich für den Aufbruch vor und freue mich auf die nächste Etappe und die nächsten Orte, Robert würde am liebsten hier bleiben, jetzt ist es doch so gemütlich. Für das Wochenende wollen wir noch nach Taravai, die Nachbarinsel im Atoll, dort gibt es Sonntag ein Barbecue der Segler, eine junge polynesischen Familie, die auf der Insel wohnt befeuert den Grill und spendiert zusätzlich Fisch, sonst bringt jeder wieder was mit, Pot Luck. Und am Nachmittag wird Volleyball gespielt, für uns wird es ein guter Abschied von hier, hoffentlich gibt es nächste Woche mal ein paar Tage Wind, würde uns schon reichen.

 

Um den Bericht noch von hier aus auf die Homepage zu bringen muss er morgen fertig sein und per Mail weggehen, damit Robert in Österreich ihn wieder auf die Homepage stellen kann, dann gibt es für unbestimmte Zeit wieder kein Internet. Mal sehn ob es klappt.