S/Y Seven Seas

 

Crew: Veronika & Robert

Registration: AUT N-29520

 

MMSI: 203746200

VHF Radio: OEX9520

HAM Radio: OE6RHF

SAT Phone: 00870776721249

 

 

Über Pitcairn bis Gambier

 

Das Ausklarieren auf Rapa Nui ist genauso unkompliziert wie das Kommen, man muss zwar hin zur Behörde, dort geht es aber sehr freundlich und flott. Kosten insgesamt 9 Dollar, Leuchtfeuergebühr, bin mir nicht sicher ob sie überhaupt welche haben, aber vielleicht wollen sie welche errichten. Zahlen kann man nur werktags, also Freitag, dann sollen wir am Samstagvormittag nochmal kommen um unsere Pässe stempeln zu lassen und unsere Zarpe zu bekommen und wir können noch bis Sonntag bleiben. Wir dürfen sogar nach Anakena segeln und von dort aus starten, müssen uns nur über Funk melden, dass sie wissen wo wir sind und wann wir endgültig Segel setzen und sie verlassen. Kurzer Stress kommt auf als Bernd ein ganzes Paket Papiere zückt die er alle bei der Einreise ausgefüllt und bekommen hat, wir haben so was nicht oder doch und an Bord vergessen. "Schau ma mal" lohnt sich, keiner will sie sehen und wir werden genauso gestempelt und verabschiedet wie alle, Glück gehabt.

 

Am Rückweg zum Schiff die letzten Pesos ausgeben, da geht sich noch frisches Brot, Schinken und Käse, etwas Gemüse und Wein aus und eine Packung Kaugummi an der Kasse kommt auch noch mit.

 

Über Mittag plagen wir uns die Ankerleine und das Sicherungsgurtband einzuholen, das muss von Hand aus gehen, erst wenn die Kette wieder in der Führung liegt, kann man die Ankerwinsch benutzen, die Dank der Reparatur in Panama jetzt wieder funktioniert. Das Wasser ist heute zu trüb um nach dem Anker zu Schnorcheln, wir müssen nach Gefühl fahren um uns von den Steinen am Boden frei zu holen, es gelingt aber gut und wir nutzen den nachmittags Wind um die Küste entlang nach Norden zu segeln. Die letzten Meilen müssen wir motoren, aber dann fällt der Anker vor Anakena, wunderschön und auch nicht unruhiger als vor Hanga Roa. Bernd und Birgit kommen nach und wir genießen einen Grillabend bei uns an Bord und Sonntag schwimmen wir an Land und betrachten die Moais von der Nähe. Vom Boot aus ist der helle Sandstrand bunt getupft mit Badenden und dahinter die Gruppe Moais auf der Plattform, vier mit der typischen roten Kopfbedeckung die eventuell auch die Haarpracht sein könnte, ein überwältigender Anblick. Allein dafür hat sich der lange Weg hierher gelohnt. Ein sehr plumper, älterer Moai steht etwas abseits auf einer Plattform unter der ein Korallenauge gefunden wurde, daher weiß man, dass die Augenhöhlen mit weißen Augen gefüllt wurden. Alles in grüner Wiese mit Palmen, ein extrem schöner Ankerplatz, gut, dass wir uns die Mühe gemacht haben hier noch vorbei zu schauen. Wir haben besonderes Glück, Sonntag ist windstill und die Welle lässt auch nach, so ruhig sind wir die ganzen zwei Wochen nicht gestanden, was uns die letzte Nacht hier so richtig versüßt und uns den Abschied besonders schwer macht. Wir bereiten alles fürs Ablegen vor, nach dem Sundowner auf der SY Rebell sind wir gerade noch fit genug unser Dingi an Deck zu verstauen.

 

Montag, wir genießen noch den Sonnenaufgang, aber dann geht's los, Kurs 270 Grad, geht leider nicht, wir laufen um die 300 aber zumindest in etwa in die richtige Richtung und es geht zügig voran. Am Abend und in der Nacht einige Squalls, einer auch mit Regen, aber vor allem mit wechselnden Winden, bedeutet Arbeit und wenig Schlaf. Dann die berühmte Flaute und der angesagte Winddreher auf Südost, da lässt sich der Kurs dann endlich segeln, auch wenn die Welle teilweise ziemlich störend ist.

 

Dienstag wird dann sonnig, der Spi kommt raus und wir segeln so vor uns hin, es beginnt sich wieder Bordalltag einzustellen, noch haben wir unseren Rhythmus nicht gefunden, schlafen am Tag ist doch eher ungewohnt und die erste Nachtwache war gar nicht so relaxt wie wir sie jetzt gewöhnt waren. Auch das Spisegeln bedarf mehr Aufmerksamkeit, einer ist also immer sprungbereit um notfalls ins Ruder greifen oder die Spileine loswerfen zu können.

