British Virgin Island, Puerto Rico

 

Freitag noch letzte Besorgungen und einmal das Schiff durch putzen, Samstag scheint noch ein Wetterfester zu sein, dann beginnt Starkwind mit hoher steiler Welle, da muss man nicht unterwegs sein. Die Gasflasche, die wir freitags zum Füllen abgegeben haben ist leider nicht, wie versprochen am Nachmittag zum Abholen bereit, auch Samstag früh nicht, alles verzögert sich, weil die Tage hier Heineken Regatta ist und die Yachten aus der Lagune raus müssen. Da muss die Brücke öfter geöffnet, also die Straße hochgeklappt werden. Wir stehen in der Marigot Bay ganz gut um die Megayachten in vollem Speed um die gelben Bojen segeln zu sehen, Spi raus, alles rasch wieder weg und wieder auf die Kreuz und so weiter. Einige haben auch Probleme, Sanduhr, das Segel wickelt sich um das Vorstag und ist so auch nicht leicht wieder runter zu bekommen, das kommt mir bekannt vor, ging uns auch manchmal so beim Regattasegeln. 

So vergeht der Samstag flott, Mittag bekommen wir dann unser Gas, vorkochen und alles bereit machen für eine Nachtfahrt, 80 Meilen bis Virgin Gorda, 16.30 geht's los, auch die SY La Joya startet, gleitet rasch an uns vorbei und fährt dann lange in Sichtweite aber etwas nördlicher vor uns dahin. Ob sie der erste Squall, der sich am Horizont vor uns auftut noch erwischt? Vor uns geht er auf jeden Fall vorbei und auch weitere schwarze Fronten sehen wir immer nördlich von uns. Wir segeln bei Halbmond, der schon recht stark leuchtet gemütlich vor uns hin, ausgebaumte Genua, 10 bis 15 Knoten Wind, manchmal weniger, selten mehr. Um zwei in der Nacht kommt der Spibaum weg und wir gehen auf Halbwind, zuletzt mit nur knappen vier Knoten Fahrt und um die 10 Knoten Wind, wir haben Zeit und Hauptsache wir kommen bei Helligkeit an, denn die Küste und die Einfahrt in den Gorda Sound von Virgin Gorda ist mit Riffen gespickt. Anegada, die äußerste Insel der BVi’s ist überhaupt ein Schiffsfriedhof, da liegen hunderte Schiffe seit dem 18. Jahrhundert gesunken am Riff, ein Alptraum für jeden Segler, also Abstand halten und eben schauen, mit Licht, bei Tag. Um 8 Uhr gehen uns noch ein Barrakuda und ein Black Jack an die Angel, ersterer kommt rasch wieder zurück, den Black Jack würden wir gerne essen, über drei Kilo schwer, schöner Raubfisch, verwandt mit den Pferdemakrelen. Robert filetiert ihn, morgen wollen wir fragen ob der auch Ciguatera gefährdet ist. Dazwischen befragen wir unsere schlauen Bücher und befürchten, dass der auch zu den Riffjägern gehört, also besser nicht. 

Relativ gut ausgerastet, jeder konnte ein wenig schlafen, kommen wir um halb neun an, versuchen auf Funk, Kanal 72 die La Joya zu erreichen, was uns aber bis Nachmittag nicht gelingt. Komisch, wo sind sie? Hoffentlich ist es Ihnen auch gut gegangen. Das Rätsel löst sich dann nachmittags, Gabi und Michael suchten genauso verzweifelt nach uns, allerdings auf Kanal 16,  ja so ist das mit dem Funk, unterschiedlicher Kanal und man steht ums Eck, gerade außer Sichtweite und ist unerreichbar. Und dann die große Überraschung, sie waren so schnell, dass sie noch einige Stunden warten mussten bis es hell genug für die Annäherung war und sie hatten immer Über 20 Knoten Wind und alle Squalls, die da so unterwegs waren, viel Wind, viel Regen und Rauschefahrt, ca. 10 Meilen von uns entfernt, man glaubt es kaum. Abgesehen davon wären sie auch so schneller gewesen, haben eine große Genua und ein Schiff das sich kaum bremsen lässt. 

Wir stehen wieder auf 2,5 Meter Tiefe im türkisen Wasser, in Reichweite ein schöner Sandstrand, rundherum grüne Inseln, andere Schiffe, der Wind heult schon, in den Böen sehr heftig, aber hier baut sich keine Welle auf und alles in allem ist auch der Grundwind nicht all zu stark. Allerdings drehen sich alle Schiffe munter herum, da muss in der Nacht einer sogar Anker auf weil er zu knapp mit dem Nachschliff kommt, ich riskiere einen Blick ob rund um uns alles passt und leg mich wieder hin. Wir schlafen diese Nacht tief, sind doch etwas übernachtig und wenn man nur sanft schaukelt, schläft es sich besonders gut.

 

Das Ambiente in der Bucht ist wieder besonders, hier stehen unglaublich viele Schiffe mit beleuchtetem Mast oder Unterwasserbeleuchtung in blau oder grün und auch sonst hell beleuchtet. Die haben wahrscheinlich alle ein kleines Kraftwerk an Bord. Die Ankerlichter sind meist rot und nicht weiß wie bei uns, vielleicht weil ihre Masten so hoch sind, dass sie Flugzeuge gefährden, oder so. Viele sind große Regatayachten, 60 Fuß und größer, auch hier sind gerade einige Segelevents. In der Nacht hat die Bucht fast einen Weihnachtlichen Flair mit all der Beleuchtung die unsere Nachbarn so bieten. Leider bekommt man das nicht aufs Foto, sieht echt nett aus. 

Die Inseln selbst haben den britischen Touch, das Publikum ist amerikanisch und alle anderen Segelnationen sind auch vertreten und besonders viele Charteryachten, denn hier ist der weltweit größte Charterstützpunkt. Kaum zu glauben dass man Kroatien noch toppen kann, aber hier sind die Distanzen auch so gemütlich kurz, viele brauchbare Buchten, viele Bojenfelder, Lokale und Strandbars, also ideal fürs Chartern. Für uns heißt es gut vorbereiten um nicht zu sehr abgezockt zu werden, Bojen kosten so um die 35 Euro die Nacht, kann aber auch 20 Euro die Stunde sein, also doch noch empfindlich mehr. Wie die Nationalparkgebühren berechnet werden haben wir auch noch nicht herausgefunden, einige schöne Plätze fallen darunter und werden extra was kosten, erinnert ein bisschen an Anguilla, mit ihren 59 Euro für jeden Tag den man sein Schiff an eine der Stellen bewegt. 

