S/Y Seven Seas

 

Crew: Veronika & Robert

Registration: AUT N-29520

 

MMSI: 203746200

VHF Radio: OEX9520

HAM Radio: OE6RHF

SAT Phone: 00870776721249

 

 

Tahiti, Moorea

Der gemeinsame aktive Urlaub ist zu Ende, jetzt beginnt wieder eine der Arbeitsphasen, wir liegen genau auf unserem Platz etwas am Rand des großen Ankerfeldes. Hier in der Bucht ist es 5 Meter tief, man sieht den Sandgrund und hat den gepflegten Park und das Paddelzentrum an Land vor der Nase. Unter Tags ist dort immer was los, nicht laut, wenn Musik, leise und angenehm, abends oft Trommelklänge. Wahrscheinlich hört man auf die Distanz die Gesänge nicht, was aber nicht stört. Die Trommelei ist sehr impulsiv, theatralisch, passt gut zu den sehr entspannten aber kräftigen Menschen hier. Jetzt wird auch viel gepaddelt, trainiert für die Wettkämpfe, die dieses Wochenende hier starten werden. Kajaks mit Ausleger in allen Größen, selten Einer oder Doppel, meist 5 oder 6 oder gleich ein ganzes Duzend. Umso mehr in die Paddel hauen umso flotter ziehen sie vorbei und sie grüßen freundlich und lachen stolz, sie haben Spaß, toll so nah dran zu sein. Die Frauen sind meist nicht so durchtrainiert, aber bei den Männern sieht man das Muskelspiel bei jedem Schlag, Schultern, Arme, vom Schweiß glänzend, ich bin beeindruckt.

 

Unsere sportliche Aktivität besteht derzeit aus ausgedehnten Asphalthatschern, zu all den Marinestores und Geschäften die Dichtungen, Motoröl, Antifouling und solche Sachen haben. Den Rest der Zeit wird am Schiff geschraubt, genäht und gewerkt. Es geht gut voran, daher sind wir gut drauf und sehen dem Ende der Saison positiv entgegen. Sehr ungewohnt so lange voraus planen zu müssen, aber was wir hier nicht bekommen und mitnehmen, fehlt uns dann nächstes Jahr, denn auf den Marquesas wird man alt wenn man auf Teile wartet und teurer wird es auch noch. Unsere Wasserpumpe am Volvomotor leckt seit einiger Zeit, gerade so viel, dass wir ständig Wasser aus der Pilge pumpen und schöpfen müssen, ein Zustand, den wir nicht haben wollen. Robert werkt seit Tagen mit Explosionszeichnungen von diesem Teil um zu wissen welche Dichtungen da ausgetauscht gehören. Wir besorgen um 108 Dollar einen Dichtungssatz, den es sogar lagernd gab (in Österreich würde er knapp die Hälfte kosten). Zurück an Bord mit den 5 Teilen die an Gummiringe erinnern, baut Robert die Pumpe aus und - es ist leider mehr zu machen, oder besser an der dem Öl zugewandten Seite an die wir ohne Spezialwerkzeug nicht gut rankommen. Außerdem wissen wir nicht, ob wir dann alle nötigen Teile hier bekommen, ganze Pumpe haben sie nicht lagernd, Lieferzeit 5-6 Wochen und  Preis 850 Dollar. Eine weitere schweißtreibende Runde in der Stadt führt uns zu einem Spezialgeschäft in dem wir gerade mal die eine auf jeden Fall benötigte Dichtung bekommen (14 Dollar), dann quer durch die City um im Marinestore den Dichtungssatz wieder zurück zu geben, dann Internet bei der Touristeninformation und in Holland eine Pumpe um 317 Dollar zu ordern. Zurück am Schiff wird die alte Pumpe mit neuer Dichtung wieder eingebaut, Probelauf, es leckt immer noch, vielleicht etwas weniger, aber fürs rumstehen und das bisschen Fahren, was wir die nächsten Wochen vor haben, reicht es, dann kommt mit meiner Schwester die neue Pumpe und alles ist ok.

Am Weg nehmen wir gleich 5 Liter Volvomotoröl mit, schleppt sich eh ganz leicht, die gleiche Menge Antifouling haben sie gerade nicht lagernd und wir müssen erst recherchieren welche anderen Produkte wir für unser Aluminiumschiff nehmen dürfen, Projekt wird vertagt.

Wir sind extrem müde und die Füße tun uns weh, kein Wunder, haben wir jeden Tag mehr als 20 Kilometer zu Fuß zurück gelegt, meist in flottem Geh-Tempo, denn ab halb zwölf bis eins ist Mittagspause, was man vormittags nicht schafft, muss man dann am Nachmittag erledigen und wer will schon zwei bis dreimal dieselbe Strecke bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit durch die Stadt laufen. Nebenbei plane ich mal mögliche Ausflüge, zu Veranstaltungen vom Heiva -Festival oder auch zu sehenswerten Orten auf Tahiti, denn man möchte ja nicht nur die Geschäfte und die Schnellstraßen gesehen haben. Im Moment ist aber an längere Wanderungen nicht zu denken, vielleicht sind unsere Füße nächste Woche wieder fit oder wir packen unsere Räder wieder aus. Hier könnte man sie ganz gut gebrauchen, obwohl die Distanzen nicht ganz ohne sind und bergig ist es obendrein. Robert scheint etwas mehr lädiert zu sein, er kann gar nicht mehr auftreten, sieht aus wie eine Beinhautentzündung oder eine Ermüdungsfraktur, man sieht kaum Schwellung und Sehnen und Triggerpunkte sind auch alle unauffällig.

Hier ist wieder mal Aufbruchsstimmung, viele wollen noch vor dem Wochenende weiter, denn dann kommt für eine Woche stärkerer Südostwind. Könnte hier unangenehme Welle geben, schaukeliges Stehen und wenn es heftig bläst will man sein Schiff dann ohnehin nicht alleine lassen, mögliche Ausflüge fallen dann auch aus diesem Grund aus.

Kurz zusammen gefasst spielt sich hier das ganz normale Seglerleben ab, alle picken an der Infrastruktur solange nötig und ziehen weiter auf schönere Plätze, abhängig vom Wetter, soweit dies möglich ist.