 

Die zwei anderen Schiffe unserer Gruppe, SY Rebell und SY Sweet Chariot sind zeitgleich gestartet und bisher auch nur geringfügig schneller. Wäre ja egal, wenn wir uns nicht gemeinsam Pitcairn anschauen wollten, da ist es dann nicht günstig wenn wir erst Tage nach Ihnen einrauschen. Andererseits wollen wir uns nicht hetzen lassen, die Strecke scheint das so und so ein bisschen in sich zu haben, nur 1000 Meilen, etwa 9 oder 10 Tage, da denkt man schon ans Ankommen bevor man richtig los ist und das sollte man nie. Die Entscheidung ob wir die Nacht auch mit Spi segeln wird uns abgenommen, er verabschiedet sich mit einem explosionsartigen Knall, zum Glück nur die Tackleine, der Spi bleibt ganz. Wir bergen ihn trotzdem und setzen Groß und Genuar, butterfly, so rutschen wir auch unter der schwarzen Wand vor uns durch, falls sie sich zum Squall auswächst und müssen nicht die ganze Nacht ins Dunkle starren und Bewegungen im Segel erahnen. Wir schlafen schon deutlich besser und in der Früh geht's dann wieder mit Spi weiter, soweit entspanntes segeln. Die große blaue Welt hat uns wieder, Rapa Nui ist hinter uns längst verschwunden, nur die Spur der Erinnerungen wird uns noch lange begleiten. Noch sind die anderen nur etwa zwei Stunden vor uns, wir verabschieden uns trotzdem vom Druck den Speed der anderen unbedingt mithalten zu müssen, wenn möglich gut, wenn nicht, dann müssen wir uns Pitcairn eben alleine anschauen, oder auch nicht, wenn das Wetter nicht passt, denn dort ist ankern und an Land gehen noch abenteuerlicher als in Rapa Nui. Jetzt segeln wir mal, passen auf uns und unser Schiff auf, wollen keinen Schaden nehmen und beginnen die Zeit die jetzt vor uns liegt wieder zu genießen. Der Pazifik ist auch jetzt sehr ruhig, "stiller Ozean" Wind um 3 Beaufort oder weniger und die hier üblichen kleinen, plätschernden und spritzenden Welle aus allen Richtungen mit zeitweise langer sanfter Dünung, kein Vergleich zu den hohen brechenden Wellen am Atlantik. Am besten lässt sich der Komfort daran ermessen, wir haben die Fenster zum Lüften offen weil kein Spritzwasser zu befürchten ist, wie angenehm wenn es nach ein paar Tagen noch nicht wie in einer Höhle riecht.

 

Unsere neuen Wetterdaten zeigen ein kleines Hochdruckgebiet, welches wir Donnerstag erreichen werden, dort ist es wieder aus mit Wind, so für 24 Stunden etwa. Da wünscht man sich, dass der Wetterbericht nicht ganz passt, könnte ja ein bisschen nördlicher sein und wir rutschen noch daran vorbei, doch schon vor der Nacht schläft der Wind ein. Wir bergen den Spi und lassen uns mit ausgebaumter Genua treiben, funktioniert vorerst ganz gut und in der abendlichen Funkrunde beschließen alle es so zu tun, man könnte ja auch den Motor anwerfen und Meilen machen, wozu fragen wir uns.

 

Leider wird es zunehmend unangenehmer, das sanfte Lüfterl verschwindet auch noch und übrig bleibt Welle und Dünung die uns ganz schön hin und her arbeitet, wie auf einem unruhigen Ankerplatz, das müssen wir jetzt aussitzen. Vom angenehmen Schlaf zu zweit sind wir damit eher wieder entfernt, erstens ist unser Bett im Salon für zwei fast zu eng, besonders wenn man sich die ganze Zeit bewegt und zweitens ist es unheimlich laut, alles scheppert und schlägt, immer wieder identifiziert man rutschende Gegenstände die man fixieren kann. Bis in der Früh kehrt etwas Ruhe ein, die Sonne ist schon aufgegangen, vielleicht auch etwas Erleichterung. Unter der Sonne schaukelt es sich angenehmer, ich schiebe Brot und Kuchen ins Rohr, wir starten den Tag mit gutem Frühstück und warten auf Wind.

 

Beim morgendlichen Funken zeigt sich, dass Bernd zwar langsam aber doch durch die Nacht gesegelt ist und so etwas über 20 Meilen vor uns ist, Toby etwa zehn. Da wir zum Stabilisieren den Autopilot benutzten, brauchen wir etwas Energie und nutzen zwei Stunden Motorfahrt, die uns aber nicht wesentlich näher an die anderen bringt, Toby hat inzwischen auch motort und zu Rebell aufgeschlossen. Kein Wind, wir nutzen die Gelegenheit für ein erfrischendes Bad hinten an der Badeleiter, das Schiff loslassen würde ich trotzdem nicht, auch wenn wir derzeit fast stehen und irgendwie ist es doch unheimlich 1000 Meter unter sich zu haben mit Haien, die sich zwar nie blicken lassen aber sicher irgendwo da sind.

 

Am Nachmittag holen wir uns nochmals einen genaueren Wetterbericht, wäre ja schon interessant wann wir wieder weiter kommen und so wie es aussieht ab ca. 22 Uhr, mit leichtem Wind, aber genug um voran zu kommen.

 

Vielleicht sollten wir doch nochmal aufschließen um die weitere Strecke und in Pitcairn gemeinsam zu sein, inzwischen ist das Meer fast glatt, so kann man mit 1400 Umdrehungen fast 5kn Fahrt machen, wir investieren mal 15 Liter für diese Flaute.

 

Um 18 Uhr staunen wir dann, wir haben die anderen tatsächlich erreicht, nur noch drei Meilen hinter Ihnen, wir können sie erstmals mit freiem Auge sehen.

 

Über Nacht können wir den Wind schon gut nutzen und segeln immer im gleichen Abstand zu Bernd genau Kurs auf Pitcairn, insgesamt 50 Meilen in 12 Stunden, die Flaute ist jetzt hinter und 650 Meilen liegen vor uns.