Montags, auf der Fahrt über die große Bucht, in die Gun-Bay zum Einklarieren merken wir, wie stark der Wind und wie hoch die Welle ist, in der Schneise der Einfahrt werden wir dann auch ordentlich nass, sind wir jetzt eh schon gewohnt, zurück verstauen wir zumindest die Hosen im wasserdichten Sack, reicht wenn Badehose und T-Shirt nass wird. Salzwasser-Wäsche trocknet kaum, bekommt rasch einen unangenehmen Geruch und Salzränder. Man selbst bekommt durch salziges Spritzwasser auch eine unangenehme Salzschicht auf der Haut, anders als beim Schwimmen im Wasser, duschen oder noch schwimmen gehen, mangels großer Mengen Süßwasser eher zweiteres. 

An der Immigration und beim Customer war in der Früh viel los, neben dem Ausfüllen der Formulare und dem Warten war genügend Zeit die anderen Skipper und Crews zu beobachten. Interessante Körpersprache, alle stehen sehr breitbeinig da, Hände vor der Brust verschränkt, ihre Aktentasche umklammert, meist in Seglerkleidung mit Schriftzug von der Yacht am Rücken oder sonst wo am Gewand und Amerikaner bevorzugt in Shorts, die auch Unterhosen sein könnten, eher zu salopp für den offiziellen Auftritt bei der Behörde. Diese scheint das nicht zu stören, die Beamten arbeiten rasch alle Zettel ab, kontrollieren und stempeln die Pässe und kassieren, unterschiedlich viel, nicht nachvollziehbar wie sich die Beträge berechnen, aber es ist bei allen so um die 30 Dollar. Wir haben von 8 Dollar gehört und zwar heuer, nicht irgendwann, warum das so ist, traut sich keiner zu hinterfragen, irgendwie befürchtet man dass es noch teurer werden könnte, also zieht man, die 30 Dollar leichter, wieder ab. 

Vor dem Amtsgebäude dann ein Einheimischer, Fischer, Lokalbesitzer und Taxler, er verrät uns wo der Market ist und auf unsere Frage, ob wir unseren Black Jack essen können, meint er, der Fisch wäre wahrscheinlich schon mit Ciguatera belastet, also eher nicht. Er würde ihn schon essen, er hat auch ein Gegengift, Blätter von einem Baum den er uns auch gleich zeigt, mit braunem Zucker  gekocht und den Sud dann gleich nach dem Fischverzehr trinken, neutralisiert das Gift, meint er. Wir wollen es  nicht versuchen und befördern die Fischfilets, schweren Herzens über Bord. Eine neue Erfahrung optisch guten Fisch nicht essen zu dürfen, ist so ähnlich wie radioaktiv belastete Lebensmittel, man sieht es ihnen nicht an und kann es nur schwer glauben. 

 

Auch hier tauchen immer wieder Schildkröten auf, ein Rochen jagt direkt an unserem Schiff vorbei und auch ein Hai wird wieder gesichtet. Das Wetter wird zunehmend schlechter, auch bewölkt und regnerisch, die Sicht zu schlecht zum Schnorcheln und irgendwie reizt es einem bei diesem Wind und Wetter gar nicht ins Wasser zu gehen oder das Boot zu verlassen. Man könnte sagen, wir haben Schlechtwetter in der Karibik. Mal sehen wie lange das jetzt dauert, laut Vorhersage drei Tage. Zeit zum Lesen und kleinere Arbeiten zu verrichten, so ein Tag “zu Hause” ist ja ganz gemütlich. 

Mittwoch regnet es nur noch wenig, es wirkt schon deutlich freundlicher und wir machen einen Ausflug zur Bitter End Marina, vielleicht kann man dort erfahren was die Nationalparkgebühr kostet. Ist die falsche Adresse dafür, alles super nobel, Stege mindestens eine Dimension größer als in normalen Marinas und nur Superyachten mit Personal, hochglanzpoliert mit Segelsäcken so groß wie Autos.  Unglaubliche Segelflächen, riesen Winschen, dicke Taue, eindrucksvoll. In diesem Ambiente fallen wir natürlich auf, werden auch rasch gefragt was wir suchen und zum Office geschickt. Dort sind sie sehr freundlich, geben uns ihren Internet Code und lassen uns auf den gemütlichen Sofas sitzen und unsere Mails checken. Und sie drucken uns auch unsere neuen Haftpflichtpolizen aus, die wir eben per Mail erhalten haben. Alles ist vorbereitet für die Regatta, Hochglanzhefte mit den Kursen und Regatainformationen und ein Festzelt steht auch schon. Robert erfragt zuletzt noch die Marina-Gebühren, fünf Dollar pro Fuß und Tag, wären bei unserem Schiff so um die 200 Dollar, bei den großen Schiffen da 400, 500 oder noch mehr. Von Antigua nördlich scheinen alle Inseln auf die Großen zu setzen und die Rechnung scheint, zumindest hier auch aufzugehen. Wobei hier die großen Segler und um St. Bath bevorzugt die großen Motoryachten zu finden sind.

Nachmittag schauen wir kurz mal bei der SY La Joya vorbei und anschließend wandern wir noch auf der Prickly Pear Insel rum, schöne, weitläufige Sandstrände, türkises Wasser, nur eine Handvoll Menschen, wenn das Wetter besser wäre, echt ein Traum. Denn abends geht's dann wieder mit Regen und in der Nacht mit heftigen Böen weiter. Es nervt, besonders weil es zwischen den Böen praktisch keine Pausen mehr gibt. Der Wind heult auf, Schiff nimmt Fahrt auf, reißt in die Kette, bzw. in die Sicherungsleine, der hohe Heulton des Windes bleibt eine Zeit lang, schwillt dann ab, alles entspannt sich und schon geht's wieder los. Irgendwie wäre ein gleichmäßigerer Wind weniger aufreibend, wir schlafen schlecht, schauen abwechselnd nach unserem Beiboot und den Abständen zu unseren Nachbarschiffen, alles im grünen Bereich, trotzdem, so eine Nacht dauert lange. 