 

Donnerstag füllt sich der Park mit kleinen Zelten, Flaggen und Paddelbooten. Dazu kommen immer mehr beflaggte Motorboote, alles wird für die Rennen vorbereitet. Wir stehen gut um alles beobachten zu können, Samstag früh richte ich mir die Kamera her um die vorbeiziehende Schar filmen zu können, die Ersten bekomme ich auch ganz gut drauf, dann setzt ein Motorboot genau auf uns zu und bittet uns, neben vier anderen Schiffen in der Bucht, um zu ankern, weil wir in der Startlinie stehen. Ist Ihnen irgendwie ziemlich spät eingefallen und bevor wir noch richtig weg sind, starten alle. Von unserem neuen Ankerplatz sehen wir alle rasch Richtung Flughafen paddeln, die Motorboote begleiten das Feld. Keine fünf Minuten und man hat das Rennen gesehen, alle sind ums Eck verschwunden. Jetzt stehen wir auf der flachen Sandflächen auf der anderen Seite der Fahrstraße, neben zwei Schiffswracks und zwei deutschen Kats, prinzipiell ein schöner Ankerplatz, keine drei Meter tief, aber leider in Schwojweite die ersten Korallenköpfe über die man nur knapp drüber kommen würde. Robert schnorchelt wie immer um nach dem Anker zusehen und steht brusttief am nächsten Korallenkopf. Der Kat vor uns liegt an einer Boje, der hinter uns ankert und dreht sich angeblich ziemlich wild wenn Wind aufkommt. Noch dazu repariert er gerade die Ankerwinsch und ist damit manövrierunfähig. Wir sind ja auch sehr aktiv am Anker unterwegs, aber wahrscheinlich anders als der fette Kat, schon wieder so eine Bauchwehaktion hier das Schiff alleine zu lassen. Die Entscheidung fällt dann rasch, die nächste Böe dreht uns und wir liegen einfach zu knapp. Wir erkunden mit dem Dingi andere mögliche Ankerplätze, dann können wir gezielter dort hinfahren und müssen nicht zwischen all den Schiffen im Slalom herumsuchen. Neben der SY Mido ist eine Boje frei, die nehmen wir, eine Woche um 70 Dollar können wir uns leisten, vielleicht gar nicht blöd, eine Sorge weniger zu haben. Damit ist am Nachmittag unser Ausflug nach Papeete zum Haiva-Festival gesichert, wir packen zusammen und starten mit dem Dingi die 4 Meilen in die Stadtmarina, geht in 20 Minuten  ganz gut und sogar gegen Wind und Welle halbwegs trocken. Dort besuchen wir Ingrid und Erwin auf der SY Crocodile zu Café und Kuchen. Es gibt viel zu erzählen, wir haben uns seit Bonair nicht mehr gesehen. Abends ziehen wir los um den Kunstmarkt zu sehen und der angesagten Musik zu lauschen. Eine einfache, nette One-Man-Show, die, noch bevor wir uns mit Getränken an einer Mauer niedergelassen haben, schon wieder aufhört. Um halb sieben beginnt die große Veranstaltung, die Wettbewerbe in Tanz- und Gesangsvorführungen, 30 Dollar Eintritt, die Karten muss man sich vorher besorgen. Die Tribünen sind relativ offen, die Musik hört man auch außerhalb und von einer Ecke aus sieht man auch gut auf eine der Leinwände auf denen sie die Show übertragen, also stellen wir uns da mal hin und sehne ein wenig zu. Noch bevor die erste Gruppe fertig gespielt hat, steckt uns ein Angestellter zwei Karten zu, wir sollen doch hinein gehen. Tribüne 3 ganz oben nehmen wir Platz und warten auf die zweite Vorführung. Diese überzeugt uns nicht so recht, Gesang, mehrstimmig, vielleicht auch Kanon, irgendwie etwas atonal und anstrengend. Ca. 80 als Büsche verkleidete Menschen stehen und sitzen so als Wald da unten, wippen rhythmisch zu ihrem Gesang vor sich hin, man könnte in Trance kommen. Dazwischen produzieren sich einzelne Büsche, singen und sprechen, nachdem das Publikum immer wieder lacht, scheint es witzig zu sein. Diese Truppe ist eine der Besten, waren schon einmal Sieger des Heiva-Festes, wahrscheinlich müsste man die Texte verstehen damit es einem gefällt.

Die zweite Tanzgruppe ist sensationell, 150 Tänzerinnen und Tänzer, eine große trommelnde und musizierende Band, mehrere Kostümwechsel, einzelne Tänzer, kleine Gruppen und dann die Masse, schwungvoll, rhythmisch. Unglaublich die Körperbeherrschung und die Kraft die da dahinter steckt, ständig tanzen sie in tiefer Hocke, springen auf, gehen nieder, Konditionstraining pur. Einige Dickere machen das erstaunlich gut mit, die meisten Männer sind aber drahtige Muskelpakete. Die Frauen sind eher ein bisschen mollig, was zum legendären Hüftschwung aber sehr gut passt.

Danach zieht nach längeren einführenden Worten wieder eine Gesangsgruppe auf, diesmal in braun, soweit wir verstanden haben eine Romeo und Julia Geschichte präsentierend. Die gönnen wir uns nicht mehr, wir brechen auf, zurück zur Stadtmarina und mit dem Dingi im Dunklen zurück zum Schiff. Die Fahrrinne vorbei am Flughafen ist gut markiert, nur eine rote Boje leuchtet nicht, die hätten wir dann beinahe übersehen. Gerade rechtzeitig vor dem ersten Korallenkopf können wir uns wieder ins tiefere Wasser retten. Ein lohnender Ausflug und mit dem Dingi kommt man in der Nacht am besten wieder zurück.

Die Entscheidung, ob wir die Boje eine Woche nehmen wollen, wird uns dann auch wieder abgenommen. Sie ist privat und nicht zu haben, in der Früh war wegen dem Paddelrennen so viel los, dass man ohnehin das Gefühl hatte am Pannenstreifen einer Autobahn zu stehen.

 

Mittags ankern wir wieder in unsere Bucht und beobachten den Zieleinlauf aus nächster Nähe. Da ziehen die Kanus nach 5 Stunden immer noch erstaunlich fit Richtung Ziellinie, danach sieht man ihnen die Erschöpfung schon an, tolle sportliche Leistung. Wer das Rennen sehen wollte, begleitete die Paddler mit dem Motorboot und die sind dann alle beim Zieleinlauf auch dabei. Die Bucht ist rammelvoll, einige Stunden totale Stimmung, dann ist unglaublich schnell weggeräumt und Ruhe kehrt ein. Am nächsten Tag stehen gerade noch ein paar, zum Abtransport bereitgestellte Kajaks auf der Wiese und um die Mülleimer türmen sich Säcke, sonst liegt nichts rum, so sauber sollten bei uns die Feste auch enden.