 

Die Sweet Chariot ist ein schwereres Schiff und braucht etwas mehr Wind um mal in die Gänge zu kommen, deshalb schlafen die zwei noch die ganze Nacht und segeln erst wieder in der Früh los. Damit sind sie etwa 50 Meilen hinter uns, was sie aber sicher aufholen wenn der Wind jetzt konstant bleibt.

 

Bernd und Birgit segeln den ganzen Tag mit Spi neben uns, gute Gelegenheit Fotos von bewegten Schiffen unter Segel zu machen, wir tauschen später dann unsere Aufnahmen. Pünktlich zur Nachtwache wird die Segelwäsche gewechselt, Groß, ausgebaumter Genua, butterfly und los geht's in die Nacht. Bernd legt nördlich an, wir eher südlich von der genauen Zielgerade, so kommen wir uns in der Dunkelheit sicher nicht in die Quere. In der Früh trennen uns 13 Meilen die wir südlicher sind, gerade noch Funkverbindung, sehen tun wir uns schon lange nicht mehr und so kehrt wieder Ruhe ein auf unserem Meer, schon ungewohnt es mit jemandem zu teilen und noch dazu gleich schnell segeln zu wollen. Wenn wir 120nm je 24 Stunden schaffen, das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten, dann brauchen wir für die verbleibende Strecke noch vier Tage, Donnerstag früh oder Vormittag könnten wir ankommen. Soweit unser grober Zeitplan und so wie es aussieht treffen wir uns dann am selben Tag in Pitcairn, bis dahin sind wir wieder alleine unterwegs. Sonntag, sonnig, Wind gerade noch mit dem Gennaker zu segeln, ein traumhafter entspannter Tag. Die Nächte sind da weniger angenehm denn butterfly segeln bei doch jetzt wieder erheblicher Welle bedeutet, dass die Segel immer wieder hart schlagen. Das belastet das Material und tut in der Seele weh und man probiert notgedrungen alles aus damit es besser wird. Also Segel rauf, runter, ausbaumen backbord, dann doch steuerbord usw. Jedes Mal turnt Robert vorn beim Mast rum und ich sprinte hinten herum und bediene alle Leinen. So bekommt man ganz schön Muskeln, Blasen auf den Händen und jede Menge blaue Flecken und leichte Cuts, denn immer wieder schlägt man sich die Zehen oder das Schienbein an.  Wenn die Segel dann endlich zufriedenstellend stehen beginnt die Einstellung vom Windpilot. Bei wenig Wind ist der auch ganz schön sensibel und braucht oft lange um Wellen auszusteuern und wieder auf Kurs zu gehen. Meistens gibt es in der Früh noch ein paar Squalls, kurzfristig Starkwind, kaum zu fahren wenn man vorher nicht die Segel gerefft hat, na da springen wir gleich mal wieder herum und zwar beide, blöd für den der gerade schlafen wollte.

 

So viel Arbeit mit so viel Schiffsbewegung macht auf lange Strecken keinen Spaß, das trübt die Stimmung, genervt will man die Strecke nur so bequem wie möglich hinter sich bringen, andererseits wäre Pitcairn an den Flautetagen besonders gut zu besuchen, also doch Zeitdruck?

 

Funkrunde: Toby holt faszinierend schnell auf, Bernd und Birgit rechnen auch hin und her und hoffen, dass die verbleibende Strecke bis Freitag früh zu schaff ist, dann gleich der Besuch an Land und dann entweder eine Nacht dort vor Anker bleiben oder gleich wieder weiter. Voraussetzung ist, dass wir trotz Flaute vorankommen, denn auch wenn es vorher noch ganz gut voran geht bleiben 80-100 Meilen die man noch irgendwie segeln sollte, denn zum motoren wäre es uns zu viel.

 

Bei all den Überlegungen und der damit verbundenen Emotion fragt man sich was denn so besonderes an diese Insel ist, 4,5 Quatratkilometer groß, vulkanisch mit fast rundherum Steilküste, nur drei Flecken wo man auf 15-20 Meter Wassertiefe, wieder auf freier Fläche ankern kann. In den kleinen Hafen steht die Welle so rein, dass sie einem mit Schnellbooten holen und diese werden mit einem eigenen Manöver rasch aus dem Wasser gezogen. Der Besuch ist meist kurz und Einreise, eine Rundfahrt, ein Essen und die Ausreise mit all den Stempeln um 50 Dollar, laut Internetinformationen, erledigt. Klingt fast ein bisschen wie ein Museumsbesuch. Kein Mensch würde Pitcairn kennen und es wäre wahrscheinlich auch nicht mehr bewohnt wäre da nicht seinerzeit, 1789 die Meuterei auf der HMS Bounty gewesen. Mehrmals verfilmt kann man sich verschiedene Varianten der damaligen Auseinandersetzungen erzählen lassen, sehr brutal soll alles abgelaufen sein, zimperlich waren die damals sicher nicht. Auf Meuterei stand ja die Todesstrafe, also hatte Christian Fletcher, Adams, Quintal, Young und einige andere keine andere Wahl als unter zu tauchen, sich ins Nirgendwo zu verzupfen bis Gras drüber gewachsen ist. Sie (9 Meuterer) nahmen noch einige einheimische Polynesier und -innen aus Tahiti mit, haben das Schiff dann vor der Insel verbrannt und versenkt, liegt angeblich heute noch vor der Bounty Bay und sich quasi auf der Insel verschanzt. Irgendwie waren das sicher sehr eigenartige Typen, nicht sonderlich friedlich, haben sich auch bekämpft und dezimiert, nach vier Jahren lebten nur mehr vier Männer und nach zehn Jahren nur noch John Adams mit zehn Frauen und 23 Kindern. Selbstversorger, Wasser gab es vom Regen und eine Quelle in einem Tal, ist immer eine der Grundbedingungen ob es sich wo leben lässt. Nur selten kommen Versorgungsschiffe vorbei, auch heute noch, aber immerhin, zuerst wollten sie ja gar keinen Kontakt zur Außenwelt, waren auf der Flucht. 