Seit Sonntag sind wir nun schon hier und warten auf Wetterbesserung, Freitag soll es endlich soweit sein und Donnerstag ist es zumindest schon so stabil dass wir mal um die Ecke nach Spanish-Town, dem Hauptort fahren können. Begleitet von Regenschauern erkunden wir den Ort, der eigentlich gar keiner ist. Neben der Marina und der Hafenanlage gibt es einige Boutiquen, eine Bank, einen Gemüsestand und ein paar weitere mit unterschiedlichem Sortiment. Der Gemüsestand hat Bananen und Wurzelwerk, morgen hat er mehr Auswahl, meint er. Supermärkte gibt es die Landstraße entlang in beide Richtungen, so 10 Minuten Fußmarsch, vorbei an einigen Häusern, Gemüsefeldern, Gegend. Ortskern gibt es keinen und auch sonst scheint es im Hafengebiet am lebendigsten und gemütlichsten zu sein. Gabi besorgt sich eine Flow Internetwertkarte, kostet hier für ein Gigabyte 27 Dollar und die Karte kostet extra 10 Dollar. Ist bisher das teuerste Internet, da wir nur mehr einige Tage auf den BVI`s sein werden, sparen wir uns die Kosten und sind mal für einige Tage nicht erreichbar, nicht im Netz. Auch nicht schlecht, man muss sich mal dran gewöhnen, wird im Pazifik sicher auch nicht immer so leicht sein.

 

Von hier ist es nur mehr 2 nm bis zu den Bath, die wollen wir gleich Freitag in der Früh anfahren, unter Tags ist dort immer viel los und es wäre schade, wenn wir keine Boje mehr erwischen würden. Früh Anker auf und wir sind tatsächlich eine der ersten die sich eine Boje schnappen. Frühstück vor der noch einsamen Kulisse der Felsformationen, dazwischen goldgelbe Sandstrände, wunderschön. Noch vor neun zieht es uns dann an Land, wir wandern zuerst von der Devils Bucht nach rechts zu einsamen Buchten an der Westseite der Insel, riesen Granitfelsen türmen sich wie ausgeschüttete Bauklötze übereinander. Die Brandung spritzt an ihnen hoch, alles noch in weiches Morgenlicht getaucht. Die eigentliche Attraktion sind die Bath, Felsen unter denen man durchklettern kann, dazwischen mal ein Stückchen im Wasser waten oder schwimmen, hier ein Felsspalt, da ein Becken, überall goldener Lichteinfall und das Rauschen des Wassers wenn es hereinströmt oder wieder abfließt. Bis Mittag mehren sich die Touristen, es sind aber zum Glück nie unangenehm viel, die Zeit vergeht rasch, man kann sich gar nicht satt sehen und zum Fotografieren gibt es auch genug. Manches kommt am Foto nicht so gut raus, live ist live, so haben wir immer wieder unsere silberne Yacht zwischen den Felsen an der Boje herum schaukeln gesehen. Unser Haus im türkisen Wasser, Sonne, Wärme, Glücksgefühle, schön das erleben zu dürfen. 

Hier gibt es natürlich auch eine Bar und Stände am Strand, mein T-Shirt haben sie nicht mehr, ich hab es natürlich hier besonders gern an. „To sail or not to sail, there is no question“, „the Bath, BVIs“, hat mir mein Bruder vor jetzt schon fast 20 Jahren aus der Karibik mitgebracht und es begleitet mich immer auf See, ist also schon recht weit rum gekommen und jetzt ist es wieder da. 

 

Schlechtwetter vorerst mal überstanden und die Karibik strahlt wieder, so wie man es sich vorstellt, wie man es möchte. Für die Nacht geht's zur Manchionell Bay auf Cooper Island, klingt gut, entpuppt sich aber als kroatische Karibik, alles voll mit belegten Bojen, wenig Platz zum Ankern und immer wieder dilettantische Ankermanöver, da heißt es wachsam sein. Der Strand schön, gepflegt weil zu einem Resort gehörend, als Gast ist man aber geduldet. Abends bei einem Glaserl auf der La Joya besprechen wir, was als nächste Ziele noch lohnend sein könnte, auf Salt Island das Rhone Wrack als Stopp und dann weiter noch Norman Island, allerdings diesmal nicht in die Bight, die Hauptbucht sondern besser in einer der nördlichen, ohne Bojen und ohne Hotel im Hintergrund, da ist es vielleicht ruhiger. 

Beim Rhon Wrack sollten sie sich bald was überlegen, denn viel ist nicht mehr zu sehen und wenn man für einen Tauchgang hier bezahlen würde, wäre man sehr enttäuscht. Als kleiner Zwischenstopp geht es als interessant gerade noch durch. In der Benures Bucht auf Norman Island, zwei Stunden später, ist auch schon einiges los, da finden sich einige die dem Trubel entgehen wollen, aber leider nicht nur die, sondern auch Speed-Motorbootfahrer und eine Motoryacht mit Hubschrauber und gleich einige Yachten die sich nicht sicher sind wo und wie sie den Anker fallen lassen wollen. Es dauert einige Zeit bis Ruhe einkehrt, die Lärmbrüder sich verzupfen und alle ihren Platz gefunden haben. Motorboot samt Hubschrauber verschwindet auch, übrig bleiben ein paar amerikanische Yachten, drei unter deutscher Flagge und wir. Für Gabi und Michael von der SY La Joya ist es ein Wiedersehen mit einer der beiden deutschen Yachten, sie kennen sich seit den Kanaren und sind sich bisher immer nur kurz wieder begegnet.

 

Schnorcheln ist hier sehr schön, nicht so berühmt, wie ums Eck, aber dafür ein Platz an dem man ein wenig verweilen kann und nicht im Charterrhytmus unterwegs ist. Dafür gibt es auch nur einen Kiessstrand mit Gestrüpp statt Palmen im Hintergrund, sieht aus wie in Kroatien, rundherum in Reichweite andere Inseln und Buchten, man kommt sich vor wie in einem Binnensee, kein Horizont weit und breit. Wir bleiben zwei Tage, sind viel im Wasser und marschieren mit den deutschen Crews über die Insel zur berühmten Bucht. Dort ist viel los, man hört die Musik schon bevor man in die Bucht hinein sieht, der Strand ist schön, das Lokal gibt sich nobel, besonders mit den Preisen. Auf der Karte gibt es nur Cocktails ab 15 Dollar, nichts Antialkoholisches und auch der Preis eines Biers ist nicht zu erfahren. Wir sparen uns die Enttäuschung und die Abzocke, die Bedienung lässt eh auf sich warten, trinken unser Wasser am Rückweg und freuen uns auf ein kaltes Bier an Bord. Am Abend nehmen wir Abschied von Gabi und Michael, sie bleiben noch länger auf den BVI`s, wir ziehen schon mal weiter, Puerto Rico will erkundet werden. 