Sonntag früh beginnt schon bewölkt und regnerisch, ich latsche schon im Nassen zum Supermarkt um fürs Frühstück und Nachtmahl einzukaufen, Müll im Rucksack, den ich auch erst im Supermarkt los werde und Leergutflaschen klimpernd um die Schulter gehängt. Die Parkwächter haben mit meinem Aufzug ihre Freude und sprechen mich scherzend an. Das Bier ist für meinen Mann - entlock Ihnen ein freudiges Lachen, da versteht sich die Männerwelt sichtlich über alle Grenzen hinweg gut. Zurück voll bepackt, denn auch Bier müssen wieder einige Flaschen mit, erstehe ich an einem der Straßenstände noch vier Ananas, frisch vom Feld aus Moorea, besser geht's nicht. Wieder vorbei an den beiden Jungs vom Park, wieder freundlicher Smalltalk, lachen und per Funk ordere ich Robert mit dem Dingi zum Strand. Den restlichen Tag verbringen wir an Bord, denn ab Nachmittag ist Südwind und der recht stark angesagt. Da müssen wir unseren Anker kontrollieren und gegebenenfalls ein neues Manöver fahren. Ich lese genüsslich, denn die Zeit kann man so am besten verbringen, Robert ist angespannt und launisch, er hält so ein Warten ganz schlecht aus. Um vier ist es dann so weit, der Wind setzt ein, Robert schnorchelt erneut wegen dem Anker, ich starte den Motor und fahre ihn anders herum ein. Er hält und zusätzlich liegt die Kette um einen Korallenblock, dämpft also das Schiff recht gut wenn es in den Wellen stampft. Robert ist noch kaum aus dem Wasser bricht der Weltuntergang herein, schwarzer Himmel, der Wind heult und es beginnt zum Schütten. Im Nu ist der 20 Liter Kanister voll mit gesammeltem Regenwasser, einer der guten Dinge so eines Sauwetters, sonst eher unerfreulich, mit Badehose kühlt man rasch aus, wenn man an Bord die zusätzlichen Planen vor dem Wind rettet und auch sonst alles fixiert und dicht macht. Zuletzt sitzen wir im Schwerwettergewand habt acht um jederzeit reagieren zu können, wenn doch was zu tun ist. Zum Beispiel kommt uns Rebell zusehends sehr nahe, oder wir Ihnen, ihr Korallenkopf hat nicht gehalten und ihre Kette liegt daher anders als unsere, blöd, denn jetzt umändern ist denkbar ungünstig, also sitzen wir mit Fendern die Schiffe geschützt und beobachten die Schiffsbewegungen. Wir heben auf mein Drängen noch den Beibootmotor auf seinen Platz am Heck damit er nicht mit dem Dingi Baden geht. Ein zu vermeidender Zwischenfall, der ein wenig im hüpfenden Dingi herumturnen schon rechtfertigt. Bernd berichtet uns von 28 Knoten Wind in den Böen, später dürfte es noch ein bisschen mehr gewesen sein, wir wechseln uns ab um heraußen zu ruhen und nach dem Rechten zu sehen, einer darf drinnen im Warmen schlafen. So vergeht auch diese Nacht und in der Früh begrüßt uns die Sonne bei den angesagten 15 Knoten Wind, alles deutlich freundlicher und fast friedlich, trotzdem werden wir heute das Schiff nicht verlassen, die nächste Winddrehung ist angesagt und auch da könnte Handlungsbedarf sein. Außerdem hat Robert immer noch einen lädierten Fuß, kann also eh nicht länger gehen, mal sehn wann er wieder fit ist.

Morgen will ich wieder mal raus fürs Internet, denn es ist doch einiges zu recherchieren und zu organisieren, die Zeit vergeht recht flott und wir haben immer noch keine Flüge und kein passendes Antifouling. Einige Dinge, die meine Schwester mitbringen soll müssen auch bald bestellt werden, aber heute werden unsere Batterien neuerlich getestet, belastet, ent- und geladen um endlich die kaputte Batterie ausfindig zu machen, bzw. alle wieder flott zu kriegen. Wie auch immer, wir wollen, wenn irgendwie möglich die Saison mit den Batterien beenden, zur Not halt mit einer sehr sparsam Strom verbrauchen. Im nächsten Jahr könnten wir uns hier neue besorgen, gar nicht einmal so arg teuer, weil gefördert und steuerfrei, aber wir bräuchten vier, weil sie nur 85 statt 105 Amperestunden haben. Die nächst größeren passen nicht in unseren Batteriekasten, hier werden die Dinger ja primär für die Stromversorgung von Häusern, bzw. Notversorgung für Ampeln oder so angeboten und da spielt Platz keine Rolle.

Dienstag muss es dann endlich mal sein, ich will auf die Berge, die sich hinter uns so sattgrün erheben. Von oben hat man sicher einen tollen Ausblick. Bis ich dann endlich wegkomme ist Mittag vorbei, Birgit begleitet mich, der Gipfel geht sich nicht aus, aber wir drehen eine größere Runde zwischen einfachen Häusern und noblen Villen. Hier wohnen viele mit speziell tollem Ausblick, wird dann auch recht teuer sein.

Ich finde wieder mal einen Sternfruchtbaum, mit reichlich kaputten Früchten am Boden, ein Sack Gute geht sich aus und kommt mit. Später finden wir noch Brotfrüchte und bei einem Haus werden wir mit Mangos und Kokosnüssen beschenkt. Eine sehr nette Familie die gerne was aus ihrem Garten hergibt. Man sieht ein spärlich möbliertes kleines Haus und im nicht sonderlich gepflegten Garten laufen Hühner und einige Hunde herum. Mit gut gefüllten Rucksäcken kommen wir wieder an Bord zurück und ich starte gleich mit dem Einkochen der Sternfrüchte. Schmecken unserem Apfelkompott sehr ähnlich, roh sind sie eher Zierde auf einem Dessert, nicht besonders schmackhaft, meist zu sauer.