 

Die Insel wurde 1767 beim Vorbeisegeln der HMS Swallow erstmals vom Mittelschiffsmann Robert Pitcairn gesichtet, daher ihr Name und das Wissen, dass es sie gibt. Zuerst wollten die Meuterer eher auf einer der Tonga oder Australinseln bleiben, wäre aber wahrscheinlich nicht so sicher gewesen.

 

Einfach war das Leben auf jeden Fall sicher nicht, kein Wunder, dass die kleine Community mit Inzucht und Pädophilie in Verbindung gebracht wird. Inzucht ist wahrscheinlich über die Jahrzehnte  nicht so arg, denn schon 1831 wurden die damals 87 Personen nach Tahiti umgesiedelt, weil es dort einfacher zu leben war. Nach zwei Jahren kehren einige wieder zurück, weil sie mit dem amoralen Leben auf Tahiti nicht zurechtgekommen sind, liest man. 1858 wurde, wegen Überbevölkerung (194 Personen) eine weitere Umsiedlung nach Norfolk (3200 Meilen westlich) vorgenommen, eine britische Gefängnisinsel, welche gerade aufgelassen wurde (eine der schlimmsten Foltergefängnisse, Blutspuren der Geschichte). Dort leben auch heute noch Nachfahren dieser Gruppe, viele sind nach Neuseeland oder Australien ausgewandert (insgesamt etwa 1500) und einige sind auch wieder zurück, deren Nachkommen (50) besuchen wir jetzt auf Pitcairn. Komisch kommt es uns allerdings, als wir sie sehen schon vor, dass sich alle sehr ähnlich sehen, eher übergewichtig, nicht zu dunkle Haut, runde Gesichter, britisch-polynesischen Mischung.

 

Seit 1887 sind sie 7 Tage Adventisten, von vorbeikommenden Amerikanern bekehrt, vielleicht ein wesentlicher Schritt für eine friedliche Entwicklung in einer so kleinen Gemeinschaft auf so engem Raum.

 

Soweit unser angelesenes Wissen von unserem nächsten Ziel, schon irgendwie spannend, weil so anders und für uns kaum vorstellbar da und so zu leben.

 

Inzwischen hat das Wetter ein Machtwort gesprochen, die Flaute breitet sich schon Mittwochnacht über uns aus, beschert uns einen tollen klaren Sternenhimmel, inzwischen mit fast vollem Mond, sehr stimmungsvoll. Ein Sonnenaufgang in grellem orange, fast ohne Wolken, die sonst jeden Morgen drohend schwarz den Horizont belagert haben, läutet den Tag ein, wir zuckeln mit schlagenden Segeln mit knapp über zwei Knoten dahin und vormittags stehen wir dann endgültig. Wieder einmal Zeit für ein erfrischendes Bad im Meer und Befragung des Wetterberichtes, wie wir die Strecke weiter anlegen, noch fehlen uns 200 Meilen. Wind kommt wahrscheinlich heute Nacht zurück, leider von West, dort wo wir hin wollen und der dreht dann Richtung Süd, wobei wir, wenn wir den Donnerstag die 310 Grad segeln den Dreher um einen Tag später bekommen werden. Damit würden wir zwar segeln aber genau genommen keine Strecke für uns gut machen, also segeln zum Selbstzweck, keine guten Aussichten. Stehen bei Wind geht aber auch nicht, bleibt nur den ersten Wind zu nehmen und zu kreuzen um dann mit dem Winddreher möglichst rasch direkt aufs Ziel zu segeln zu können. Wurscht wie wir es anlegen, wir kommen frühestens Samstag an.

 

Donnerstag bekommen wir eine Extralektion Wetterkunde, wir starten so gegen Mitternacht und kreuzen mal Richtung Nord, dann Südwest, pendeln um unser Ziel West, welches genau gegen an liegt. Wir sind mitten im Tiefdruckgebiet, der Wind gegen 20 Knoten, sehr böig und ständig wechselnd je nach Wolkenformation. Ein Squall nach dem anderen bildet sich am Horizont, binnen 15 Minuten wird aus niedlichen kleinen weißen Wolken eine große schwarze Wand und eh man sich es versieht ist alles grau in grau. Wind schläft ein, nimmt wieder zu und schon ist der Himmel klar, Wolke vorüber. Oft stehen rund um uns mehrere graue Wolkentürme, wenn man es regnen sieht ist der Spuk schon vorbei, bzw. können wir immer besser abschätzen welche über uns drüber ziehen wird und welche an uns vorbei geht. Spannend, anstrengend und leider trotz flottem segeln kommen wir dem Ziel nur langsam näher. Der Winddreher auf Süd lässt auch auf sich warten, erst ab drei in der Nacht können wir auf Halbwind unser Ziel anlegen, jetzt geht's zügig voran. Mit Halbwind machen wir bis zu 7 Knoten Fahrt, so rasch sind wir normal nicht und so kommen wir auch schon um drei in der nächsten Nacht nach Pitcairn. Wir reduzieren die Segelfläche und nähern uns zuletzt mit zwei Knoten um mit dem Licht der Morgendämmerung den Anker fallen zu lassen. Toby kommt zeitgleich, Rebell liegt schon da, am Funk werden wir herzlich begrüßt und unser Transfer auf die Insel organisiert.