 

Nächster Stopp ist Sopers Hole, die westlichste Bucht auf Tortola, hier können wir ausklarieren. Klappt problemlos, kostet noch weitere 11 Dollar, man weiß nicht wofür, bekommt aber eine Quittung, also alles legal, scheint so, insgesamt haben die BVIs etwas über 40 Dollar gekostet. Eine Broschüre verrät uns jetzt endlich wie sie die Naturparkgebühren berechnen, Tagessätze für Ausflugsboote, Wochenpreise für Charterboote und 150 Dollar Jahresgebühr für unser eines. Rentiert sich nur wenn man hier länger bleibt, man braucht aber eine Sondergenehmigung wenn man länger als einen Monat hier verweilen will, widerspricht sich für mich etwas, oder moderne Piraterie. 5000 Dollar Strafe, wenn man eines ihrer Gesetze bricht und erwischt wird, zum Glück kontrollieren sie nicht zu aktiv und wir sind durchgerutscht. Zu guter letzt zahlen wir hier in Sopers Hole auch noch Bojengebühr, 30 Dollar, weil die ganze Bucht zugepflastert ist mit Bojen, Ankerplatz ist weit draußen auf 15-20 Meter Wassertiefe und da steht keiner, also haben wir uns auch nicht getraut. 

Für uns Segelreisende sind die BVIs nicht das ideale Revier, was sie bieten brauchen wir nicht, bzw. können wir uns auf Dauer gar nicht leisten und sich so durch schummeln, kann ganz schön ins Auge gehen. Wir verlassen in der Früh die Bucht gerne, Kurs auf Culebra, Hauptinsel der Spanisch Vergin Island, gehört schon zu Puerto Rico. Hier werden wir Einklarieren und vielleicht ein, zwei Tage bleiben. Wind von hinten, die meiste Strecke mit ausgebaumter Genua, legen wir den Kurs nördlich der US Vergin Island und den vorgelagerten Inseln und Riffen, zuletzt schieben große Wellen von schräg hinten, was uns einige Male ganz schön zur Seite legt, da steuere ich doch besser von Hand. Nördlich von uns, südlich und zuletzt auch vor uns bilden sich schwarze Wolken und es regnet dort auch, wir bekommen noch ein bisschen was von den stärkeren Winden ab, kein Regen, wieder einmal eine Schönwetter Fahrt und das mit Anglerglück. Ein Tuna, reicht für zwei und wir können ihn essen, Nachtmahl gerettet. 

 

In Culebra muss man sich von einem vorgelagerten Riff, welches man bei dem Wellengang gar nicht sieht, fern halten und dann von Süden in die große Bucht, Ensanada Honda einlaufen. Bojen markieren die Fahrstraße und westlich der Einfahrt erstreckt sich eine lange Riffbank, hinter der viele Segler an Bojen liegen. Soweit wir sehen ankert hier niemand, vielleicht verboten? Wir wissen es nicht, haben nur eine Datei mit einigen Infos über Puerto Rico und kein Hafenhandbuch, da gibt es wahrscheinlich noch einige Überraschungen, mal sehn. In der Bucht vor dem Ort sind dann doch einige vor Anker, aber auch viele kleine eher vergammelte Schiffe, welch Kontrast zu den touristischen BVIs, alles ist wieder so wie auf den anderen karibischen Inseln, wenig Touristen, Infrastruktur für Einheimische, wie angenehm. 

Hier sind wirklich alle entspannt, nur von den umliegenden amerikanischen Yachten werden wir beobachtet, teilweise ziemlich ungeniert mit Fernglas, ist uns schon einige Male hier aufgefallen, sind das die Großstadtspanner auf See? Sitzen den ganzen Tag auf ihrem Schiff und gaffen, wenn sie sich entdeckt fühlen grüßen Sie, als wäre nichts, komische Leute. 

Die Immigration und Coastom befinden sich am kleinen Flughafen, von dem auch, besonders abends und morgens im 10 Minuten Takt kleine Propellermaschinen starten. Klingt wie Mofas, die über uns hinweg ziehen, vermitteln aber ein Gefühl von Abenteuer und Freiheit, fliegen ist ja auch sehr schön. Culebra ist ein beliebter Abstecher von Puerto Rico und wird bevorzugt mit den kleinen Flugzeugen bereist. Der Dingi-Steg ist am anderen Ende der großen Bucht, näher beim Ortskern, wenn man die drei Gassen so bezeichnen möchte, aber immerhin ziehen sie sich von der Lagunenseite, Ensanada Honda, den Kanal entlang bis zum Hafen an der Außenseite, an dem die Fähren anlegen. Dort sind auch die meisten Guesthouses, Lokale und Geschäfte. Hier wimmelt es von asiatischen Touristen unterwegs mit den offenen Tuk-Tuks zu den beliebten Stränden, sonst gibt die Insel wieder nicht allzu viel her. 

Die Dame bei der Immigration ist sehr nett, sie meint zwar, dass wir uns per Internet anmelden hätten sollen, aber es geht so auch, sie füllt jetzt das Cruising Permit im Computer aus, kostet dann 19 Dollar, sonst wäre es kostenneutral. Überhaupt fallen hier keine weiteren Kosten an, Bojen sind gratis und zum Schutz der Natur, wenn es wo welche gibt, nur wenn man das Distrikt verlässt, also zum Beispiel die Südküste Puerto Rico's bereist, muss man sich wieder bei den Behörden melden und sein Permit herzeigen. Etwas komisch ist, dass man sie antelefonieren soll, wir bekommen auch die Telefonnummern, allerdings ohne Vorwahl, die man erst raus bekommen müsste, funken scheint hier nicht üblich zu sein. Die Beamtin meint auch alle haben ohnehin amerikanische Handys oder eben amerikanische Wertkarten. Die sind, zumindest hier auf Culebra, nach Roberts Recherchen, nicht problemlos zu bekommen, wir nutzen das freie Internet am Flughafen. Wertkarten gibt es nur in den größeren Städten zu kaufen und sie scheinen auch wieder eher teuer zu sein, weil sie besonders schnelles Internet mit großem Datenvolumen anbieten, was wir ja gar nicht brauchen, schön blöd. Mal sehen, was sich nächste Woche in Fajardo, unserem ausgewählten Hafen auf Puerto Rico da organisieren lässt. 