 

Mittwoch ist dann der erste Tag mit traditionellen Wettkämpfen, in der Stadt, im Park gleich neben der Marina. Wir nutzen die Gelegenheit und streunen am Vormittag noch im Zentrum herum, statten Air Tahiti einen Besuch ab und bekommen ein Heft mit allen Inselflügen und von einigen, die wir benötigen, die Preise mit. Sonst sondieren wir wieder mal alle möglichen Perlen- und Schmuckläden und auch alle Straßenstände, die hier zahlreich alle ziemlich dasselbe anbieten. Inzwischen hab ich schon einen guten Blick entwickelt welche Perlen was wert sind und welche unregelmäßig, fehlerhaft oder einfach ohne Glanz sind. Besonders angetan haben es mir jene, die in zwei oder mehr Farben schillern und für mich muss es grün sein, passt perfekt zu meinen Augen. In einem eher exklusiven Schmuckladen ist sie dann die Perle, von der ich einfach nicht mehr wegschauen kann, die schöner ist als all die anderen. Lange stehen wir und unterhalten uns mit der Verkäuferin und dem Juwelier, dem man bei der filigranen Arbeit zusehen kann. Zuletzt einigen wir uns, dass sie mir die Perle mit einem einfachen goldenen Anhänger versehen, der mit dem Brilianten, der nochmal so teuer ist wie die Perle, kommt weg. Jetzt ist es das perfekte Schmuckstück für mich, am Nachmittag kann ich es holen kommen mit all den Papieren die so eine Perle benötigt um Französisch Polynesien verlassen zu können. Man bekommt ein Zertifikat und eine Bestätigung sie gekauft zu haben und Papiere um sie zollfrei ausführen zu können. Diese muss allerdings meine Schwester ausfüllen und meine Perle auch nach Österreich transportieren, denn wir müssten sonst auch sofort ausreisen, was wir ja nicht tun. Schon sehr kompliziert, das steigert den Wert solcher kleinen Kostbarkeiten noch ein wenig. Sonst fasziniert, wie eine Muschel in 18 Monaten so ein perfekt schillernd, glänzendes Teil produzieren kann und wenn man all die nicht so Perfekten sieht, weiß man diese Perle ganz besonders zu schätzen. Die Verkäuferin lässt es sich auch nicht nehmen mir noch eine einfache Kette dazu zu geben, damit ich sie gleich tragen kann. So verlasse ich mit einem Glücksgefühl das Geschäft und auch Robert, der mir diese Perle schenkt ist sichtlich bewegt.

Unser Stopp beim Internet fällt kurz aus, wir begeben uns zum Bananen- Rennen in den Park. Alle Wiesenplätze, besonders die schattigen sind schon gut besetzt, die Runde, die gelaufen wird ist mit Gittern eingezäunt und neben der Tribüne werden die Bananen und andere Früchte, Kokosnüsse oder Yamswurzeln an die Holzstäbe gebunden, mit denen sie dann auf den Schultern getragen werden. Dann wird jede einzelne Konstruktion gewogen, noch ein bisschen ausbalanciert und dann auf den Gestellen abgelegt. Inzwischen posieren die Sportler, traditionell eher spärlich bekleidet vor den Kameras, führen kurze Tänze auf oder plaudern ungezwungen. Die Läufe selbst sind dann recht rasch abgewickelt. Nach einer längeren Prozedur bis alle mit ihrer Last vor dem Start postiert sind, dann der Start und man sieht die Sportler vorbei rennen, nicht viel langsamer als unser eins ohne Last unterwegs wäre. Beim Zieleinlauf sind sie dann richtig ausgepumpt, die Last wird Ihnen schon bei den ersten Schritten hinter der Ziellinie abgenommen, professionelle Betreuung, wie bei uns im Spitzensport. Manche verlieren einen Teil ihres Obstes, schlecht angebunden, was sie dann disqualifiziert, sie laufen aber teilweise trotzdem noch mit all dem Zeug in der Hand ins Ziel, scheint Ehrensache zu sein. Eine gute Stimmung, so stellt man sich ein Fest vor an dem man als ausländischer Gast ein bisschen teilhaben kann.

Am Abend verabschieden wir uns wieder einmal von Bernd und Birgit, sie segeln weiter nach Moorea und dann mit welchen Stopps auch immer Richtung Tonga und Neuseeland. Vielleicht holen wir sie heuer noch mal ein, sonst treffen wir uns hoffentlich nächstes Jahr wieder, bis dahin alles Gute, es bleibt uns ja der Emailkontakt.

Die nächsten Tage verbringen wir erneut mit dem Stressen unserer Batterien, sie wollen einfach keinen Strom mehr aufnehmen, sieht nicht gut aus, vielleicht doch rasch tauschen.

Wir treffen uns mit John, Michael und Doris von der SY Mido und Franz und Sandra von der SY  Kyory sind auch gerade eingelaufen. Wir warten noch auf Silvio, der auch bald von Fakarava kommen sollte, da können wir einige technische Details austauschen, per Mail ist das irgendwie unpraktisch und dann hoffentlich ein bisschen was gemeinsam unternehmen.

 

Samstag ist Feiertag, wäre uns beinahe wieder entgangen, da wir aber zum Fest wollen, können die Geschäfte heute ruhig geschlossen haben. Wir radeln zum Museum von Tahiti und den Inseln, dort finden heute die traditionellen Wettkämpfe statt. Gleich auf der ersten Wiese neben dem Parkplatz stecken hunderte Pfeile im Gras und es werden ständig mehr. Hier ist das Pfeilschießen auf eine, auf einer hohen Stange montierten Kokosnuss. Schlussendlich stecken schon einige duzend Pfeile in der Nuss, der Rest eben dahinter im Gras. Alle Männer gehen sich dann ihre Geschoße wieder holen und die Treffer werden ausgewertet. Faszinierend zuzusehen, in vielen Runden matchen sie sich den ganzen Tag. Die Frauen beim Kokosnüsse- knacken und Kopra erzeugen sehen wir gerade nicht mehr, es beginnt leicht zu regnen und der Moderator läutet gerade die Mittagspause ein. Wir gehen mal ins Museum und schauen uns sie Geschichte der Inseln und die ausgestellten Boote und Gegenstände an. Eine gut zusammen gestellte Ausstellung, zum Glück einige Erklärungen auch auf Englisch. Die Sonderausstellung mit den Kostümen nehme wir uns ein andermal vor, jetzt beginnen draußen die Tanzvorführungen, da sitzen wir gerne erste Reihe fußfrei. Zuerst eine Gruppe aus den Marquesas, Hünen von Männern, kunstvoll tätowiert, mit furchteinflößendem Kriegsgeschrei und sehr kämpferischem Tanz. Ihre Frauen sind auch sehr impulsiv, nicht so zierlich und graziös wie andere und alles wird von lauter Trommelmusik begleitet. Da wirken die anderen Polynesier gerade zu klein und zierlich, obwohl es auch durchwegs trainierte Männer sind. Sie zeigen unterschiedliche Tänze mit tollen, aus Naturmaterialien gemachten Kostümen und holen sich auch das Publikum zum Tanzen auf die Wiese. Wie immer sehen alle daneben ziemlich lächerlich aus, keiner bringt den Hüftschwung, oder auch die anderen Bewegungen zusammen. Es ist echt schwer und man braucht eine unheimliche Körperbeherrschung, Kraft und Kondition.