 

Man staunt, es kostet das Einklarieren 50 Dollar pro Person und 50 Dollar pro Schiff der Transfer an Land, da sind wir gleich mal 150 Dollar los. Geld spielt überall eine immer wichtigere Rolle und auch wenn sie sich über Gäste zu freuen scheinen sind wir hier Kunden, die es zu bedienen gilt. Am Hafen, welcher nur ein Anleger hinter einer kurzen Mole ist, werden wir mit einer Muschelkette behängt und nett empfangen, neben den Personen die uns mit den Booten geholt haben ist noch ein Mann der Gesundheitsbehörde und eine neuseeländische Polizistin anwesend. Pitcairn ist immer noch britisch und da Neuseeland auch irgendwie in diesen Club gehört stellen die das Polizeipersonal, ist doch weit näher als Europa. Die Polizistin bleibt ein Jahr, dauernd möchte sie hier nicht sein obwohl es ihr gut gefällt, erzählt sie uns.

 

Mit ihren Quads bringen sie uns rauf aufs Plateau ins Zentrum, nach Adams Town um dort den üblichen Papierkram fertig zu erledigen und unser Geld zu deponieren. Den Ort sieht man vom Meer aus überhaupt nicht, früher, als es noch keinen Anleger gab, waren sie wahrscheinlich wirklich nicht zu sehen, gut versteckt und die Insel gut zu verteidigen, da man ankommende Schiffe schon lange näher kommen sah.

 

Samstag ist ihr Feiertag und wir werden zur Messe eingeladen und um halb zwei zu einem Lunch. So treffen wir gleich viele Einheimische, die sich gerne unterhalten und uns viele unserer Fragen beantworten. Derzeit leben 54 Menschen auf der Insel, es gibt eine Grundschule, Jugendliche müssen zur Ausbildung fort, daher sieht man nur Erwachsene, alte Menschen und ein paar Kinder. In die Kirche gehen nur noch ca. die Hälfte der Schar, Pastor haben sie schon lange keinen mehr, die Messfeier besteht aus ein paar vorgelesenen Texten und Liedern deren Texte auf eine Leinwand projiziert werden, so kann auch der Blindeste mitsingen. Ohne Predigt dauert das Ganze auch nicht allzu lange und wir nutzen die Zeit bis zum Lunch für erste Spaziergänge auf der Insel. Die Insel ist grün, überall hängt Essbares von den Bäumen und Früchte liegen am Boden herum. Neben Kokospalmen und Zitrusfrüchten stehen Tannen und Föhren, Gummi- und Olivenbäume herum, eine eigenwillige Kombination. Mit der Touristenmappe und den Wegweisern, die an jeder Gabelung stehen, kann man sich auch nicht verirren, die Distanzen sind für unsere Verhältnisse kurz, 374 Höhenmeter auch nicht all zu viel, also ein entspanntes wandern.

 

Zum Lunch werden wir privat bekocht, sitzen unter dem Vordach im Garten mit kalten Getränken, sie servieren sogar Bier, Beefwürste, Beef Stroganoff, Reis, Pommes und Salat, zum Nachtisch gibt es Früchte und Eis, Tee und Kaffee. Das Ganze für 20 Dollar pro Person, dafür haben wir gerade noch Geld mit, wir haben nicht so viel eingesteckt, dachten nicht, dass man hier so viel zu bezahlen hat. Bis sechs haben wir noch Zeit, wir wandern zum Highest Point mit tollem Ausblick und sammeln am Weg mal ein paar Früchte ein. Am Anleger dann die nächste Überraschung, sie haben für jeden von uns eine Kiste mit Obst und Gemüse zusammen gerichtet, natürlich gegen Bares, 30 Dollar würden sie nehmen, da wir sie aber nicht bestellt haben und sie auch nicht zahlen könnten, nehmen wir sie nicht. Sie beteuern zwar, dass es ok ist, vielleicht sind sie aber doch etwas enttäuscht keine weiteren Geschäfte machen zu können.

 

Am nächsten Tag entern wir das Land mit Toby's Dingi, hieven es, wie uns gezeigt wurde mit dem Kran an Land und wandern den Rest der Insel ab. Lange halten wir uns bei den St Pauls Pools auf, eine Felsformation mit einem natürlichen Pool alles in Lavalandschaft mit schäumender Brandung rund herum. Dann wandern wir vorbei am Tennis- und Fußballplatz, sieht nicht wahnsinnig benutzt aus, als besondere Herausforderung stehen ein paar Bäume am Spielfeld. Nachdem wir vom Meer aus gestartet sind, dann runter zu den Pools, wieder rauf zum höchsten Punkt und dann zurück zum Kai, kommen doch ganz schön Höhenmeter für unsere müden Knochen zusammen. Wir genießen mit Snacks und Wein die Stimmung am Highest Point und sammeln am Heimweg nochmals ausgiebig Früchte. Es ist Sonntag, an und für sich kein besonderer Feiertag, haben sie uns erzählt, trotzdem begegnen uns an diesem Tag gerade mal drei Leute. Die Insel wirkt im Vergleich zu gestern wie ausgestorben, liegt es am mangelnden Geschäft?