Nachmittags nutzen wir auch noch die wirklich günstige Wäscherei, man muss bei einem privaten Steg zur Straße, dann ist es nur mehr ein paar Häuser weiter, sonst müsste man die ganze Bucht ausgehen, was etwa 3 Kilometer sein werden. Zwei Dollar, allerdings mit den hier immer wieder üblichen von oben zu füllenden Waschmaschinen ohne Programme und mit kaltem Wasser. Das Waschergebnis ist damit nicht überzeugend, zumindest was Flecken betrifft, Salz und Schweiß ist zumindest mal raus geschwemmt und geschleudert, die Badetücher wieder verwendbar.

 

Eifrig wie wir sind haben wir am ersten Tag gleich alles erledigt, was hier zu tun ist, in der Lagune möchte man ohnehin nicht lange stehen, weil das Wasser trüb ist und durch die Mangroven rundherum gibt es auch Gelsen, zumindest an Land. Wir nutzen am nächsten Tag noch einmal das Internet am Flughafen, wandern zur Flamenco Bay, angeblich einem der schönsten Strände der Karibik und lassen den Abend an Bord ausklingen. Der Strand hat feinen weißen Sand, glasklares Wasser, vereinzelt Palmen, und ein bisschen Riffe. Dahinter ist ein Zeltplatz, der auch gut besucht ist und natürlich einige Buden mit Snacks und Getränken. Ein netter Campingplatz, kann es mit den kroatischen und italienischen sicher aufnehmen. Zurück geht es zum Glück per Anhalter, denn es gibt keine Wanderwege, man latscht entlang der Straße, was heiß und unattraktiv ist. 

 

Nächster Stopp ist die kleine Naturschutzinsel Cayo de Luis Peña, wir nehmen eine der zwei Bojen, erste Reihe fußfrei zum weißen Strand. Über Tag kommen noch zwei Tauchboote die ihre Leute für ein paar Stunden auslassen und ein Pärchen wird gegen Mittag am Strand abgesetzt und abends wieder geholt. Damit hat der Strand einen blauen Sonnenschirm Farbtupfer. In der Nacht sind wir dann alleine, hängen aber mangels anderer Bojen noch immer an der Boje die mit "day use only” gekennzeichnet ist und hoffen, dass uns niemand in der Nacht besucht. Ein ganz neues Gefühl so ganz alleine zu stehen und das nicht ganz legal, wie es scheint. 

Ruhige Nacht, schöner Sonnenaufgang, frisch gebackenes Brot zum Frühstück und dann eine rasche, schaukelige Segelstrecke zur Isla Palminos, der nächsten kleinen Insel, von denen gibt es hier ganz viele. Nur zwei Meilen entfernt von Fajardo ist deutlich mehr los, viele Motorboote und einige Segler, trotzdem einen Besuch wert, denn auch hier gibt es ausgedehnte Riffe, wunderbar zum Schnorcheln und unter Tags ist die Beschallung mit karibischer Musik von einem kleinen Motorboot, auf dem sie den ganzen Tag reichlich trinkend abtanzen, eine willkommene Abwechslung. Auch hier bleiben wir, diesmal mit vier anderen Yachten, über Nacht, wir haben eine fast windstille Phase, da steht es sich überall gut und so wie es scheint dürfte die Bojenbenutzung in der Nacht geduldet sein. Wahrscheinlich wollen sie damit nur verhindern dass es sich ein paar wenige an den Bojen für Wochen gemütlich machen und Tagestouristen dann ankern müssten, was sie ja wegen der Zerstörung der Korallen auf keinen Fall möchten. Solange also Bojen frei sind und man sich nicht den Ärger irgendeines Einheimischen zuzieht, ist es sehr schön auf den kleinen Naturschutzinsel.

 

Die Ankunft am Ankerplatz in Fajardo verunsichert uns ein wenig, hier liegen nur ein paar einheimische Schiffe, zwei scheinen in Verwendung zu sein, die anderen ähneln schon eher abgestelltem Schrott, Richtung Ufer dann, wie immer die halb abgesoffenen Schiffsleichen, die Marina halb leer, dahinter zwei Apartementhochhäuser auf der kleinen Insel. An Land sieht man auch keinen Ort, sondern nur einen Fähranleger, zwei Marinas und jede Menge Hochhäuser, bzw. große Siedlungen. Ein großes Hotel am Berg mit Lift zum Wasser und ein riesen Block darunter, sind dort all die Wassersport treibenden Touristen für die der Ort so berühmt sein soll? Wahrscheinlich sind die noch weiter im Norden, denn da gibt es dann auch wieder Strände.

Ein amerikanischer Kat und später noch Norweger und Schweden zeigen uns, dass dieser Ankerplatz doch auch von Reisenden benutzt wird, es ist ruhig hier, vielleicht zu ruhig um sich sicher zu fühlen, wir werden das die nächsten Tage mal beobachten und uns um einen Marinaplatz umschauen. 

Mit dem Dingi in die Marina Isleta, geht ganz bequem, dort begrüßt uns gleich Hannibal, ein alter, dicker Mann der hier beauftragt oder selbsternannt Security ist, er erklärt uns, wo wir hingehen dürfen, dass uns das Wassertaxi nach Fajardo fünf Dollar pro Person kostet, bei ihm zu bezahlen und dass die Marina erst wieder Mittwoch besetzt ist. Im Lokal nutzen wir Internet und sind erfreut, dass ein Bier und ein Cola unter drei Dollar kosten. Die Waschmaschinen, die man hier auch benutzen darf nehmen auch wieder zwei Dollar, so wie in Culebra, brauchen wir jetzt aber noch nicht. 