Am Nachmittag gibt es noch Ringen, ist auch recht interessant zum Zuschauen, Steine heben und Kokosnüsse knacken der Männer. Die Steine sind hundert Kilo schwer, werden umfasst, angehoben und dann noch auf die Schulter geschupft, dort wird die Last dann für einige Zeit gehalten. Und die Männer sehen nicht einmal wie Gewichtheber aus, da fragt man sich schon wo die die Kraft her nehmen. Auch beim Kokosnüsse knacken- 160 Nüsse, jede mit einem Axtschlag halbiert, dann über dem Schienbein auseinander gequarrt und den Zweien, die das Weiße rausholen zugeworfen. Diese haben dann einen Berg Halbschalen und einen Berg mit weißen Kopra. Wer den Kopra als erstes in den Säcken hat, hat gewonnen. Insgesamt traten 12 Teams an, tolle Vorstellung.

Der Höhepunkt war aber das Kokospalmen-klettern. Entweder einfach so oder mit dem Tuch um die Beine, ungesichert, versteht sich. In unter sechs Sekunden sind die schnellsten oben und auch fast so schnell wieder zurück. Sieht so einfach aus, hier ist es ein Vorteil wenn man klein und leicht ist, unsereins würde es aber wahrscheinlich nicht hinauf schaffen.

Das Wetter hat schlussendlich ganz gut ausgehalten, wir radeln zurück und lassen den wunderschönen Tag an Bord ausklingen.

Sonntag regnet es den ganzen Tag mehr oder weniger, ein eigenartiger Nieselregen, ziemlich herbstlich, nur die Temperatur bleibt warm und es entsteht eine unheimlich feucht schwüle Luft, da schwitzt man gleich noch mehr als sonst. Egal, wir haben wieder einen Bordtag, mit kurzem Einkauf und Gang zum Internet, auch hier spielt sich wieder eine Alltagsroutine ein, davon heben sich dann die Ausflugstage als quasi Urlaubstage ab. Robert richtet wieder so allerhand Kleinigkeiten und stresst weiterhin die Batterien, sie sind zumindest noch nicht eindeutig tot, also bekommen sie noch Therapie. Dienstag geht's dann wieder mal mit den Rädern los, wir wollen ein bisschen Richtung Süden und uns mal die Geschäfte ansehen und dann noch Richtung Papeete und beim Flughafen wegen Leihautos zu fragen. Samstag wollen wir im Süden noch eine Tanzveranstaltung besuchen. Um in der Nacht wieder nach Hause zu kommen, wird ein Leihauto die beste Option sein und als angenehmen Nebeneffekt könnten wir uns am Tag gleich ein bisschen was von der Insel ansehen, soweit der Plan, das Buchen war dann, am Tag darauf nicht möglich, weil alle Autos vergeben, da staunt man aber. Abgesehen von meinem Sturz war es sehr angenehm wieder mal mit den Rädern unterwegs zu sein, man kommt leicht und zügig voran und hat am Abend eine angenehme Müdigkeit, weil man doch etwas Sport gemacht hat. Robert bremst vor mir unvermittelt eine Art Notbremsung, weil er was liegen gesehen hat, was er vielleicht brauchen kann. Ich bremse auch sofort, komm knapp neben ihm zu stehen, leider wirft mich mein Rad vorne über ab und ich schramme ein bisschen mit Knie, den Händen und dem Kinn am Boden. Das Rad ist übrigens nicht mal umgefallen, und ich bin auch nie ganz am Boden gelegen, so gesehen eine fast akrobatische Leistung, nur mein Kinn zeigt deutliche Bremsspuren und schwillt zunehmend an. Da hilft nur Kühlung mit einem Eis aus dem nächsten Supermarkt, welches ich dann natürlich gleich auslöffeln muss. Ein bisschen Kopfweh und leichte Verspannungen der Halswirbelsäule machen sich dann in den nächsten Stunden auch noch bemerkbar, aber alles in allem fast nichts passiert, Glück gehabt.

Eine nette Begegnung möchte ich auch noch erwähnen, wir waren am Weg auch bei einem Kammerjäger Geschäft, weil wir uns was zum Ausräuchern des Schiffes, vor dem Abstellen, besorgen möchten. Die kleinen Ameisen, die überall im Schiff auftauchen sollen sich nicht über die Maßen vermehren, während wir nicht da sind und auch sonst wollen wir keinem Ungeziefer ein zu Hause geben. Der kleine Laden hat eine ganze Menge großer Räucheröfen stehen, da gehört unsere Anfrage nicht wirklich zu ihrem Geschäft, aber die Dame ist sehr bemüht. Mit meinem holprigem Französisch und einem Übersetzungsprogramm am Computer unterhalten wir uns und sie zeigt uns die benötigte Räucherdose, welche wir aber im Carrefour kaufen sollen, weil sie dort billiger ist, meint sie. Dann zeigt sie uns noch einen Stift von dem man tropfenweise die Substanz an Ameisenstraßen auftragen soll, bringt die Vorbeikommenden und alle, die sie nachher besuchen um. Diesen wollen wir nehmen- was kostet er? Den schenkt sie uns, schönen Tag noch.

Eines der vielen Beispiele warum uns Französisch Polynesien gut gefällt, die Menschen sind hier wirklich anders, entspannter, freundlicher, großzügig, fröhlich.