 

Bernd hat allerdings noch ein paar weitere Infos eingeholt, Wasser haben sie nur mehr Regenwasser, welches sie für jedes Haus extra sammeln, daher auch überall die großen Behälter. Strom erzeugt ein Generator, drei weitere stehen als Reserve still, ab 22 Uhr wird abgeschaltet und um sechs Uhr morgens gehen die Lichter wieder an. Solar oder Windenergie nutzen Sie noch nicht. Was uns etwas verwundert, denn alles, was sie auf der Insel haben kommt alle drei Monate mit dem Versorgungsschiff aus Neuseeland und muss mit ihren Booten an Land gekarrt werden, was gerade für Gas und Diesel doch recht aufwendig scheint. Essen haben sie ja einiges selbst auf der Insel, trotzdem kommen Getränke, Eis und alles Mögliche mit dem Schiff, von Selbstversorger sind sie auf jeden Fall schon weit entfernt.

 

Mit diesen Schiffen kann man auch auf die Insel kommen bzw. sie verlassen, also längerfristige Planung ist hier gefragt, das nächste Schiff kommt Ende Mai, da würde dann auch die Post mitgehen. Man kann dann entweder direkt nach Neuseeland mitfahren oder nach Mangareva (Gambier) und von dort aus über Tahiti fliegen, bedeutet, dass man im Krankheitsfall auch nicht weg kommt, da hätte ich noch einige Fragen, vielleicht treffe ich noch wen, der sie mir beantworten kann. Leider nein.

 

Neben unserem Mittagstisch ist unter dem Dach, vor Regen geschützt, ein Stoß Laminatbodenbretter, deutsche Qualität, hier fast am anderen Ende der Welt. Die sind für Ihre Schwester, die gerade baut, nur sind mit dem letzten Schiff die Balken für die Hauskonstrurktion nicht mitgekommen, also müssen die Böden für drinnen gelagert werden und die Baustelle steht für drei Monate, ist ja ganz entspannt, warten statt Stress.

 

Uns interessiert natürlich auch wie sie mit Abfällen umgehen.

 

Müll wird in eine Mulde im Landesinneren gekippt, also gelagert und nicht verwertet, wäre anders ja auch eher verwunderlich. Was sie mit ihren Abwässern machen haben wir nicht erfahren, aber wahrscheinlich gehen sie ins Meer, was hier auch wirklich nicht störend wäre. Auf den Wanderwegen, die eher Forststraßen sind, alle mit den Quads zu befahren, stehen immer wieder Toilettenhäuschen, insgesamt 10 auf der Insel verteilt. Bei so wenigen Besuchern ist die Infrastruktur eher verwunderlich, insgesamt hatten wir ein anderes Bild von der Insel, nicht so touristisch ausgerichtet, hat sich das wirklich im letzten Jahr so verändert? Unser zweiter Tag an Land war auch wunderschön, die Insel gefällt uns, nur steht man wirklich sehr schaukelig vor Anker, was die Nächte anstrengend macht und an Land zu kommen ist nicht einfach. Mit den Dingis ist es kritisch sie vom Schiff aus ins Wasser zu bekommen und dann im Hafen raus, man möchte ja nichts kaputt machen oder jemanden verletzen. Wenn man sich holen lassen möchte, gibt es keinen Kompromiss, man zahlt pro Schiff 50 Dollar, kann sich den Transport also nicht teilen. 150 Dollar für uns drei um an Land zu kommen ist uns definitiv zu teuer, wir bleiben montags an Bord und warten ob der Schwell nochmal nach lässt und wir doch noch selbst raus können. So schön die Insel ist, wird sie einem gleich etwas vermiest, wollen sie uns nicht? Sind sie beleidigt? Beobachten sie uns jetzt was wir machen und ob wir doch noch weich werden, damit sie uns dann freundlich holen können? Warum wollen die kein Geschäft mehr machen, wir haben ja besprochen, dass wir Montag gerne einkaufen würden, die berühmten Briefmarken und vor der Abreise noch frisches Obst und Gemüse. Wir hatten sogar noch ein gemeinsames Lunch überlegt, wäre auch gutes Geld für sie, wir sind etwas verwundert. Abreisen können wir jederzeit, sie haben uns den Ausreisestempel gleich bei der Einreise in den Pass gedrückt, das Datum sollen wir dann selbst einsetzen, ist eine Sicherheitsmaßnahme, denn oft muss man auch schnell weg wenn Wind aufkommt, oder wussten sie schon, dass viele wegen der Kosten nicht mehr an Land kommen?

 

Wir hatten zwei schöne Tage an Land, vielleicht schon das doppelte von dem was sie erwarten, vielleicht haben sie sich wirklich auf ein Eintagesprogramm mit maximalem Geschäft eingerichtet und sind mit anderen Besuchern überfordert. Bei der Einreise meinte der Mann von der Gesundheitsbehörde zwar, dass sie durchwegs auch froh über Zuzug wären, die Insel würde schon noch einige Leute vertragen und derzeit lebt ein Deutscher hier und wird vielleicht eingebürgert. Und es gibt auch längerfristige Besucher die mit dem Schiff aus Mangareva kommen und für eine Woche oder so bleiben, die wohnen privat, Hotel oder sonst was gibt es nicht.

 

Die Welle wird schlechter, das Stehen unangenehmer und von Anlanden mit eigenem Boot ist schon gar nicht mehr die Rede. Dienstag früh sind wir alle froh die Nacht gut überstanden zu haben, frühstücken noch rasch, verabschieden uns am Funk von der Insel und setzen Segel.