Montag geht's dann los um Fajardo zu erkunden, wir fahren mit dem Dingi in die Sunbay Marina und fragen auch gleich nach den Preisen, falls wir uns hier ein paar Tage reinlegen wollen. Über 60 Dollar pro Tag für unsere 40 Fuß, unser Dingi darf, nachdem extra im Büro gefragt wurde, heute hier bleiben, wir müssen es nur auch mit Heckleine befestigen, was wir auch tun. Die Dame von der Rezeption gibt uns noch eine gezeichnete Skizze von Fajardo und meint, dass man hier gar nicht zu Fuß unterwegs sein kann, alles ist zu weit weg, sie ruft uns ein Taxi. Wir erklären ihr, dass wir immer gehen, verabschieden uns und gehen mal los. Beim Fähranleger, dort gibt es einen großen bewachten Parkplatz und zwei Bars, alles eher herunter gekommen, alle Häuser vergittert mit ungepflegten Gärten. Dafür laufen uns einige Leguane über den Weg, die fühlen sich hier wohl, genug Futter, genug Verstecke. Die Autovermietung ist nicht besetzt, an der Tür “komme gleich wieder”, wir erwarten es nicht. In einer der Bars sitzt Hannibal, wir erkennen uns gleich wieder und er will auch gleich seine zehn Dollar, wundert sich, dass wir selbst mit dem Dingi gefahren sind und nicht die Fähre benutzt haben. Mit Navi und der gezeichneten Karte finden wir alle Einkaufszentren, dafür gehen wir 15 km an all den großen Straßen entlang, ein kleines Stück Autobahn ist auch dabei, fast überall Gehsteige, selten begangen, denn alle fahren hier mit dem Auto. Robert meint, hier sieht es aus wie in Kalifornien, nur etwas vergitterter und trostloser. Auf jeden Fall wird uns mit jedem Kilometer klarer warum man hier nicht einkaufen geht.  Die Einkaufsmals K-Mart, Wal-Mart, noch weitere Supermärkte, Gewand- und Schuhgeschäfte, aber auch Elektro- und Werkzeug und dicht an dicht alle Fast Food Ketten sind vertreten. Überall wird man ausgefrohren, sie meinen es gut mit der Klimatisierung. Müde, mit zwei schweren Rucksäcken kommen wir um fünf zur Marina zurück, hier eine unangenehme Überraschung. Wir haben, wie immer unser Dingi mit dem Drahtseil abgesperrt, was wir hier nicht hätten tun dürfen. Sie sind echt sauer, so richtig und behandeln uns fast wie Verbrecher, wir haben sie gefährdet und wir sind hier unerwünscht, sollen nie wieder kommen, ein echt theatralischer Auftritt. Wir kommen uns auch wirklich schlecht und schuldig vor, entschuldigen uns, was sie aber nicht annehmen, sie bleiben vorwurfsvoll und abweisend, da haben wir sie scheinbar in ihrer Ehre gekränkt oder noch irgendwas anderes los getreten, auf jeden Fall eine heftige Reaktion auf ein Fehlverhalten. 

Ähnlich heftig reagiert auch ein Puerto Ricaner dem ein Schwede seine Boje belegt hat, die er abends wieder benutzen wollte. Er zahlt dafür, welche Frechheit, Robert versucht ob er die Crew findet und sie zurückholen kann, vergebens. Im Gespräch mit den zwei Aufgebrachten erfährt er dann ein bisschen was von den Marinagegebenheiten, es scheint überall eher teuer zu sein. 

Das schwedische Schiff wird schlussendlich von der Boje geknüpft und mit seinem Anker und reichlich Kette etwas abseits abgestellt. Noch lange hören wir die beiden heftig diskutieren, oder  streiten, die schwedische Familie bekommt davon gar nichts mit, ist wahrscheinlich eh besser so. 

Wieder neue Erfahrungen, man sollte erahnen oder vorher recherchiert haben was in einem Land üblich ist, was man tun, oder noch wichtiger was man auf keinen Fall tun darf, die Fettnäpfchen also gut ausloten. Wir haben heute mal unser Fett abbekommen und es braucht ein bisschen das zu verarbeiten und nicht alles hier unsympathisch zu finden. 

Für uns ist es nicht ganz nachvollziehbar, dass man, wenn man mit Touristen und Reisenden zu tun hat, nicht auch ein Gefühl dafür entwickelt wie Missverständnisse entstehen, wie andere Kulturen denken. Es scheint so, dass sie sich gar nicht vorstellen können, dass für uns das Absperren unseres Fahrzeuges ganz normal ist, oder für den Schweden Infrastruktur genutzt werden kann, besonders wenn niemand da ist, den man fragen kann, bzw. wenn man nicht darauf aufmerksam gemacht wird. Und mit dieser Überreaktion werden sie es auch nie erfahren, da passiert kein Austausch, sondern, wenn überhaupt ein Anpassen der Gäste. Bisher fühlt sich Puerto Rico nicht so spanisch, gemütlich an, eher kleinkrämerisch amerikanisch. 

Dienstag und Mittwoch sind dann Bordtage, wir nutzen die Zeit zum Recherchieren und per Mail Anfragen an alle möglichen Marinas zu stellen. Mit etwas Nachhaken bekommen wir dann auch von allen Antwort und Mittwoch ist, wie versprochen in der Isleta Marina die Zuständige auch wieder da. 

Zusammengefasst gibt es drei Marinas, Sunbay Marina 67, Porto Chico 57 und Porto del Rey mit 56 Dollar pro Tag, in der Isleta Marina zahlen wir 160 für sieben Tage, also knappe 23 pro Tag, das nehmen wir gerne und bereiten Fender und Leinen für unser Anlegemanöver morgen vor. Nachdem wir es hier in Amerika nicht so mit dem Telefonieren haben, fragen wir per Mail an und warten auf Rückmeldung, jetzt fehlt noch die Reservierungsbestätigung von unserem Leihwagen, dann steht der Inselrunde nichts mehr im Weg. 