Michael von der SY Mido hat uns mit einer Kostprobe eines von ihm selbst erzeugten Specks einen Floh ins Ohr gesetzt, jetzt wollen wir das auch probieren, mit Fisch hatten wir das ja schon öfter gemacht. Das Fleisch wird allerdings kalt geräuchert und schon sind wir unterwegs um uns Utensilien zu besorgen um die Halterung für das Räuchermehl, welches langsam glosen soll, zu basteln. Das erste Fleisch ist schon gebeizt und nächste Woche wird der Grill zum Räucherofen.

Die nächsten Tage vergehen mit weiteren Radausflügen und jeden Tag eine weitere Aktion mit unseren kranken Batterien. Zum Beispiel bringen wir sie an Land und lassen sie bei Michael, dem hiesigen Marina-geschäft pulsen und laden, vielleicht nehmen sie nachher wieder mehr Strom auf. Für unsere Stromversorgung hat uns Silvio mal eine Batterie geliehen, sonst könnten wir diese Aktionen gar nicht machen. Wieder zurück an Bord fallen alle Batterien nach keinen 15 Minuten zusammen, also man bekommt quasi nichts mehr rein und kann auch nichts mehr rausnehmen. Robert sitzt an der Batteriebank wie der Arzt am Krankenbett und misst statt Fieber und Puls die Spannung. Vielleicht ist es einfach zu schwer sie, nach nur etwas über einem Jahr in Gebrauch schon als kaputt zum Sammelplatz zu bringen und dann müssen natürlich zeitgleich neue her. Ein Sterlingregler und ein Pulser sollen die neuen Batterien vor einem ähnlichen Schicksal bewahren, ob es klappt werden wir die nächsten Jahre wissen. Auf jeden Fall ist das Batteriethema ein Dauerbrenner auf den Schiffen und zu unserer Beruhigung geht es fast allen Schiffen so- viel zu rasch geben die Dinger den Geist auf, sie sind scheinbar doch nicht so tiefenentladbar und mit Solar problemlos aufladbar wie man meinen möchte. Vielleicht sollte man bei all dem Übel mit den Batterien und der damit verbundenen Chaosphase im Schiff, beide Heckkabinen sind ausgeräumt und all das Zeug steht jetzt im Salon herum, besonders froh darüber sein, dass wir sonst keine Baustellen haben, bzw. alles weitere schon organisiert ist.

Silvio hat vor einigen Wochen zum Beispiel einer kanadischen Familie das Boot auspumpen und dichten geholfen, nachdem sie auf ein Riff aufgelaufen waren. Für sie ist die Reise zu Ende, das Schiff wurde zum Schrottwert von einem "Local" übernommen und wird jetzt ausgeschlachtet. Nach der Erzählung ein interessantes Beispiel von traumatischem Stress in dem, neben der vielen Arbeit, die meist von Helfern erledigt wird, die Betroffenen ziemlich Plan- und kopflos handeln und so Verwunderung und Ärger auslösen. Warum packen die nicht mehr an? Organisieren ihren Alltag, kümmern sich um die Kinder usw? Ich habe das oft in unseren Betreuungen nach plötzlichen Todesfällen, Bränden, Hochwasser oder ähnlichen Situationen erlebt, die Menschen sind wie in Trance und können das Geschehene noch nicht fassen und damit auch keine Handlungen im Jetzt und für die Zukunft setzen. Oft wird irgendwas Normales aus dem Alltag gemacht, zum Beispiel geputzt wo noch nicht mal das Wasser weg ist oder so, ein Versuch der Situation nicht ohnmächtig ausgeliefert zu sein. Der Plan und die Handlungen für die Bewältigung der Katastrophe kommt meist von außen, idealerweise gut abgestimmt mit den Betroffenen, sonst entsteht eine große, auch emotionale Differenz, die dann zu Unmut auf beiden Seiten führt, eigentlich ganz normal.

Also ich bin froh keine so essentiellen Probleme zu haben und nadle ein bisschen die Schulterschmerzen von John um medizinisch nicht ganz untätig zu sein. Dann verabschieden wir uns, John segelt mit Sweet Chariot weiter Richtung Westen, mal sehn ob wir sie nächstes Jahr wieder treffen.

Samstag ist endlich wieder Ausflugstag, erst ab Mittag, in der Früh muss Silvio noch seinen Außenborder zerlegen, hat die gestrige Fahrt nicht ausgehalten und lässt sich nicht mehr drosseln. Robert schaut auch mal drauf, er hat ja viel Erfahrung mit kranken Außenbordmotoren und Silvio steht diesbezüglich vor der Entscheidung, neuen kaufen oder irgendwie mit dem alten noch was zusammen bringen. Lässt sich in ein paar Stunden eh nicht lösen, um halb zwölf brechen wir auf, der Bus kommt rasch und so ersparen wir uns mal das Auto stoppen. Das Marae, die religiöse Stätte, mitten im Grün umgeben von hohen Bergen, ist heute Abend die Veranstaltungsstätte für eine traditionelle tahitische Tanzshow. Zuerst wandern wir noch den Fluss entlang, wobei es, wie immer eher ein Pfad und später ein klettern über Steine und Wurzeln ist. Im dichten Grün finden wir dann noch Avocado, die sich, am Boden liegend kaum von den Steinen abheben. Wir sammeln jeweils fünf Stück ein, baden noch im Fluss, ziehen uns ein schönes Gewand an und begeben uns zur Vorstellung.

Diese ist, wie immer sehr aufwendig gemacht und zu Beginn wird die Geschichte in Englisch, Französisch und Polynesisch erzählt. Es erzählt vom Wissen der Steine, wie wichtig sie für die Kultur sind und wie sehr sie den Alltag begleiten. Die Tänze sind dann auch mit Steinen gestaltet, zeigen Arbeitssituationen und Kämpfe, alles mit traditioneller Musik und aufwendigen Kostümen. Die Tänze sind nicht ganz so professionell wie wir sie in Papeete gesehen haben, vor allem die Koordination der großen Menge an Tänzern scheint doch sehr schwierig zu sein. Trotzdem sehr schön, wenn auch nicht sehr lange, gerade mal eineinhalb Stunden. Um kurz nach sechs sind wir schon wieder in der Marina, lassen den Tag bei einem Bier an der Bar ausklingen.