 

Bernd und Toby nutzen die Gelegenheit und bringen ihre Kritik, dass der Transport an Land um 50 Dollar einfach zu teuer ist, nochmals an. Man hat ein wenig den Eindruck sie verstehen, dass sie etwas ändern sollten und beteuern es in einer nächsten Sitzung ansprechen zu wollen. Für uns nicht mehr relevant, aber vielleicht haben die nächsten Segler schon bessere Möglichkeiten an Land zu kommen und die Insel zu erkunden.

 

Ca. 300 nm liegen jetzt vor uns, Wind aus Nord oder eventuell auch streckenweise aus West, also wieder gegen an. Bis Freitag sollten wir es schaffen, dann schläft der Wind wieder total ein, vielleicht auch früher, wir sind es jetzt schon gewohnt zwischen den Tiefdruckgebieten mit den wechselnden Winden unterwegs zu sein, stabilen Südostpassat hatten wir schon lange nicht mehr.

 

Schon am ersten Tag handeln wir uns entlang eines großen Squalls, der nördliche Wind bringt uns gut, sogar exakt auf unserer Kurslinie voran, trotzdem schaffen wir nur ein Etmal von 105nm, die anderen 110 und 115nm, zu wenig um die Strecke in zwei Tagen zu schaffen. Es scheint auch Strömung gegen uns zu sein, so ein halber bis ein Knoten, wird bei wenig Wind sicher noch unangenehm werden. Auch nach Sonnenaufgang geht es flott weiter, immer hart am Wind, oder zumindest am Wind, leichte Schräglage, etwas ruppig, aber zum Glück kein Stampfen in die Welle, so groß sind sie noch nicht. Wir halten uns immer etwas nördlich unsere Kurslinie damit wir beim Winddreher nach West etwas Spielraum haben ohne gleich kreuzen zu müssen, mal sehn ob die Rechnung aufgeht. Der Tag beginnt gut, gleich in der Früh ein Biss, endlich ein Fisch, leider abgekommen, die zweite Angel auch, beim Einholen lässt der Druck nach, das darf doch nicht wahr sein. Doch dann noch einer und den bekommen wir an Bord, Yellowfinthuna 5,2kg schwer, Fischsuppe, Filets für mehrere Mahlzeiten, Robert hat ganz schön Arbeit beim filetieren hinten am Heck und ich bei der Verarbeitung in der Küche. Immer schön gegen an stemmen, anhalten, alles festhalten oder klemmen, soviel Bewegung ist schon im Schiff, dass alles fliegt was man einfach nur so abstellt. Aber man übt sich und hat seine eigene Technik um möglichst effizient und ohne Verletzung und Bruch alles zu erledigen, dann ist man aber froh wieder raus an die frische Luft zu können.

 

Ein Köder wurde uns wieder abgebissen, sonst kein weiterer Fang, die Bilanz sieht nicht sehr gut aus. Über Tag wird es immer ungemütlicher und noch bevor die Nacht beginnt braut sich eine ganz üble Front zusammen. Unser Nachtmahl, gegrillter Fisch mit Reis und Gemüse können wir leider nicht mehr normal bei Tisch essen, lieber in großen Schalen, mit der Gabel essen, kein Messer, da ist eine Hand frei zum Halten der Schale.

 

Die Nacht wird dann zur mühsamsten seit langem, die Squalls sind so heftig wie noch nie im Pazifik, wir reffen was geht und sausen trotzdem mit bis zu acht Knoten dahin um im nächsten Moment zu stehen und dann Segelstellung ändern, weil der Wind von der anderen Richtung kommt, ätsch nicht lange, alles wieder zurück usw. Am Anfang spielen wir da auch brav mit, dann geben wir auf, laufen mit jedem Squall Richtung Südwest ab und stehen wenn gerade keiner ist, wir sind zu müde um ständig aus und ein zu reffen und wenn wir es täten würden wir wahrscheinlich Meilen in die falsche Richtung machen, also zwecklos. Außerdem regnet es immer wieder in Strömen, da ziehen wir uns ins Trockene zurück und lassen Wind- oder Autopilot fahren. Und da sind noch die Blitze, die so intensiv und hell sind, dass man fast sicher ist, dass man bald drankommt mit einem Einschlag, auch Donner grollt manchmal verdächtig nahe, wann hört das endlich auf? Beobachten kann man das die ganze Nacht am Radarbild, auf die Karte projiziert sieht man die braunen Flecken ziehen. Wenn das Schiff in so einem Fleck drinnen ist hat einem wieder mal ein Squall erwischt und man düst im Regen dahin.

 