Zum Glück ist es zum Anlegen windstill, ist auch so kompliziert genug, weil wir uns zwischen zwei Dalben und der Mole fixieren müssen, dazu noch zwei Springleinen, damit wir nicht zu sehr zum Steg gedrückt werden. So waren wir zuletzt bei Strakwind in Ermioni in Griechenland gesichert und in der Marina Stella, ist schon lange her. Noch während unserer Anmeldung im Büro beginnt es zu regnen, wie angesagt ist es jetzt die nächsten Tage sehr durchsetzt, Nieselregen, starker Regen, teilweise mit Wind, dazwischen windstill, schwül. Wir brechen trotzdem auf und marschieren in die Altstadt, obwohl sie als uninteressant, abgetan wurde. Wir sind positiv überrascht, die ersten schöneren Bauten, ein hübscher Hauptplatz, eine große Kirche, kleine Läden und Bars und eine Touristeninformation. Dort bekommen wir eine Karte und auch sonst einiges an Informationen, schon allein deswegen hat sich der Weg gelohnt. Freitags gehen wir noch einmal die lange Strecke bis zur Autobahn um unser Leihauto entgegen zu nehmen, leider bekommen wir nicht das von uns gewünschte Kleine und Günstige, sondern die nächst größere Klasse, die uns 57 Dollar pro Tag zuzüglich Versicherung, denn ganz ohne trauen wir uns doch nicht unterwegs zu sein, kostet. Pünktlich zur Abfahrt schüttet es wieder, auf den Straßen stehen schon Lacken und mit dem Wind ist es erstmals sogar kalt. Da freut man sich mit dem Einkauf wieder am Schiff zurück zu sein, genug Aktion für den Tag, morgen wollen wir zeitig los um San Juan und vielleicht noch ein bisschen mehr an der Nordküste zu sehen.

Beim Warten auf die kleine Fähre kommen wir mit einem anderen Segler, der schon länger in der Marina steht ins Gespräch, Boris, Russe aus der Ukraine, seit Jahren unterwegs, hier in der Karibik gefällt es ihm am besten, und er hat auch eine Langzeitaufenthaltsgenehmigung hier in Puerto Rico, er gehört hier als Original dazu. 

Wir starten mal mit Stadtbesichtigung, da wird es hoffentlich genug Möglichkeiten geben sich bei Regen unter zu stellen, Panoramastraße wäre ohne Sicht, die  sparen wir uns für einen sonnigeren Tag auf. 

San Juan ist Samstagfrüh rasch erreicht, wir parken bei den neuen Prunkbauten nahe der Altstadt, erst am Rückweg fällt uns auf, dass gleich ums Eck und die nächste Straße aus Abbruchhäusern und Müllhaufen besteht. Eher die Gegend, wo man mit aufgebrochenen Autos rechnet und nicht unbewacht stehen bleibt. Zum Glück ist nichts passiert, wir haben aber ohnehin nichts im Auto gelassen. Die Altstadt von San Juan ist erstmals wieder eine Stadt, so wie wir sie von Europa kennen und auch lieben, schöne Häuser, weitgehend renoviert, alte gepflasterte Straßen, die Steine sind als Schiffsbalast über den Atlantik gekommen, zurück wurde dann Zucker oder andere Ware transportiert. In der Nähe vom Kreuzfahrtschiffhafen reihen sich Boutiquen, Souveniergeschäfte und Duty Free Läden aneinander, in vielen historischen Bauten befinden sich Museen, in den Innenhöfen sind Märkte oder Ausstellungen, eine lebendige Stadt. Und was uns besonders auffällt, auf der Wiese vor dem Fort San Felipe del Morro trifft man sich, lässt Drachen steigen, Erwachsene sitzen beisammen, Kinder spielen. Alle Eintrittspreise sind moderat, da kann man sich Kultur leisten, auch das ist hier toll. Uns gefällt es, es wird rasch Nachmittag, besonders angetan waren wir vom San Cristobal Fortress, eine vollständig erhaltene Befestigungsanlage, UNESCO Weltkulturerbe. Historisch interessant ist, dass bis 1961 hier die Amerikaner ihre Stellung aufgebaut hatten, im zweiten Weltkrieg waren sie hier aktiv, erst danach wurde es wieder zivil und denkmalgeschützt. Vielleicht mit ein Grund warum es so gut erhalten ist. Insgesamt hat man aber den Eindruck, dass hier Geschichte und Kultur gelebt wird, etwas wert ist. Die Festungen, die schönen großen Häuser, die Pflasterung der Straßen, man kann sich nur schwer vorstellen wie das in der Zeit der Kolonialisierung alles erschaffen wurde, wer hier geherrscht und verdient hat und wie viele ausgebeutet und geschunden wurden. Die große, sichere Hafenbucht hier in San Juan war auf jeden Fall ein Anziehungspunkt und eine Insel auf der alles gut wächst, deren Natur man nutzen kann, war ja Ziel der Reisen. 

Unseren Weg zurück nach Fajardo nehmen wir über die Berge, wir haben noch Zeit und wider Erwarten hat sich die Sonne durchgesetzt. Auf der Karte sind es nur einige Kilometer, vorbei am Lago Loiza nach Gurado und Juncos, man braucht Stunden für diese Strecke, nicht nur, weil man immer wieder mal stehen bleibt um die Landschaft zu genießen, die Straßen winden sich steil die Berge auf und ab, der Blick in die Ebene, in der die Städte sind ist nichts für Höhenkranke.

 

Puerto Rico ist eine Insel der Kontraste, so reißt es uns emotional zwischen Begeisterung und einem befremdlichen Gefühl hin und her, sehr amerikanisch, sehr spanisch, sehr großstädtisch, sehr ländlich, einfach, vergittert, nobel eingezäunt mit Security. Ich fühle mich sicher, Robert hat immer wieder mal ein ungutes Gefühl, natürlich gibt es hier auch Kriminalität, auffällig ist die Polizeipräsenz in Ponce, der zweiten großen Stadt der Insel. So viel Bewachung sollte Sicherheit vermitteln, Bei Robert verstärkt sich das Gefühl, dass man hier auf der Hut sein sollte, sonst müsste man nicht jedes kleine Haus wie einen Hochsicherheitstrakt ausbauen, hinter fast jedem Zaun kläfft ein Hund. Sehr amerikanisch sind auch die Orte, Städte, Siedlungen. Von der Ferne glaubt man einen großen Friedhof zu sehen, lauter gleiche weiße Grabsteine mit jeweils einer bunten Plastikblume, oder doch eine Siedlung mit lauter gleichen Häusern, aufgebaut wie Zündholzschachteln mit Carboard, viel unpersönlicher kann man fast nicht mehr wohnen. Amerikanisch, wenn man übersiedelt wechselt man einfach die Schachtel, gleiches Design, anderer Ort. Und alles ist eingezäunt und bewacht, einkaufen fährt man zu den Shoppingmals, gut, wenn man ein Auto hat, kleine Geschäfte vor Ort haben wir fast keine gesehen. 