Die Zeit vergeht rasch und wir haben noch immer keine Lösung für unsere Batterien, ich werde ungeduldig, denn so sind wir hier festgenagelt und machen auch kaum Ausflüge, wir müssen ja ständig was suchen und organisieren, die Strecke nach Papeete fahren wir schon aus Gewohnheit mit dem Rad, 20-30 Kilometer ist wenigstens ein verlässliches Sportprogramm. Noch eine Runde zu allen Geschäften die Batterien haben und dann muss entschieden werden. Die besten im Preis- Leistungsverhältnis sind AGM Batterien mit 120 Ah, wir nehmen vier Stück davon und erhöhen damit unsere Batteriekapazität deutlich. Der Transport zum Schiff ist etwas kompliziert, denn die Chinesen von dem Laden wollen nicht liefern, ein Transport kostet zwischen 35 und 70 Dollar, also nicht gerade wenig. Wir fahren am nächsten Tag mit dem Dingi nach Papeete, 20 Minuten ist ja kein Problem, und ziehen die Batterien mit unserer Transportrodel, einzeln oder jeweils zwei zum ein Kilometer entfernten Hafen wo unser Dingi hängt. So unser Plan, ein bisschen Aufwand darf schon sein, wenn man dann wieder eine gute Batteriebank hat. Im Geschäft testet Robert alle Batterien um vier Gleiche zu finden, dafür werden alle Kartons geöffnet und getestet, die Gewählten kommen links hin, die anderen werden hin und her geschlichtet. Der Verkäufer ist etwas überfordert mit dieser Aktion, hat er wahrscheinlich noch nie gesehen. Bei dem wenigen Platz entsteht auch ein Stau im Geschäft und dann endlich geht's auf einem niedrigen Transportwagen zur Kasse. Dort spielt sich nochmal eine ähnliche Szene ab, denn zuerst werden alle Kartons geöffnet und die Spannung nochmals gemessen und notiert, hätte man leichter haben können, dann alles zugemacht um es nach einigen Minuten nochmals aufzureißen, alle Batterien bekommen noch ein Pickel.

Wir versuchen alle Anwesenden davon zu überzeugen, dass sie uns den großen Transportwagen, auf dem die Batterien jetzt stehen leihen sollen, wir hinterlegen den Reisepass oder Kaution und bringen ihn in ca. einer Stunde wieder zurück. Keine Chance, aber irgendwie haben sie doch Erbarmen mit uns und eines ihrer Lieferwägen fährt uns und die Batterien zum Hafen. Jetzt nur noch die 30 kg schweren Dinger über die mannshohe Hafenmauer ins Dingi heben und dann schwer beladen zurück. Aus den 20 Minuten werden 75 Minuten, aber dann sind alle sicher an Bord und rasch eingebaut. Bei all den Aktionen haben wir auch zwei zusätzliche Solarpaneele gekauft, sind hier gefördert und super günstig, die Montage wird aber etwas dauern, wir brauchen eine neue Trägerkonstruktion. Bis dahin muss ich einen geeigneten Platz finden um sie sicher zu transportieren, nichts darf drauf drücken, bei Seegang fallen, usw. jetzt wird es langsam eng in unserer Staukabine und irgendwie ist das ständige rein und rausräumen auch nervig, aber was soll es.

Der Rest der Woche vergeht auch wieder rasch, die alten Batterien wandern zum Sammelplatz, wir sind noch mal bei SY Mido zum Essen eingeladen, echt super Sauerbraten mit Rotkraut und Brotfrucht. Wir holen uns noch unsere letzten Tipps zum Räuchern, packen zusammen und hauen samstags nach Moorea ab. Endlich wieder mal segeln, genug Wind um gut voran zu kommen und der Ankerplatz vor der Cooksbaie ist sensationell. Wir stehen auf feinstem Sand, 3m Wassertiefe, Bergkulisse im Hintergrund, Bar mit Internet und Supermarkt an Land. SY Rebell ist auch noch da, freudiges Wiedersehen und schon machen wir Pläne für die nächsten Tage. Sonntag Schnorcheln und wegen erfolgloser Jagd gibt es abends Pizza im Lokal, montags dann wandern, 5 km laut Maps- me, über den Berg nach Vaiare, ist ja nicht weit. Nach anfänglichem breitem Weg geht es über den Bach und dann auf einem Pfad, den man zuerst gar nicht als solchen erkennt, ziemlich steil den Berg hinauf. Solange man noch normal gehen kann ist alles ok, das Klettern mit Sicherungsseil, welches sie gut angebracht haben ist für Robert auch noch ok, als es dann zum Gipfelgrat kommt und man etwas frei über die Felsen muss, erfasst Robert wieder einmal die Höhenangst. Zum Glück überwindet er sich und schafft das kurze Stück mit dem schönen Ausblick, den er dann gar nicht genießen kann, dann geht's fast genauso steil auf der anderen Seite wieder runter. Wir finden Kokosnüsse, welche gleich geöffnet und getrunken werden, Passionsfrüchte, Grapefruit, Zitronen. Die Bananen lassen wir stehen, wären zu schwer und weit zum Schleppen. Zurück geht's dann per Autostopp, noch ein kaltes Bier an der Bar und dann ab zum Schiff. Neben der einen offenen Stelle am Rist, hat sich bei Robert eine große offene Blase an der Ferse und eine an einer Zehe gebildet. Genug für einen größeren Verband, hoffentlich heilt das alles gut ab, hier entzündet sich alles sehr leicht.

 

Nach einem Bordtag mit Grill am Abend geht's Mittwoch erneut zum Wandern. Robert kann mit seinem geschwollenen und offenen Fuß leider nicht mitgehen, ich wandere mit Bernd und Birgit los. Der Weg über die drei Pinien und dann weiter zum Belvedere, bergab zu den Marae, vorbei an Ananasfeldern und Avocadobäumen zurück in die Cooksbay. Das Dingi liegt gut am Tankstellenkai, eine lohnende Wanderung welche noch viele alternative Wege offen lässt, hier ist wirklich ein Wanderparadies. Und wir hatten Glück, am Ankerplatz gab es zwei heftige Regenschauer, wir hatten nicht mal fünf Tropfen und bei bewölktem Himmel ist es nicht ganz so heiß.