Wie gehabt, in der Früh schieben sich die letzten Wolkentürme über den Horizont und wenn Squalls, dann die von der leichten Sorte, feige vom Wetter sich nur in der Nacht so auszutoben, trotzdem gut wieder halbwegs stabil segeln zu können. Ab Mittag schläft der Wind dann ein und für die letzte Nacht und die verbleibenden 65nm bemühen wir bei spiegelglattem Meer den Motor. Diese Flaute ist für mindestens drei Tage vorher gesagt, die wollen wir jetzt nicht mehr herumstehen, da nutzen wir den Vorteil einen Motor zu haben und verbrauchen mal wieder 30 Liter Sprit. Freitag früh sind wir dann beim Pass, der Einfahrt in die Lagune der Gambier Inseln, welcher gar kein richtiger Pass ist. Das Riff ist an der Südwestlichen Seite überall unter dem Meeresspiegel, 6 Meter oder mehr, da könnte man überall drüber fahren, wir nehmen zur Sicherheit die vorgegebene Linie mit einer Tiefe von mindestens 10 Meter. Die Lagune ist wie ein großer See mit ein paar grünen Inseln drin, die ähnlich aussehen wie Pitcairn, viele Nadelbäume, schroffe Bergkämme, von weitem kaum tropische Pflanzen und Palmen zu sehen. In der Lagune sind dann ein paar Markierungsbojen und zuletzt eine markierte Fahrstraße. Nebenbei ist es entweder zu seicht, weil da und dort ein Korallenkopf der doch fast rausschaut, oder es hängen Netzte mit kleinen Bällen im Wasser, ihre Perlenfarmen. Hier her innen wird nicht gesegelt, ohne Wind so und so nicht, wir wollen nur mehr rasch und sicher zum Ankerplatz. SY Rebell und SY Sweet Chariot sind schon an Land, einklarieren und erste Erkundungen, wir kreisen zweimal durchs Ankerfeld, sind uns ziemlich uneinig wo wir uns da am besten hinstellen. Überall 16 Meter Wassertiefe und die Schiffe stehen sicher nicht nach ihren Ankerketten ausgerichtet, also wo werden die hindrehen wenn wieder Wind ist? Nach dem zweiten Ankerversuch stehen wir, glauben wir, gut vor Rikitea, dem Hauptort auf Mangareva, Motor aus, Schiff klar machen und uns fertig für den Landgang. Um eins sind wir dann draußen auf der Hauptstraße mit ersten guten Tipps von Thomas und Inge von der SY Saga, die schon länger hier sind. Wir kennen uns von Barbados und in Martinique haben wir uns auch noch mal getroffen, dann sind sie schon letzte Saison in den Pazifik voraus und so trifft man sich wieder, echt schön!

 

Wir gehen zielstrebig zur Polizeistation, die gerade Mittagspause hat, dann bei beginnendem Regen halt mal eine Runde zur Kirche, ans Ende des Dorfes, ins kleine Geschäft mit Preisen, die man gar nicht sehen möchte, so astronomisch hoch und zur Post um unser Geld zu wechseln. Dollar gegen polynesischen France, 1:100.

 

Viel werden wir hier nicht kaufen, zum Glück haben wir noch ausreichend mit um Selbstversorger zu sein. Um zwei Uhr dann zur Gendarmarie, ein junger Beamter reicht uns das Formular und bearbeitet unsere Pässe, es kostet nichts und wir bekommen ein gefaltetes und zusammen geheftetes Papierstück welches wir zur Post tragen sollen. Dort ist allerdings schon Feierabend, am Wochenende ist hier zu, wir können unser Papier erst Montag aufgeben, es wird nämlich nach Tahiti geschickt, hier ist ja nur eine Außenstelle der Einreisebehörde und die Zentrale möchte auch gerne wissen wer sich in ihr Land geschlichen hat. Nachdem auch hier kein regelmäßiger Flugverkehr ist, immerhin haben sie einen kleinen Flughafen und die Versorgungsschiffe und Fähren auch nicht im Stundentakt fahren, sind drei Tage wahrscheinlich überhaupt keine Zeitverzögerung, uns ist es ohnehin egal. Wir haben angegeben, dass wir mal so zwei Monate hier bleiben wollen und dann nach Tahiti, man muss sich immer ab- und anmelden wenn man sich zwischen den Inseln bewegt, dafür dürfen wir als EU Bürger bis zu drei Jahre bleiben, nicht schlecht, da freut man sich mal EU-Bürger zu sein. Der Beamte fragt trotzdem beharrlich wo wir nach den drei Jahren hin wollen, als ob man das jetzt schon wissen kann. Wir sagen mal Tonga, klingt gut und für den Beamten naheliegend. Wir geben auch unsere Alkoholmengen an, da sind sie angeblich heikel wenn sie bei einer Kontrolle ein nicht registriertes Lager ausheben und Medikamente wollen sie auch wissen, die Drogen zumindest. Da schummle ich mich besser mal durch und gebe an First Aid Medikation zu haben, als Mediziner, ist auch auf dem Formular vermerkt wahrscheinlich auch ganz normal.

 

Wir wandern noch zum Gasthaus in dem es Internet gibt, nicht immer und für uns heute leider auch nicht, morgen vielleicht und nehmen beim Bäcker noch ein warmes Baguette mit. Gebacken wird zeitig in der Früh und eben am Nachmittag so um drei und verkauft wird auch zu der Zeit, da sollte man nicht zu spät kommen, rasch ist alles ausverkauft. Baguette um 1,70 das Stück wir ein fixer Bestandteil unserer Ernährung hier werden, sonst kommen jetzt die Vorräte dran, wird eine Umstellung werden mit Dosenfutter zu kochen. Früchte haben sie hier nach unseren ersten Blicken über die Gartenzäune ausreichend, beruhigend.

 

Wir sind, so wie viele schreiben und sagen im Paradies angekommen, mal sehn was wir von hier, in den nächsten Monaten zu berichten haben. Die Aktualisierung der Homepage wird allerdings immer wieder etwas dauern, Internet ist hier nicht so einfach zu haben und wenn, dann extrem langsam, schaut mal nach was ihr da für Luxus in Österreich habt.

 

Der Tag klingt bei Toby und Sam auf der Sweet Chariot aus, wir sind zum Grill eingeladen, Anglerglück wird geteilt, besonders wenn der Wahoo 22 Kilo hat, da kann man ein ganzes Dorf miternähren und reichlich einkochen, pökeln und aufbewahren. Ein traumhaftes Essen und ein würdiger Abschluss unserer langen gemeinsamen Strecke, die wir jetzt hinter uns gebracht haben.