Unser zweiter Tag mit Leihauto führt uns ins Zentrum der Insel, Route Panoramica und Abstecher zu sehenswerten Orten, hier ist hauptsächlich Natur angesagt, Wasserfälle, wunderbare Ausblicke über die Landschaft, Canyon und Café Plantage mit Hacienda und Cafeverkostung vor Ort. Wir haben an den zwei Tagen so viel gesehen und erlebt, dass man gar nicht weiß, wo man mit dem Erzählen anfangen soll, es war einfach schön! 

Wir waren wieder einmal in den Bergen, mit etwas kühlerer, angenehmer Luft und wir hatten Glück, nur selten Regen und manchmal ein vertrauter Duft in der Luft, kein Wunder, hier gibt es Almen mit Kühen und Föhrenwälder, man glaubt über die Voralpen zu schauen, nur hin und wieder eine Palme oder ein Tulpenbaum verrät, dass man in tropischen Gefilden ist. Man braucht sich aber auch nur umzudrehen oder ein paar Kurven weiter zu fahren und schon ist man in feuchtem Urwald, Bromelien an den Stämmen der Bäume, Luftwurzeln, Bambus der über die Straße hängt, also doch weit weg von zu Hause. Unsere kleine Wanderung im Toro Negro Forest ist nass, Regenwald mit Regen, wie könnte es anders sein, wir stellen uns eine Zeit lang bei den Picknickplätzen unter, nutzen die hellen Momente um weiter zu wandern, man wird unter den Bäumen, Farnen und Palmen auch kaum nass, das Blätterdach hält erstaunlich dicht. Hier wäre der höchste Berg der Insel zu besteigen, bei besserem Wetter sicher ein Highlight.

In der Hacienda San Pedro treffen wir Fernando und Carmina, ein älteres Ehepaar aus der Gegend, die hier sonntags Essen gehen. Wir kommen ins Gespräch und besichtigen gemeinsam die Plantagen, bekommen von ihnen auch einen Tipp fürs Übernachten und ihre Telefonnummer, falls wir was brauchen, sie helfen uns gerne. Wir sollen Puerto Rico genießen, sollten länger bleiben, sie besuchen, unglaublich gastfreundlich, liebenswert, schade, dass wir dieses Angebot nicht annehmen können, vielleicht ein anders mal, denn die Insel ist wirklich einen Besuch wert. 

Die Nacht verbringen wir in den Bergen in der Hacienda Gripinas, ein altes Plantagenhaus, nett renoviert, ein Ort zum Verweilen, mit Hängematte am Balkon, Pool im Garten, Blick in die üppige Landschaft und ein Konzert der Tiere bis wir schlafen und es nicht mehr mitbekommen ob sie weiter vor sich hin zwitschern und quaken. In der Früh sind sie auf jeden Fall alle wieder aktiv. Auch hier und im kleinen Landgasthof in dem wir uns abends Mofongo, ein lokales Gericht aus Kochbananen gegönnt haben, sind sie unheimlich freundlich, interessiert am Besuch, wo wir herkommen, wie wir so leben auf Reisen, was wir schon alles gesehen haben und gleich wieder Tipps, was man in Puerto Rico unbedingt sehen muss. Hier fühlt man sich als Gast, willkommen, da vergießt man gern die anfänglichen Schwierigkeiten an der Küste, in der Marina. Es ist ja oft so, dass man etwas vom Touristenstrom weg muss um ein Land erleben und lieben zu können. 

Bei unserer Lokalsuche sind wir von einer Menschenansammlung angezogen worden, könnte ja ein beliebtes Lokal sein, zu einem Event der anderen Art gekommen. Wir dachten, dass Hahnenkämpfe aus Tierschutzgründen verboten sind, hier gibt es eigene Hallen mit Tribünen, Programm und Wettbüros. Die Kämpfe sind in vollem Gange, es wird angefeuert, geflucht und reichlich getrunken, die meisten Männer haben schon Schlagseite, Volksfeststimmung, hier sind alle vertreten, vom Kind bis zum Greis, auch viele junge Paare und Frauen. Uns reicht der Blick in die Halle und der Geruch, Ticket wollen wir keines und dem blutigen Gemetzel zuschauen auch nicht. 

Montag lassen wir uns Zeit, die Ruhe in der Hacienda, die Berge, die Menschen, hier ist das spanische, sympathische Puerto Rico, hier gefällt es uns. Ponce und die Orte der Südküste haben es dann schwer  uns zu begeistern, es ist schwül und laut, damit ist man deutlich müder und langsamer. Wir schlendern durch die Stadt, suchen die Markthalle, die montags leider geschlossen hat, sitzen im Schatten der Bäume an den schönen Plätzen, Blick auf das berühmte Feuerwehrhaus, die Kathedrale und den Löwenbrunnen. 

 

Zum Abschluss unserer Inselerkundung erwandern wir noch den El Yunque Nationalpark, Dienstag, bei schönem Wetter, ungetrübter Weitblick vom Aussichtsturm und Gipfel in alle Richtungen. Komisch ist nur, dass der Regenwald fast ausschließlich aus Palmen besteht und die sind nicht mal besonders groß, sieht fast ein bisschen aufgeforstet aus. Die Wege sind für uns auch etwas ungewohnt, über weite Strecken betoniert, Schmalspurstraßen im Gelände, es gibt aber auch Wanderwege und es gibt auch Waldabschnitte mit mehr Urwald, lassen wir uns erklären, nur dort, wo man es für die Touristen erschlossen hat, eher nicht. Mittags am Rückweg wollten wir noch im Besucherzentrum vorbei schauen, Stau bei der Zufahrt, im der Früh waren wir die einzigen hier, jetzt ist alles zugeparkt, hunderte wandern die ausgeschilderten Routen entlang, welch Massenauflauf, da sind wir gerne wieder dahin. Am Heimweg bleiben wir noch an den berühmten Stränden stehen, die uns alle nicht begeistern, zu schmutzig, Straße im Hintergrund. In den Resorts und die eingezäunte Sven Seas Beach sind schöner, sonst wären Touristen sicher enttäuscht. 

 

Letzte Einkäufe solange man das Auto noch hat, Mittwoch ist Bordtag, wir verarbeiten unsere Eindrücke, nutzen die Infrastruktur der Marina, putzen das Schiff, waschen Wäsche, füllen Wasser nach und erledigen kleinere Reparaturen. Wir bereiten uns auf die längere Strecke zurück nach St. Martin und Antigua vor.