Bernd und Birgit verabschieden sich wieder mal, jetzt wahrscheinlich endgültig, denn sie segeln Richtung Tonga und Neuseeland, wir haben hier unseren Wendepunkt.

Roberts Wunde wird leider eher schlechter als besser, die Blase geht auf und nässt und eitert gewaltig und rundherum wird der Fuß rot und dick. Er fiebert, hat Schmerzen und kann kaum auftreten. Da hilft nur noch mit einer Antibiotikatherapie die Entzündung aufzuhalten und Ruhe geben, dann wird der Fuß wieder. Eine Woche vergeht da wie im Flug, ich paddle hin und wieder an Land, gehe einkaufen und mal „What's App“ nutzen, sonst verbringen wir die Zeit an Bord, lesen viel und ich versuche schon mal einige Arbeiten zu erledigen. Computer aufräumen und Festplatten neu ordnen damit wieder Platz für neue Daten ist, Bilge putzen, soweit man dazu kommt, Staukoje aufräumen damit die Gästekabine wieder frei wird und immer wieder putzen, schon interessant wie viel Staub und Dreck sich auf so kleiner Fläche sammeln kann. Auch das Unterwasserschiff und der Wasserpass muss wieder mal gereinigt werden. Diese Arbeit fällt diesmal auch mir zu, Robert wird länger noch nicht ins Wasser können, obwohl unter Antibiotika der Fuß schon deutlich besser aussieht. Ich beginne mit dem Wasserpass und schrubbe all die braunen Algen vom Aluminium und weil ich am zweiten Tag recht gut voran komme putze ich auch noch die Algen vom Antifouling, soweit ich ohne Tauchen rankomme. Unser schwarzes Unterwasserschiff zeigt schon viele weiße und graue Stellen, weiß ist das alte Antifouling und grau die Grundierung, also die unterste Schicht. Mal sehn was beim Hochdruckreinigen nach dem Kranen alles noch runter geht und wie viel wir wegschleifen müssen um eine feste Schicht fürs neue Antifouling zu haben. Wir haben noch 8 Liter Carboline erstanden, sollte reichen.

 

Wenn man länger an einem Platz steht kommt man mit allerhand Leuten ins Gespräch. Hinter uns steht zum Beispiel eine Ovni 365, sieht fast so aus wie unsere und hat, so wie wir auch einen Kratzer, oder besser Delle an der Seite. Der Eigner erzählt uns, dass sie am Weg zu den Galapagos Inseln von einem Frachter gerammt wurden und sie sind glimpflich davon gekommen. Der Frachter war schuld, seine Versicherung zahlt, ist ja toll! Nur muss er zur Reparatur in die Heimatwerft nach Frankreich, sie wollen den Schaden hier nicht richten lassen, der Yachttransport auf einem Frachter von Tahiti nach Frankreich, schlappe 20 000 Euro teuer wird auch übernommen. Zurück an den Start, sagt man dazu, ist man die letzten zwei Jahre um den halben Erdball gesegelt, geht's jetzt flott zurück, Reparatur und ab mit dem Schiffchen zurück ins Wasser. Leider in Frankreich, also wieder Kanaren, Kap Verden, rüber über den Atlantik, Panama, Pazifik bis man endlich wieder hier ist. Für uns wäre das ziemlich bitter, denn hier gefällt es uns sehr gut und wir wollen hier einige Zeit verbringen, nochmal die langen Strecken, Robert wäre gar nicht begeistert.

Wir behalten unsere Dellen noch eine Zeit lang, müssten die Reparatur selbst bezahlen, was wahrscheinlich nicht ganz günstig ist, außerdem muss man dazu die Inneneinrichtung zerlegen, große Baustelle und wie das dann nachher aussieht? Wahrscheinlich ist das auch der Grund warum es in der Heimatwerft gemacht wird, denn zur Not bekommt das Schiff dort halt eine neue Inneneinrichtung.

Ich war ob der Erzählung so paff, dass ich ganz vergessen hab zu fragen wie es zu dieser Kollision gekommen ist, wäre ja auch sehr interessant. Wir gehen davon aus, dass wir alle Frachter am AIS haben und rechtzeitig alarmiert werden und ausweichen können, wessen Technik hat da versagt? Und hatte niemand Nachtwache, so ein Frachter leuchtet normal eh weiß, rot oder grün im großen schwarzen Nichts der Nacht. Wie auch immer, so Erzählungen mahnen wieder und wieder zur Vorsicht, schnell kann alles aus sein.

Eine zweite nette Begegnung hatten wir auch die Tage. Tuckert ein angelndes Motorboot auf uns zu und grüßt auf gut österreichisch. Eine interessante Familie, der Vater Österreicher, die Mutter Polynesierin, jetzt auf Urlaub bei ihren Eltern. Aber sie haben schon vier Jahre hier gelebt, ein Sohn ist hier geboren, jetzt gehen sie gerade in Österreich zur Schule, aber sie leben mal hier und mal dort. Ihrer Einladung zum Haus der nächste kleine Sandstrand gehört dazu, können wir leider nicht wahrnehmen, die Tage ist Robert noch gar nicht mobil und der Fuß darf auch nicht nass werden.

 

Zwei Radausflüge und zwei nette Abende mit Sandra und Franz von der SY Kyory und zum Abschied nehmen noch auf der SY Barbarossa und schon geht's zurück nach Tahiti. Moorea ist fast ideal zum Radfahren, fast die gesamte Inselrunde, die Straße führt fast eben immer der Küste entlang, ist mit Radweg ausgestattet. Da geht es zügig voran und die 64 km schafft man locker an einem Tag. Wir sind jeweils einmal nach rechts und einmal links etwa bis zur anderen Seite der Insel geradelt, so haben wir alle wichtigen Orte gesehen und nahezu alle Souvenier- und Schmuckgeschäfte besucht. Nebenbei haben wir noch Erkundigungen eingeholt um  Harry und Andrea möglichst viel zeigen zu können und wir wissen jetzt, was nicht wirklich lohnt, zum Beispiel der Wasserfall bei Afareaitu. Zu Fuß würde man recht lange eine staubige oder gatschige Straße entlang wandern um dann zwei fadendünne silberne Streifen die Felswand runter kommen zu sehen. Als Österreicher stellen wir uns unter Wasserfall was anderes vor.

 

Jetzt noch einige Tage Papeete, letzte Besorgungen und das Übliche, erspare ich mir hier ausführlich zu berichten.